Legida, Leipzig, Ausschreitungen
+
Hunderte Fensterscheiben und dutzende Geschäfte wurden von den Hooligans verwüstet.

Gegendemonstranten bilden Lichterkette

Bei Legida-Demo: Hooligans verwüsten Leipziger Stadtteil

Leipzig - Während die angemeldeten Legida-Demonstrationen in Leipzig weitgehend friedlich ablaufen, kommt es anderswo in der Messestadt zu Ausschreitungen von Rechtsextremen.

Rechtsextreme haben am Jahrestag der fremdenfeindlichen Legida-Bewegung in Leipzig randaliert. Rund 250 Hooligans zogen am Montagabend durch den für seine links-autonome Szene bekannten Stadtteil Connewitz und legten eine Spur der Verwüstung. Dagegen bilanzierte die Polizei für die angemeldeten Demonstrationen für und gegen den Pegida-Ableger im Zentrum der Messestadt einen weitgehend friedlichen Verlauf.

Mithilfe der Dresdner Pegida und des Chemnitzer Ablegers Cegida, die ihre Anhänger zur Teilnahme an der Leipziger Demonstration aufgerufen hatten, brachte Legida nach Schätzungen der Gruppe „Durchgezählt“ bei strömendem Regen bis zu 3400 Anhänger auf die Straße - weit mehr als in den vergangenen Monaten. An verschiedenen Gegenkundgebungen - unter anderem hatte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zu einer Lichterkette aufgerufen - beteiligten sich in etwa gleichviele Menschen.

Zeitgleich zu den Demonstrationen in der Innenstadt kam es in Connewitz zu den Krawallen. Nach Angaben der Polizei setzten rechte Gewalttäter mehrere Autos in Brand, zündeten Pyrotechnik und zerschlugen Dutzende Schaufensterscheiben. Auch sei versucht worden, Barrikaden zu errichten. Ein Brand in einer Dachgeschosswohnung soll ebenfalls von einer von Randalierern abgeschossene Feuerwerksrakete ausgelöst worden sein.

Polizei kesselt Hooligans ein

Die Polizei brachte die Lage unter Kontrolle, kesselte die Krawallmacher ein und nahm von 211 Verdächtigen die Personalien auf. Viele von ihnen seien bereits als „rechtsmotiviert und/oder Gewalttäter Sport“ - also Hooligans - aktenkundig, sagte ein Sprecher. Die Taten „erfüllten in Gänze den Tatbestand des schweren Landfriedensbruchs“. Als die Verdächtigen zur Polizeidirektion gebracht werden sollten, sei ein Bus von Linksautonomen attackiert und erheblich beschädigt worden.

57 Straftaten wegen Verstoßes gegen das Versammlungs-, Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz seien festgestellt worden. Fünf Polizisten wurden den Angaben zufolge bei dem Einsatz verletzt. Zunächst hatte die Polizei auch von Ausschreitungen im Stadtteil Plagwitz berichtet. Hier seien letztlich aber keine „konkreten Straftaten“ verzeichnet worden.

„Ohne polizeilich relevante Vorkommnisse“ seien die Kundgebungen im Zentrum verlaufen, hieß es im Polizei-Abschlussbericht. Mit einem Großaufgebot und Beamten aus mehreren Bundesländern waren die Ordnungshüter im Einsatz, um die Lager zu trennen. Mannschaftswagen, Wasserwerfer, Reiterstaffeln und Hubschrauber, die über der Stadt kreisten, waren zu sehen.

Lichterkette gegen Legida in Leipzig

Auf dem Innenstadtring bildeten Gegendemonstranten eine Lichterkette für Weltoffenheit und Toleranz. Außerdem gab es mehrere Gegendemos zu Legida. „Uns eint: Das Nein zu jeder Form von Gewalt. Das Nein zu jedem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ich glaube, wir tun gut daran, ein solches Zeichen aus unserer Stadt herauszusenden“, sagte Oberbürgermeister Jung.

Auch die Staatsminister für Integration und Justiz, Petra Köpping (SPD) und Sebastian Gemkow (CDU), sowie Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) reihten sich in die Lichterkette ein. Dulig machte die fremdenfeindlichen „Gidas“ mitverantwortlich für die Gewalt. „Den Vorwurf mache ich Legida, Pegida und Co., dass eine Verrohung in dieser Gesellschaft stattgefunden hat, die man in Sprache und eben auch in Gewalttaten nachempfinden kann.“

Brandanschlag auf Bahnstrecke Dresden-Leipzig

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling machte bei der Legida-Kundgebung Stimmung gegen muslimische Flüchtlinge und verunglimpfte sie mit Blick auf die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln pauschal als „Sex-Terroristen“.

