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Ganze Familien müssen in Öcüpinar im Freien schlafen.

"Nicht genug Platz"

Lage für Flüchtlinge im Grenzgebiet katastrophal

Öncüpinar - Die Lage für die aus Aleppo geflohenen Flüchtlinge im syrisch-türkischen Grenzgebiet wird immer katastrophaler. Hilfsorganisationen berichten von überfüllten Lagern und Familien, die auf der Straße schliefen.

Der Hauptgrenzübergang Öncüpinar blieb weiterhin geschlossen - die UNO forderte die Türkei auf, die Schutzsuchenden ins Land zu lassen. Der Russlandbeauftragte Gernot Erler (SPD) warnte unterdessen vor einer Konfrontation Russlands mit der Nato.
"Es gibt nicht mehr genug Platz für die Familien", sagte Ahmad al-Mohammed von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Viele Menschen schliefen unter freiem Himmel und hätten nur das bei sich, was sie in Eile auf der Flucht mitnehmen konnten. Wegen der Kälte und der überfüllten Lager gebe es zahlreiche Durchfallerkrankungen. Teilweise schliefen 20 Menschen in Sieben-Mann-Zelten.


Nach UN-Angaben flohen in den vergangenen Tagen 31.000 Menschen aus Aleppo und Umgebung vor der dortigen Offensive der syrischen Regierungstruppen, die von Russland unterstützt werden. EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte, die russischen Luftangriffe machten "eine jetzt schon schlechte Lage noch schlimmer". Die syrische Führung gewinne und die moderate Opposition verliere dadurch an Boden und "tausende weitere Flüchtlinge fliehen Richtung Türkei und Europa".
Die Türkei öffnet die Grenze derzeit nur für Notfälle und will die Flüchtlinge vorerst auf syrischem Gebiet versorgen. Helfer verteilen seit Tagen Kleidung, Matratzen und Nahrungsmittel. Auch das Welternährungsprogramm (WFP) begann mit der Verteilung von Hilfsgütern.


Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) rief die Türkei auf, die Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen. "Wir verstehen, dass die Türkei schon 2,5 Millionen syrische Flüchtlinge beherbergt und eine enorme Bürde trägt", sagte ein UNHCR-Sprecher. "Deswegen fordern wir die Staatengemeinschaft auf, der Türkei zu helfen."


Auch der UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien äußerte sich "tief beunruhigt". Schätzungen zufolge seien etwa 80 Prozent unter den zehntausenden Flüchtlingen Frauen und Kinder. O'Brien rief die Konfliktparteien auf, zivile Einrichtungen zu verschonen und Zivilisten zu ermöglichen, sich an sicherere Orte zu begeben. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wurde vor einigen Tagen im Süden von Syrien eines ihrer Krankenhäuser getroffen, dabei starben drei Menschen.


Erler sagte unterdessen Zeit Online, von Russland unterstützte syrische Truppen näherten sich der Grenze zur Türkei, wo es auf syrischer Seite türkische Einrichtungen für Flüchtlinge gebe. Daher könne es "jederzeit zu einem Konflikt zwischen Russland und der Türkei kommen". Da Nato-Staaten der Türkei zu Hilfe eilen müssten, wäre ein Zwischenfall wie der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November "eine absolut gefährliche Situation".


US-Außenminister John Kerry forderte Russland erneut dazu auf, sich an den Bemühungen um eine Waffenruhe und einen vollständigen humanitären Zugang für Hilfsbedürftige zu beteiligen. Was Russland in Aleppo tue, mache die Verhandlungen darüber "sehr viel schwieriger", erklärte er.
Die türkische Regierung fürchtet, die von russischen Luftangriffen unterstützte Offensive der syrischen Armee könne "schlimmstenfalls" bis zu 600.000 Menschen aus der Provinz Aleppo vertreiben. Ein im November zwischen der EU und der Türkei vereinbarter Plan verlangt von Ankara eine bessere Grenzsicherung. Im Gegenzug soll Ankara drei Milliarden Euro bekommen, um die mehr als 2,5 Millionen Flüchtlinge im Land zu versorgen.


Zwei Nichtregierungsorganisationen gaben unterdessen die Zahl der Menschen in insgesamt 46 belagerten syrischen Städten mit mehr als einer Million an. Die Betroffenen in und außerhalb der Hauptstadt Damaskus, in Homs, Deir Essor und der Provinz Idlib litten unter Nahrungs-, Trinkwasser- und Strommangel und drohten zu sterben, erklärten Pax aus den Niederlanden und The Syria Institute aus den USA, die sich zum Projekt "Siege Watch" zusammengeschlossen haben.

AFP

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