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Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel beim gemeinsamen Wahlkampf-Einsatz in Mainz.

Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz

„Malu rettet Siggi“ - Aber Volkspartei SPD wird morsch

Berlin - In Stuttgart und Magdeburg erlebt die SPD ein Desaster - der Triumph der Mainzer Regierungschefin Dreyer sichert Parteichef Gabriel aber den Job.

Was für Zahlen. Wenige Sekunden nach 18.00 Uhr schwanken die SPD-Anhänger im Willy-Brandt-Haus in Berlin zwischen Jubel und Entsetzen. Der dramatische Absturz ihrer Partei in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt schmerzt höllisch. Bei den 24 Prozent für die AfD in Magdeburg stöhnt die Menge sogar laut auf. Als der rote Balken aber in Rheinland-Pfalz am Ende auf gut 36 Prozent steigt, liegen sich die Genossen in den Armen. Malu Dreyer hat mit ihrem fulminanten Endspurt den „Super Sunday“ für die gerupfte SPD einigermaßen gerettet - und ihren Parteichef in Berlin gleich mit.

Dreyers Last-Minute-Sieg in Mainz über CDU-Frontfrau Julia Klöckner erspart Gabriel ein mittelschweres Erdbeben. Wer weiß, bei einem Totalschaden hätte sich die SPD vielleicht einen neuen Chef suchen müssen. Eine halbe Stunde nach den ersten Zahlen kommt Gabriel auf die Bühne - umringt von der SPD-Spitze. Das Bild soll zeigen - hier brennt nichts und niemand an.

Gabriel: "Gemischte Gefühle" 

Gabriel wirkt erleichtert. Er selbst spricht von „gemischten Gefühlen“. Die Freude überwiege aber, weil Dreyer das Ding noch gedreht habe. Die Merkel-Gegner in der CDU „mit gespaltener Zunge“ in der Flüchtlingskrise seien die Verlierer. Dafür wird Dreyer von Gabriel zum Markenzeichen der gesamten SPD erhoben: „Haltung, Klarheit und Mut zur Auseinandersetzung lohnen sich.“

Den grünen Wahlsieger in Stuttgart, Winfried Kretschmann, reiht Gabriel da mit ein. Auch ein Merkel-Unterstützer für offene Grenzen, das ist die Botschaft an die Union. Dass die CDU die lange sicher geglaubten Siege in Stuttgart und Mainz noch aus der Hand gibt, ist für die SPD ein schönes Trostpflaster. „Jetzt brennt bei der CDU der Baum, nicht bei uns“, meint ein Spitzengenosse. So reibt Gabriel CDU und CSU unter die Nase, dass die SPD die große Koalition stabil halte und konstruktiv und verlässlich bis Herbst 2017 weiterregieren wolle. „Dafür müssen aber die Chaostage in der Union endlich beendet werden.“

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Malu-Hype 

Gabriel und die SPD sollten sich vom Malu-Hype jedoch nicht blenden lassen. Zu heftig sind die Einbußen in Magdeburg und Stuttgart, wo die SPD, obwohl bislang auf der Regierungsbank, jeweils nur noch um die 12 bis 13 Prozent holt.

Die Schockzahlen belegen: Die SPD ist ein Scheinriese. Zwar stellt sie neun Ministerpräsidenten, doch das sieht nach mehr aus als es ist. Das Gebälk der alten Volkspartei ist morsch geworden. Die stolze SPD künftig nur noch eine Mehrheitsbeschafferin in Mehr-Parteien-Regierungen?

Gabriel beteuert, die Partei werde Kurs halten, die bedrohte demokratische Mitte der AfD nicht kampflos überlassen. Deren Erfolge sieht der Vizekanzler als Zäsur. Dem Aufstieg der AfD will Gabriel nun mit Verve sein „Solidarpaket“ für Bio-Deutsche entgegensetzen - ein Milliarden-Bonusprogramm für sozial schwache Einheimische soll zentrales SPD-Thema im Bundestagswahlkampf werden, kündigt er an. Da klatscht auch die Parteilinke Beifall. Doch der Kurs ist riskant.

Spielt hier ein Parteichef, der dem Volk gern auf's Maul schaut, Flüchtlinge gegen einheimische Wutbürger aus? Will die SPD bei den „kleinen Leuten“ ihr schlechtes Agenda-2010-Gewissen beruhigen? Noch im Dezember bei seinem 74-Prozent-Parteitag umwarb Gabriel die Wirtschaft, lobte lange die schwarze Null im Haushalt. Geben die Genossen nun die Kohle für Rentner, Wohnungen und Kitas aus, dürfte die Wirtschaftskompetenz weg sein.

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Das sind alles keine rosigen Aussichten. Solange Merkel da ist, dürfte für die SPD das Kanzleramt eine No-Go-Area bleiben - in einem Fünf- oder Sechs-Parteien-Bundestag sowieso. So wundert es nicht, dass niemand die Messer wetzt, Gabriel im Amt bleibt. Kommt es zu keinem Kurzschluss in der Partei, wird er als Kanzlerkandidat ran müssen.

dpa

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