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Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist besorgt wegen des Erfolgs der AfD bei den Landtagswahlen 2016.

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Landtagswahlen 2016: AfD für Knobloch "Anlass zu großer Sorge"

München - Große Erfolge für die AfD bei den Landtagswahlen 2016. Für Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, ein Anlass zu großer Sorge.

Der Jubel ist gewaltig, als um 18 Uhr die ersten Prognosen auf der Leinwand zu sehen sind. Rund 200 Menschen sind zur AfD-Wahlparty in ein Münchner Wirtshaus gekommen, auch wenn in Bayern selbst an diesem Sonntag gar nicht gewählt wird. Euphorisch wird die Stimmung, nachdem der blaue Balken für das Ergebnis in Sachsen-Anhalt zum Stehen gekommen ist. Über zwanzig Prozent – das hätten selbst hier nicht alle für möglich gehalten.

Für die junge rechtspopulistische Partei ist es ein berauschender Tag. Einzug in drei weitere Landesparlamente. Zweistellige Ergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Gar zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. „Ich führe das in erster Linie auf das Flüchtlingsthema zurück“, sagt Michael Groß, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands München-Nord. „Viele unserer Wähler sind mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik nicht einverstanden. Als Oppositionspartei haben wir nun ganz andere Möglichkeiten, in den Parlamenten für eine andere Politik zu arbeiten.“ Ganz ähnlich äußert sich zur gleichen Zeit die AfD-Bundessprecherin Frauke Petry im Fernsehen. „Das ist für eine junge politische Kraft ganz normal, dass man in der Opposition beginnt. Auch da kann man Dinge bewegen.“

Während im Münchner Süden die Bedienungen mit den Bier-Bestellungen kaum hinterher kommen, äußern sich die Vertreter der anderen Parteien entsetzt über das Abschneiden der AfD. Julia-Klöckner, CDU-Verliererin in Rheinland-Pfalz, schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. „Für Ausländerfeinde und Fremdenhasser wird es nie die helfende und unterstützende Hand von uns Christdemokraten geben“, sagt sie. Unterdessen sieht SPD-Chef und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel „das demokratische Zentrum in Deutschland herausgefordert“.

Am deutlichsten wird Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „Der massive Rechtsruck in unserem Land gibt Anlass zu großer Sorge.“ Der Erfolg von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten bedeute gleichzeitig ein Versagen der demokratischen Parteien. Knoblochs Fazit: „Die zweistelligen Ergebnisse einer rechtsradikalen Partei, die jetzt in acht Landtagen vertreten ist, spiegeln ein Bild von unserer Republik, das ich mir vor wenigen Jahren nicht hätte vorstellen können.“

AfD-Erfolge bei Landtagswahlen 2016: Zu Gast bei der Wahlparty in München

Die Gäste der Münchner AfD-Wahlparty sehen das naturgemäß ganz anders. Fragt man sie nach ihren Beweggründen, sich für die Partei zu engagieren, fällt in verschiedenen Variatonen der immer gleiche Satz. Etwas laufe schief in diesem Land. Gerade ist es die Flüchtlingspolitik, davor war es die Euro-Krise, von den satten „Altparteien“ ganz zu schweigen. Rechtsradikal? Böse Zuschreibungen linker Gegner. Und die Sache mit der Lügenpresse? Die Zuspitzung eines richtigen Eindrucks, sagen die einen. Übertrieben und wenig hilfreich, sagen die anderen. Was aber alle eint: das Gefühl, medial falsch dargestellt zu werden. Der Kreisvorsitzende Michael Groß etwa kritisiert die „Art und Weise, wie die AfD vor allem in Talkshows diffamiert wurde.“

Es sind viele frühere CSU-Anhänger, die an diesem Sonntagabend mit der AfD jubeln, ein paar enttäuschte Sozialdemokraten, ein paar Ex-FDPler. Ein Mann mit einer Pickelhaube bleibt die einzige modische Auffälligkeit dieses Abends. Natürlich gebe es ein paar Spinner, sagt ein AfD-Vertreter dann noch. Aber die gebe es in anderen Parteien auch.

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