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Alle Stimmkreise im Überblick

Das sind die Münchner Wahl-Sieger

München - Schwarz regiert auch in der Stadt: Sieben von acht Münchner Wahlkreisen gingen an die CSU. Allerdings schaffte eine SPD-Frau in ihrem Wahlkreis eine kleine Sensation.

Lange muss die SPD zittern an diesem Abend, um zu erfahren, ob wenigstens München Balsam auf geschundene rote Seelen ist. Sieben von acht Stimmkreisen hatte die CSU bei der Landtagswahl 2008 geholt – diesmal hoffen die Genossen auf den „Ude-Effekt“. In Schwabing und Bogenhausen wird es immer enger, je länger der Abend dauert. Jubiliert SPD-Stadtchef Hans-Ulrich Pfaffmann noch gegen 21 Uhr, dass die SPD in München „dank der Direktmandate grandios aus dieser Wahl herausgegangen“ ist, so muss er sich später korrigieren. Die Ergebnisse in den Stimmkreisen, Stand 22.30 Uhr:

Stimmkreis 108 – Schwabing

Sie war nahe an der Sensation, doch am Ende muss sich SPD-Kandidatin Isabel Zacharias in Schwabing erneut ihrem CSU-Gegenspieler, Kultusminister Ludwig Spaenle, geschlagen geben. 31,6 Prozent der Erststimmen hat er bei Redaktionsschluss, Zacharias 29,4. Der Wahl-Krimi aus dem Jahr 2008 wiederholt sich im Stimmkreis, damals reichte es um 725 Stimmen nicht für Zacharias. „Bei den Gesamtstimmen liege ich deutlich vorne“, sagte Zacharias. „Es ist schade, ich finde ich hätte es verdient.“ Im Stimmkreis drängelte sich weitere Polit-Prominenz aller Parteien auf engstem Raum. Margarete Bause, die 2008 mit 18,1 Prozent das stadtweit beste Erststimmenergebnis erzielte, schneidet dieses Mal nicht ganz so gut ab. Am Ende holt sie 17,6 Prozent und sagt: „Angesichts des nicht so fulminanten Münchner Ergebnisses ein schönes Ergebnis für mich.“

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Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP), der ebenfalls im Stimmkreis angetreten ist, ist tief enttäuscht, auch wenn er in Schwabing 8,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann: „Das ist zwar mehr als zweieinhalb Mal der Landesdurchschnitt, aber das reicht natürlich nicht.“

Stimmkreis 104 – Milbertshofen

Würde die rote Trutzburg Milbertshofen fallen, wenn die SPD-Galionsfigur Franz Maget nicht mehr antritt? Nein, lautet die Antwort am Wahlabend schon recht bald. Ruth Waldmann schafft die Sensation. Magets persönliche Referentin aus dem Jahr 2008, jetzt Direktkandidatin der SPD, holt den Stimmkreis mit 33,8 Prozent der Erststimmen bei Redaktionsschluss. Ihre CSU-Konkurrentin Mechthilde Wittmann holt 32,3 Prozent. Milbertshofen, so scheint es, bleibt die rote Insel im schwarzen Meer. Die Gewinnerin zeigt sich überrascht: „Das habe ich nicht erwartet. Ich bin dankbar und auch ein bisschen stolz, auch, weil meine Gegenkandidatin massiv überrepräsentiert war. Die hatte ja so viele Wahlplakate.“

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Ein gutes Ergebnis kann auch die dritte Frau im Kandidatenbunde einfahren: Grünen-Stadtchefin Katharina Schulze vereint 13,6 Prozent der Erststimmen auf sich. So richtig freuen kann sie sich aber nicht. „Wir sind alle traurig und enttäuscht, aber es ist toll, was wir im Wahlkampf für ein engagiertes Team hatten.

