+
Bei dem von Oberst Klein geleiteten Angriff am 4. September 2009 kamen bis zu 142 Menschen ums Leben. 

Kundus-Affäre: Neue Vorwürfe gegen Oberst Klein

Berlin - Knapp vier Monate nach dem tödlichen Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan gibt es neue Vorwürfe gegen den verantwortlichen Bundeswehr-Oberst Georg Klein.

Wie der “Spiegel“ am Samstag unter Berufung auf den geheimen NATO-Abschlussbericht schrieb, soll sich Klein während des Angriffs “vom System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung“ isoliert haben. Außerdem enthielt die Bundeswehr dem Bericht zufolge den US-Jagdbomberpiloten, die den Angriff ausführten, wichtige Informationen vor.

Wie der “Spiegel“ berichtet, waren die mutmaßlichen Verstöße des Obersts gegen NATO-Vorschriften nur möglich, weil dieser ausschließlich vom Gefechtsstand der Task Force 47 aus agiert habe. Während die Bundeswehr die Rolle der Task Force und damit des KSK bisher stets heruntergespielt habe, komme die NATO zu einem anderen Ergebnis. In dem Bericht heiße es, “dass der Einsatz hauptsächlich vom Personal der Task Force 47 initiiert und ermöglicht wurde“. Die deutsche Spezialeinheit Task Force 47 agiert strikt abgeschirmt auf dem Gelände des deutschen Feldlagers in Kundus. Die Einheit besteht zur Hälfte aus KSK-Elitesoldaten und zur anderen aus Aufklärern der Bundeswehr.

Einer der beiden Jagdbomberpiloten sagte dem “Spiegel“ zufolge, er habe die ganze Nacht kein gutes Gefühl gehabt. Der Mann habe gar den Abbruch des Einsatzes erwogen, da er gespürt habe, dass der deutsche Kommandeur am Boden das Bombardement um jeden Preis wollte. Aus dem geheimen NATO-Bericht geht laut “Spiegel“ hervor, dass die Bundeswehr über einen Informanten wusste, dass mindestens einer der beiden Fahrer der Tanklastwagen noch am Leben war, als diese die Sandbank im Fluss erreicht hatten. Der Übersetzer der Task Force 47, ein Afghane mit deutschem Pass, der in der Nacht mindestens sieben Mal mit dem afghanischen Informanten gesprochen habe, habe dies als Zeuge vor NATO-Ermittlern ausgesagt. Der Fliegerleitoffizier von Oberst Klein habe auf Nachfragen von US-Seite solche Informationen jedoch verneint. Einer der beiden US-Piloten machte dem Bericht zufolge gegenüber den NATO-Ermittlern klar, dass sie ihre Waffen nicht eingesetzt hätten, wenn ihnen klar gewesen wäre, dass einer der entführten Tanklasterfahrer unter den Menschen im Zielgebiet sei.

AP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Türkische Offensive vertreibt IS aus syrischer Grenzstadt

Offensive "Schutzschild Euphrat": Syrische Rebellen sind unterstützt von türkischen Panzereinheiten und der US-Luftwaffe in eine Bastion der Terrormiliz IS eingerückt. …
Türkische Offensive vertreibt IS aus syrischer Grenzstadt

SPD-Wahlkampfbus brennt in Berlin aus

Berlin (dpa) - Ein Wahlkampfbus der SPD ist am Morgen in Berlin-Lichtenberg ausgebrannt. Die Brandursache war Polizeiangaben zufolge zunächst unklar, da die …
SPD-Wahlkampfbus brennt in Berlin aus

"Das ist Verunsicherung aus politischem Kalkül"

Berlin - Debatte ums Zivilschutzkonzept: Im Interview mit dem Münchner Merkur wirft FDP-Vize Wolfgang Kubicki der Union vor, mit ihrer Sicherheitspolitik Ängste der …
"Das ist Verunsicherung aus politischem Kalkül"

Bundestag: 68.800 Euro an Steuergeldern für Luxus-Füller

Berlin - Einen Füller gibt es für wenige Euro im Schreibwarengeschäft, man kann aber auch mehrere Hundert Euro dafür ausgeben. Politiker im Bundestag haben das getan - …
Bundestag: 68.800 Euro an Steuergeldern für Luxus-Füller

Kommentare