David Cameron
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Der britische Premierminister David Cameron spricht am Mittwoch im schottischen Edinburgh.

Regierung und Opposition

Politiker bitten Schotten: Bleibt im Königreich!

London - Im Ringen um den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs haben die Vorsitzenden der drei wichtigsten britischen Parteien eindringlich an die Schotten appelliert, gegen eine Abspaltung zu stimmen.

Ein Auseinandergehen der britischen Nationen "würde mir das Herz brechen", sagte der britische Premierminister David Cameron am Mittwoch in Edinburgh. Auch der Liberalen-Chef Nick Clegg und Oppositionsführer Ed Miliband wandten sich leidenschaftlich gegen eine Abspaltung.

Mit der kurzfristig angekündigten Reise in den Norden reagierten der Konservativen-Vorsitzende Cameron, sein Koalitionspartner Clegg und Labour-Chef Miliband auf am Sonntag veröffentlichte Umfragen, denen zufolge Befürworter und Gegner einer Unabhängigkeit Schottlands mittlerweile auf Augenhöhe liegen. Den Spitzenpolitikern der drei großen im Londoner Parlament vertretenen Parteien ging es mit ihrer Reise in den Norden vor allem um die gemeinsame Geste für den Erhalt Großbritanniens. Gemeinsame Auftritte waren indes nicht geplant.

Umfrage: Abspaltungsgegner in Führung

Die Schotten stimmen am 18. September per Referendum über die Loslösung von Großbritannien ab. Das vom schottischen Regierungschef Alex Salmond angeführte Unabhängigkeitslager hatte zuletzt in den Umfragen massiv aufgeholt. Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage in Auftrag der schottischen Tageszeitung "Daily Record" sah zwar die Abspaltungsgegner mit 53 zu 47 Prozent in Führung, allerdings waren zehn Prozent der 1000 Befragten noch unentschieden.

In seiner Rede in einem geschlossenen Saal betonte Cameron, dass die Schotten bei einem Verbleib im Königreich umfassende Selbstverwaltungsrechte insbesondere in Steuer- und Haushaltsfragen erhielten. "Es wird wirklich das beste sein aus beiden Welten", sagte Cameron. Aus Angst vor Störaktionen war der Ort seines Auftritts lange geheim gehalten worden.

Auch der Liberaldemokrat Clegg betonte in seiner Rede "neue Machtübertragungen" an Schottland. Auf diese Reformen hatten sich die drei Parteien offenbar erst am Sonntag nach Bekanntwerden der neuen Umfragen verständigt. "Treffen sie keine nicht mehr rückgängig zu machende Entscheidung", sagte Miliband in der schottischen Stadt Cumbernauld. "Stimmen sie mit dem Kopf, dem Herzen und der Seele dafür, dass Großbritannien zusammenbleibt", sagte der Labour-Chef weiter.

Während der Premierminister eine Saalrede hielt, sprach Salmond in Edinburgh in aller Öffentlichkeit. "Wenn sich die Bande aus Westminster in die Kampagne wirft, dann weil sie Panik hat", sagte Salmond. Während das schottische Parlament seine Kompetenzen ausweiten wolle, um mehr Arbeitsplätze in Schottland zu schaffen, gehe es den britischen Spitzenpolitikern darum, "ihre Jobs zu retten". Britische Medien spekulieren über einen Rücktritt Camerons, sollte er ein Ende der mehr als 300 Jahre währenden Union mit Schottland verantworten müssen.

Zu den wichtigsten Streitthemen gehören die Einnahmen aus den Öl- und Gasreserven vor Schottlands Küste. "BP glaubt, dass den künftigen Aussichten der Nordsee am besten gedient ist mit den Kapazitäten und der Integrität des Vereinigten Königreichs", sagte der Chef des Energiereisen, Bob Dudley. Mit dem Versicherungskonzern Standard Life sprach sich zudem eines der größten Unternehmen Schottlands gegen eine Abspaltung aus, weil "Unsicherheiten" drohen würden. Standard Life erklärte, es gäbe Pläne "für neue Unternehmen in England, an die wir Teile unseres Geschäfts übertragen könnten".

AFP

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