Stimmkreis 107 – Ramersdorf

Einige hatten ein deutlich knapperes Rennen erwartet. Doch ziemlich schnell zeichnet sich om Osten ab: CSU-Kandidat Markus Blume gewinnt mit deutlichem Vorsprung (42,8 Prozent) vor seinem SPD-Widersacher Markus Rinderspacher (29,7). „Wenn es irgendwo keinen Ude-Effekt gegeben hat, dann in den Stadtrand-Gebieten“, sagt Blume. „Mein Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Doch auch Rinderspacher zeigt sich zufrieden. „Ich habe die größten Zuwächse bei den SPD-Erststimmen in der Stadt – und das im tiefschwarzen Osten.“ Seine Medienpräsenz als SPD-Fraktionschef habe dazu sicher beigetragen, gleichwohl: Das ist doch respektables Ergebnis.“ FDP-Kandidat Mahmut Türker, der nur 4,1 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen kann, ist tief enttäuscht. „Es ist eine extrem kalte Dusche, völlig unerwartet“, sagt der Mann, der als erster FDP-Politiker mit Migrationshintergrund ins Maximilianeum wollte.

Stimmkreis 102 – Bogenhausen

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich zunächst auch die Kandidaten in Bogenhausen. SPD-Kandidat Hans-Ulrich Pfaffmann ist lange optimistisch. „Gleich auf mit der CSU. Das gab es noch nie“, frohlockt er. Doch am Ende geht der Stimmkreis mit 36,1 Prozent der Erststimmen an den CSU-Mann Robert Brannekämper. Der ist noch geschafft: „Wir haben ein Wechselbad der Gefühle hinter uns, aber das große Ziel ist erreicht.“ Pfaffmann kann nur 29,2 Prozent holen.

Grünen-Kandidat Ludwig Hartmann, der 2008 mit 14,8 Prozent der Erststimmen ein sehr gutes Ergebnis erreichte, konnte auch diesmal mit 14,2 Prozent ein respektables Ergebnis einfahren. „Mit meinem Ergebnis kann ich ja noch zufrieden sein, aber das Landesergebnis frustriert natürlich“, sagt er. FDP-Kandidatin Gabriele Weishäupl bricht dagegen in Tränen aus, als sie von ihrem Zwischenergebnis (6,6 Prozent) hört. Ihre Bekanntheit konnte die langjährige Wiesn-Chefin nicht unbedingt in Stimmen umsetzen. „Ich bin fürchterlich traurig, dass es trotz eines gewaltigen Kampfes nicht geklappt hat“, sagt sie. Sie sei aber froh, dass sie mehr Prozent bekommen habe als ihre Partei landesweit. „Das baut mich auf.“

Pressestimmen zur Wahl: "Der Super-Horst"

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Stimmkreis 103 – Giesing

Das Giesinger Direktmandat geht, wie bereits 2008, an Andreas Lorenz (CSU). Bei Redaktionsschluss hatte er 33,4 Prozent der Erststimmen auf sich vereint: „Ich bin schon davon ausgegangen, dass es gut ausgeht. Ich bin ja auch schon lange im Münchner Süden verwurzelt.“ SPD-Mann Florian von Brunn kommt auf nur 29,5 Prozent der Stimmen – und ist trotzdem zufrieden. „Wenn man weder im Stadtrat noch im Landtag ist, ist das ein gutes Ergebnis, wenn man bei 30 Prozent liegt. Unser Problem war Solln, da haben wir zu wenige Stimmen geholt.“

Zufrieden zeigt sich auch Freie-Wähler-Kandidat Michael Piazolo, der 7,5 Prozent der Stimmen einfährt. „Ich bin in München der Kandidat der Freien Wähler mit den meisten Stimmen.“ FDP-Kandidatin Julika Sandt verliert rund 7 Prozent im Vergleich zur Wahl 2008, sie erreicht 5,5. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt sie. Immerhin liegt ihr Ergebnis über dem Landesergebnis der FDP. „Alles andere hätte mich auch geschockt.“

Stimmkreis 105 – Moosach

In Moosach zeichnet sich schnell ab, dass Joachim Unterländer (CSU), der sich seit 1994 als Platzhirsch im Stimmkreis behauptet, erneut das Direktmandat gewinnt. 2008 hatte er 34,6 Prozent der Erststimmen auf sich vereint, heuer sind es bei Redaktionsschluss sogar 39,5. Der Gewinner gibt sich bescheiden: „Ich denke, es war der generelle Trend, die CSU wieder zu stärken. Wir hatten ja viel an die FDP verloren. Bei der Wahl 2008 hatten wir bei uns im Norden auch noch die Diskussion um den Transrapid zu bestehen.“