Auf die Bahnstrecke Dresden - Leipzig war schon kurz vor Beginn der Legida-Demonstration ein Brandanschlag verübt worden. Ein Signal an der Strecke sei in Brand gesetzt worden, an zwei weiteren seien Brandsätze entdeckt worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die Vermutung liege nahe, dass der Anschlag im Zusammenhang mit der Legida-Demonstration stehe. Nach kurzer Unterbrechung wurde die Strecke aber noch am Abend wieder freigegeben.

Ausschreitungen nach Pegida-Demo in Potsdam

Nach einer Kundgebung der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung in Potsdam ist es am Montagabend zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Nach Angaben der Polizei versuchten die Pegida-Gegner, Teilnehmer des sogenannten „Abendspaziergangs“ anzugreifen, die von der Polizei zum Bahnhof geleitet wurden.

Es flogen Steine und Böller, auch abgerissene Verkehrsschilder und Mülltonnen wurden geworfen. Augenzeugen berichteten von kleineren Rangeleien mit Polizisten. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und das Polizeipräsidium beorderte zwei zusätzliche Einsatzhundertschaften nach Potsdam.

Fünf Beamte aus Berlin und zwei aus Brandenburg seien verletzt worden, sagte ein Potsdamer Polizeisprecher. Kenntnis über verletzte Demonstranten habe er nicht. Ein Einsatzfahrzeug der Berliner Polizei und ein Bus von Versammlungsteilnehmern aus dem Pegida-Bereich seien beschädigt worden. Der Bus habe einen Riss in der Frontscheibe und mehrere Dellen im Blech, so der Sprecher.

100 Pegida-Demonstranten in Potsdam

Zuvor hatten mehrere hundert Menschen in der Potsdamer Innenstadt größtenteils friedlich gegen Pegida protestiert. Mit dabei waren auch zahlreiche Potsdamer Stadtverordnete. Unter dem Motto „Potsdam bekennt Farbe“ traten sie für ein weltoffenes, tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen ein. Wenige hundert Meter entfernt versammelten sich auf dem zentralen Bassin-Platz nach Schätzungen von Reportern knapp 100 Pegida-Sympathisanten im strömenden Regen zu einer Kundgebung. Ein Reisebus, in dem Anhänger der „Bärgida“-Bewegung aus Berlin vermutet wurden, wurde zeitweise blockiert. Bei einem zweiten Bus, so berichten es Augenzeugen, sollen die Scheiben eingeworfen worden sein.

Zu dem geplanten „Abendspaziergang“ kam es angesichts der vielen Gegendemonstranten nicht. „Der heutige Abend war für Pegida in Potsdam eine große Pleite“, erklärte Stadtsprecher Stefan Schulz. Da wusste er allerdings noch nichts von den Ausschreitungen.

Bilder: Ausschreitungen während Legida-Demo in Leipzig

Bilder: Ausschreitungen während Legida-Demo in Leipzig

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Leider erreichen uns zu diesem Thema so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Kommentare, dass eine gewissenhafte und faire Kontrolle nach den Regeln unserer Netiquette nicht mehr möglich ist.

Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Beiträgen zu diesem Thema eine Kommentarmöglichkeit.

Sie können sich beispielsweise unter diesem Artikel zum Thema äußern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Johnson: Werden weiter Zugang zum EU-Binnenmarkt haben

London (dpa) - Der frühere Londoner Bürgermeister und Brexit-Wortführer Boris Johnson geht davon aus, dass Großbritannien weiter vom europäischen Binnenmarkt und der …
Johnson: Werden weiter Zugang zum EU-Binnenmarkt haben

Brexit-News: Petition für zweites Referendum wohl manipuliert

London - Nach dem Brexit herrscht weiterhin Ratlosigkeit und Aufregung. Welche Folgen hat der Ausstieg Großbritanniens? Wie reagieren Deutschland und die EU? Und kann …
Brexit-News: Petition für zweites Referendum wohl manipuliert

Seehofer fordert eine "bessere" EU

München (dpa) - Nach dem Brexit-Votum der Briten für einen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union hat CSU-Chef Horst Seehofer eine "bessere" EU gefordert. Es …
Seehofer fordert eine "bessere" EU

Türkei stimmt von der Leyens Truppenbesuch zu

Istanbul - Die türkische Regierung stimmt dem Besuch der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei den Bundeswehrsoldaten auf der türkischen Basis Incirlik …
Türkei stimmt von der Leyens Truppenbesuch zu

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion