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Angela Merkel und Horst Seehofer sind auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik zurückgekehrt.

Union entschärft internen Asylstreit

Merkel und Seehofer einigen sich auf Transitzonen

Berlin - Immer schärfer waren die Attacken des CSU-Chefs auf die Kanzlerin geworden. In zehnstündigen Verhandlungen haben sich beide Seiten nur auf ein Maßnahmenpaket verständigt. Offen ist aber, wie lange der Frieden hält.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer haben ihren Streit über die Asylpolitik entschärft. Sie einigten sich am Sonntag in Berlin nach insgesamt etwa zehnstündigen Verhandlungen auf ein sechsseitiges Positionspapier, in dem Transitzonen als „vordringlichste Maßnahme zur besseren Kontrolle unserer Grenze“ bezeichnet werden. Die von Seehofer angestrebte und von Merkel abgelehnte Obergrenze für den Flüchtlingszuzug ist nicht enthalten.

Zu Beginn werden allerdings zwei Punkte benannt, in denen sich sowohl Merkel als auch Seehofer wiederfinden können. Die Unionsparteien wollen demnach „Zuwanderung ordnen und steuern, sowie Fluchtursachen bekämpfen, um so die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren“. Seehofer hatte in den vergangenen Wochen immer drängender ein Zeichen der Kanzlerin verlangt, dass der Zuzug Tausender Flüchtlinge pro Tag gebremst werden müsste. Zugleich betonen beide als Ziel, Menschen in Not zu helfen und die Integration Schutzbedürftiger zu sichern.

Koalitionsgipfel zur Asylpolitik gescheitert

Konkret haben sich die Unionsparteien auf sieben nationale Maßnahmen sowie fünf Maßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene geeinigt.

Für eine bestimmte Personengruppe will die Union den Familiennachzug für einen Zeitraum von zwei Jahren aussetzen. Es geht um Flüchtlinge, die weder nach der Genfer Flüchtlingskonvention noch nach dem deutschen Grundrecht auf Asyl in der Bundesrepublik bleiben dürfen, aber auch nicht abgeschoben werden dürfen - etwa weil ihnen in der Heimat die Todesstrafe oder Folter droht. Wie viele Antragsteller dies betrifft, blieb zunächst offen.

Als Zugeständnis an Seehofer kann das Vorhaben gewertet werden, mit Österreich ein gemeinsames Zentrum der Polizeiarbeit in unmittelbarer Nähe der Grenze einzurichten sowie gemeinsame Polizeistreifen an der Grünen Grenze loszuschicken. Schnellstmöglich solle zwischen Deutschland und Österreich „ein besseres und faires Grenzmanagement“ hergestellt werden.

Überdies soll ein einheitlicher Flüchtlingsausweis künftig Voraussetzung für die Gewährung von Leistungen sein. Damit soll auch die Vielzahl von zeitraubenden Registrierungen bei verschiedenen Behörden gebündelt werden.

Das Treffen Merkels mit den Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag soll besonders dafür genutzt werden, um Fortschritte bei der Beschleunigung von Asyl- und Rechtsmittelverfahren und bei der Intensivierung von Rückführungen und Abschiebungen zu erreichen. Zugleich werden Bund und Länder in die Pflicht genommen, dass sie die beschlossenen Verschärfungen bei den Leistungen für Asylbewerber „nachprüfbar“ anwenden.

Baldmöglichst soll nach dem Willen der Union auf einem EU-Türkei-Gipfel unter anderem über die finanzielle Unterstützung der Türkei sowie die Eröffnung neuer Kapitel in den Beitrittsverhandlungen entschieden werden. CDU und CSU plädieren dafür, dass Drittstaatler schnell aus der EU in die Türkei zurückgeführt werden, schlagen im Gegenzug aber auch eine Vereinbarung über ein legales Flüchtlingskontingent aus der Türkei für die EU vor.

Zur Bekämpfung der Fluchtursachen wollen beide Parteien das militärische Engagement der Bundeswehr in Afghanistan verlängern. Sie plädieren für ein Rückübernahmeabkommen der EU für Afghanistan und Bangladesch und sprechen sich dafür aus, den Schutz der EU-Außengrenzen wieder herzustellen.

dpa

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