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SPD-Kandidatin Diana Stachowitz ist trotz ihrer 31,7 Prozent nicht zu tief enttäuscht. „Die Hälfte der FDP-Wähler ist halt wieder zur CSU zurückgegangen“, resümiert sie. Mein Wahlkampf hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Heidi Schiller von den Grünen (9,2 Prozent) kann nicht so zufrieden sein: „Wir mussten wohl einiges an die SPD abgeben.“ Immerhin gibt sie sich kämpferisch. „Ich bin in einem Stimmkreis angetreten, in dem alle gesagt haben, da gibt es für die Grünen nichts zu holen – aber man muss nur daran arbeiten.“ In Moosach erzielten die Grünen 2008 das schlechteste Ergebnis stadtweit – immerhin, die Rote Laterne hat Schiller diesmal an Ramersdorf weitergeben können.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

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Stimmkreis 101 – Hadern

Der neu zugeschnittene Stimmkreis Hadern geht an die CSU – Kandidat Georg Eisenreich ist entsprechend gut drauf: Ein Ude-Effekt? „Bei mir nicht!“, sagt er nicht ohne Stolz. Den Stimmkreis Hadern sichert er sich relativ deutlich – mit 37,5 Prozent bei Redaktionsschluss. „Entscheidend ist, dass ich fünf Jahre eine gute und sachliche Arbeit gemacht habe und vor Ort war. Das wurde honoriert!“ Geschlagen geben muss sich SPD-Kandidat Andreas Lotte, der zum ersten Mal im Stimmkreis angetreten war – mit 31,1 Prozent der Stimmen. „Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich hatte schon die Hoffnung zu gewinnen. Aber ich bin ein Neuling und auch in meinem Stimmkreis konnten wir deutlich dazugewinnen.“ Grünen-Kandidat Florian Kraus muss sich mit 12,0 Prozent der Stimmen ebenfalls nicht grämen. Dennoch ist er enttäuscht: „Ich bin verwundert, dass der Fall Gustl Mollath keine Auswirkungen auf das Wahlverhalten hatte – und auch der Fall Theresa Z. nicht.“

Stimmkreis 106 – Pasing

Der Münchner Westen ist CSU-Land – und er bleibt es auch nach der Landtagswahl 2013. CSU-Kandidat Otmar Bernhard, der bei 42,0 Prozent der Prozent der stimmen liegt, sieht die Gründe vor allem darin, dass es den Bayern nun mal gut gehe. „Aber ich habe durch meine jahrelange Arbeit auch das Vertrauen der Bürger hinter mir.“ Auf den etwaigen Ude-Effekt angesprochen, sagt er augenzwinkernd: „Es gibt ein englisches Sprichwort, das sagt: Taten sind Früchte, Worte sind Blätter.“ Sein Widersacher Florian Ritter von der SPD (27,1 Prozent) kann da nicht viel erwidern: „Pasing ist nun mal traditionell ein schwieriges Terrain für uns. Und offensichtlich ist es uns nicht ganz so gut gelungen, die Wähler zu mobilisieren.“

Christian Hierneis von den Grünen (11,3 Prozent) kann sich immerhin damit zufrieden geben, dass er an Erststimmen nicht verloren hat. „Das sehe ich als Beweis dafür, dass ich mit meinen klassisch grünen Themen – der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen, weniger Flächenversiegelung – richtig liege“, sagt der München-Chef des Bundes Naturschutz.

Freie-Wähler-Kandidatin Ursula Sabathil (5,5 Prozent) kann mit dem Abschneiden ihrer Partei und auch ihrem eigenen leben. „Auch, wenn das Ergebnis schlechter ist als vor fünf Jahren: Die Situation ist heute auch eine andere. Damals wollte man die CSU abwählen.“  

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