Landtagswahl Thüringen
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Die sechsteilige Bildkombo aus Archivfotos zeigt die Spitzenkandidaten zur Thüringer Landtagswahl am 14. September 2014 (oben/v.l.) Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), Heike Taubert (SPD), Bodo Ramelow (Die Linke); (unten (v.l.) Björn Höcke (AfD), Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen) und Uwe Barth (FDP).

Landtagswahl am 14. September

Thüringen: Koalitionen und Kandidaten im Fokus

Weimar - In Thüringen findet am 14. September die Landtagswahl statt. Sechs Kandidaten bewerben sich um das Amt des Ministerpräsidenten. Wir haben sie und die möglichen Koalitionen unter die Lupe genommen.

Schwarz-Rot, Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün? Rund anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen steigt die Spannung. Entweder bleibt alles wie gehabt bei einem CDU-SPD-Bündnis - oder die Wahl endet mit einem Paukenschlag. Nach 24 Jahren droht der CDU und damit auch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) der Machtverlust. Erstmals könnte mit dem Ex-Gewerkschafter Bodo Ramelow ein Links-Politiker Regierungschef werden. Der SPD kommt dabei die Rolle der Königsmacherin zu. Sie steht einem tiefroten Bündnis unter möglicher Beteiligung der Grünen offen gegenüber.

Noch vor wenigen Monaten tat Lieberknecht Rot-Rot-Grün als "medialen Hype" ab. Inzwischen nimmt sie das nicht mehr so leicht. Es gehe "um eine Richtungsentscheidung", warnt sie und wirbt für eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition. Die CDU leiste sehr erfolgreiche Arbeit mit der SPD, trotz "mancher öffentlich ausgetragener Nickligkeiten", sagt Lieberknecht. Hier finden Sie einen Überblick über die Kandidaten, die Prognosen und wichtige Informationen.

Der CDU bleibt eigentlich nur die SPD als Koalitionspartner

Für die CDU geht es um alles. 2009 hatte sie ihr bislang schlechtestes Ergebnis eingefahren und war nach zehn Jahren Alleinregierung auf die SPD als Partner angewiesen. Die Umfragen sahen die Christdemokraten zuletzt um die 35 Prozent und damit deutlich unter dem angepeilten Wahlziel von "40 plus x".

Auch diesmal bietet sich außer der SPD keine echte Alternative. Die schwachbrüstige FDP dürfte am 14. September auch in Thüringen aus dem Landtag fliegen. Eine Zusammenarbeit mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), die laut Umfragen Chancen auf den Einzug in den Landtag hat und sich nach dem Erfolg in Sachsen Rückenwind für Thüringen erhofft, lehnt Lieberknecht ab. Auch ein Bündnis mit den Grünen wird rechnerisch wohl nicht möglich sein, wenngleich die CDU dafür offen wäre.

SPD-Landesgeschäftsführer: "Eine schöne Braut sieht anders aus"

Das Klima in der bisherigen Koalition ist durch zahlreiche Affäre belastet. Zudem hat Lieberknechts Image durch den Skandal um die Pensionierung ihres früheren Regierungssprechers im vergangenen Jahr erheblichen Schaden erlitten. Zwar wurden Ermittlungen gegen sie eingestellt. Doch musste sich Lieberknecht, die zudem drei Staatskanzleichefs verschlissen hat, Führungsschwäche und falsches Krisenmanagement vorwerfen lassen.

Die Zusammenarbeit mit der CDU habe sie "ernüchtert", sagt SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert, seit fünf Jahren Sozialministerin. Ungewohnt harsch attackierte sie Lieberknecht. Die Ministerpräsidentin habe gezeigt, "dass sie es nicht kann". Und SPD-Landesgeschäftsführer René Lindenberg schießt Richtung CDU nach: "Eine schöne Braut sieht anders aus."

Bodo Ramelow: "Schon zu 80 Prozent einig mit SPD und Grünen"

Das überbordende Selbstbewusstsein der SPD speist sich aus ihrer komfortablen Lage. Zwar sind die Sozialdemokraten nach CDU und Linken in Thüringen nur drittstärkste Kraft. Bei der Koalitionsfrage dürfte der SPD aber wie schon 2009 die Hauptrolle zufallen. Damals scheiterte Rot-Rot noch am internen SPD-Widerstand, weshalb es zur Zweckehe mit der CDU kam.

Inzwischen existiere das "rot-rote Schreckgespenst" nicht mehr, sagt Taubert, die zudem zahlreiche Gemeinsamkeiten sieht. So wollen sowohl SPD als auch Linke das Landeserziehungsgeld, das neben dem Betreuungsgeld gezahlt wird, abschaffen. Der linke Spitzenkandidat Bodo Ramelow verkündete, man sei sich "schon zu 80 Prozent einig mit SPD und Grünen".

Taubert warnte allerdings, sie werde nicht der "Wasserträger für Bodo Ramelow" sein, dessen Regierungsfähigkeit sie zwischenzeitlich bezweifelte. Auch die aus Thüringen stammende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, sieht die Grünen "nicht als Ersatzreifen", falls es für Rot-Rot allein knapp werden sollte.

Ein Linker strebt in die Staatskanzlei - die CDU will bleiben

Wer nach der Landtagswahl in Thüringen am 14. September regieren wird, ist offen. Folgende Spitzenkandidaten werben im Freistaat um Wählerstimmen:

Christine Lieberknecht (CDU)

Christine Lieberknecht will für die CDU die Staatskanzlei verteidigen. Als sie 2009 Ministerpräsidentin wurde, war sie nach Heide Simonis erst die zweite Frau an der Spitze eines Bundeslandes. Lieberknecht, die sich nie gern ins Rampenlicht gedrängt hat, brachte wieder Ruhe in die Partei, die nach dem Wahldebakel bei der letzten Landtagswahl und dem Abgang des damaligen Regierungschefs Dieter Althaus (CDU) schwer angeschlagen war. Zuletzt jedoch kratzten zahlreiche Affären und Personalquerelen am Image der 56-jährigen Theologin. So verschliss Lieberknecht allein drei Staatskanzleiminister. Im Skandal um die Pensionierung ihres früheren Regierungssprechers ermittelte sogar die Justiz, das Verfahren wurde aber eingestellt.

Bodo Ramelow (Linke)

Bodo Ramelow will es als erster linker Spitzenpolitiker auf den Ministerpräsidenten-Sessel eines Bundeslandes schaffen. Der ehrgeizige Frontmann der Linken ist dabei auf die SPD angewiesen, die einem rot-roten Bündnis grundsätzlich offen gegenübersteht. Der 58-jährige gebürtige Niedersachse war von 1990 bis 1999 Landeschef der Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen (HBV) in Thüringen, bevor er erstmals für die damalige PDS in den Erfurter Landtag einzog. Nach einem Intermezzo im Bundestag von 2005 bis 2009 kehrte er nach Thüringen zurück, wo er Fraktionsvorsitzender im Landtag ist.

Heike Taubert (SPD)

Heike Taubert und ihre SPD könnten der Königsmacher sein und entweder weiter mit der CDU oder mit der Linkspartei koalieren. Noch 2009 gehörte Taubert zu jenen SPD-Politikern, die eine Rolle als Juniorpartner mit den Linken ablehnten. Das "rot-rote Schreckgespenst" existiere nicht mehr, sagt Taubert heute. Der 55-Jährigen wurde oft vorgeworfen, blass und profillos zu agieren. Daher sorgte ihre ungewohnt harsche Kritik am Führungsstil von Lieberknecht, in deren Kabinett Taubert seit fünf Jahren Sozialministerin ist, für einiges Aufsehen. Ihre ersten politischen Erfahrungen sammelte die Mutter zweier erwachsener Kinder in der Kommunalpolitik. Seit 2004 sitzt die Diplomingenieurin für Informationstechnik im Landtag.

Anja Siegesmund (Grüne)

Anja Siegesmund will mit den Grünen in Thüringen den Wiedereinzug in den Landtag schaffen. 2009 hatte die Öko-Partei nach 15 Jahren erstmals wieder den Sprung ins Parlament geschafft. Die letzten Umfragen sahen die Grünen knapp drin. Siegesmund ist seit 2009 Fraktionschefin der Grünen im Landtag. Die 37-jährige Spitzenkandidatin kämpft für einen Politikwechsel im Freistaat. Der derzeit noch regierenden schwarz-roten Koalition wirft sie vor, einen Schuldenberg angehäuft zu haben und die Energiewende zu verschlafen. Die CDU brauche nach 24 Jahren in der Regierung offenbar einen "Oppositionsschock", meint Siegesmund.

Uwe Barth (FDP)

Uwe Barth soll in Thüringen für die FDP die Kohlen aus dem Feuer holen. Mit der Kampagne "Wir sind dann mal weg! - Genau wie der Mittelstand,...die Schulnoten,...die Landärzte" wollen die Liberalen ihren Absturz aus dem Landtag verhindern. Der Wahlkampfslogan soll laut Barth "provozieren" und zeigen, was bei einer Wahlniederlage der Liberalen auf dem Spiel stünde. Doch die Chancen, dass der 50-jährige Diplomphysiker die Landtagsfraktion auch weiterhin führen kann, stehen eher schlecht. In den Umfragen liegen die Liberalen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Björn Höcke (AfD)

Björn Höcke, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland, erhofft sich vom AfD-Erfolg in Sachsen Rückenwind für Thüringen. Sein Landesverband sorgte in den vergangenen Monaten aber vor allem mit innerparteilichen Querelen für Schlagzeilen. Binnen weniger Monate wurde dreimal eine neue Landesspitze gewählt. Der 41-jährige Sport- und Geschichtslehrer fällt vor allem durch provokante Äußerungen auf. Der vierfache Vater bekannte sich zu einer gezielten Elitenauslese etwa in der Bildungspolitik und lehnt gemeinsame Schulbesuche von behinderten und nicht-behinderten Kindern weitgehend ab.

AFP

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