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Bei Demonstrationen in vielen europäischen Städten, wie hier in Münster, solidarisierten sich Kurden mit der Bevölkerung von Kobane.

Gegen Terror im syrischen Grenzgebiet

Kurden in Europa protestieren gegen IS-Terror

Brüssel/Berlin - Die Kundgebungen waren nicht offiziell angekündigt, doch es kamen Tausende: In vielen deutschen und europäischen Städten solidarisieren sich Kurden mit der Bevölkerung von Kobane.

Mit Protestaktionen und Besetzungen haben kurdische Demonstranten in vielen deutschen und europäischen Städten auf die verzweifelte Lage in der umkämpften syrischen Stadt Kobane aufmerksam gemacht. Sie drangen auch in öffentliche Gebäude ein. Die Proteste sollen weitergehen.

Allein in Deutschland gingen am Montagabend einige Tausend Menschen auf die Straße. Die islamistische Terrormiliz IS versucht derzeit gegen den erbitterten Widerstand kurdischer Kämpfer, die nahe der türkischen Grenze liegende, von Kurden bewohnte Stadt Kobane zu erobern.

In einigen europäischen Städten verschafften sich die kurdischen Demonstranten Zutritt zu Gebäuden wie Funkhäusern oder Parlamenten. Die Aktionen blieben weitgehend friedlich. Manche Protestierer trugen Fahnen linksextremistischer Organisationen wie der PKK. Auch Bilder des in der Türkei inhaftierten früheren PKK-Chefs Abdullah Öcalan waren zu sehen. Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) ist in Deutschland wie in der Türkei verboten und wird in der EU und den USA als terroristische Vereinigung geführt.

Ein Toter bei Protesten in der Türkei

Bei Protesten in der Türkei wurde in der vor allem von Kurden bewohnten Stadt Varto im Osten des Landes ein 25-Jähriger durch Schüsse getötet. Auch in Istanbul kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Auseinandersetzungen dort dauerten bis weit nach Mitternacht und gingen am Dienstag weiter. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz empfing am Dienstag in Brüssel Vertreter von Demonstranten, die am Morgen für ungefähr eine Dreiviertelstunde das Europaparlament besetzt hatten. Vor dem Gebäude protestierten mehrere Hundert Menschen aus ganz Europa.

In Den Haag waren am Montagabend etwa 100 Kurden in die Lobby des niederländischen Parlaments eingedrungen. Nach einem Gespräch mit der Parlamentsvorsitzenden verließen sie am frühen Morgen das Gebäude, wie niederländische Medien berichteten. Auch am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle und vor dem österreichischen Parlament in Wien gab es Solidaritätsaktionen. In Basel in der Schweiz blockierten etwa 250 Menschen für rund eine Stunde die Straßenbahngleise am Marktplatz.

3000 Demonstranten in NRW

In Deutschland gingen am Montag allein in Nordrhein-Westfalen laut Polizei insgesamt etwa 3000 Kurden auf die Straße. In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten in Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und des Auslandssenders Deutsche Welle ein und übergaben eine Resolution. In Hamburg besetzten rund 80 Kurden für knapp eine Stunde mehrere Gleiseund verursachten massive Behinderungen im Zugverkehr. Dort nahm die Polizei auch 14 Randalierer in Gewahrsam, nachdem Scheiben eines türkischen Restaurants eingeschlagen und Autos demoliert worden waren.

In Berlin versammelten sich laut Polizei am Montagabend etwa 600 Kurden. In Frankfurt zogen in der Nacht zum Dienstag 500 bis 600 Menschen vom türkischen zum US-Generalkonsulat und forderten laut Polizei ein härteres Vorgehen gegen die IS-Miliz. Protestveranstaltungen gab es auch in Städten wie Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund, Bremen und Kiel.

dpa

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