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Merkel verteidigt ihre Flüchtlingspolitik am Donnerstag auf der Bundespressekonferenz.

Britische Zeitung "Independent" erklärt

"Willkommenskultur macht Deutschland sicherer"

London - Die jüngsten Attentate haben die Flüchtlingsdebatte wieder befeuert und Kritiker auf den Plan gerufen. Doch Befürworter der aktuellen Flüchtlingspolitik sehen in der Willkommenskultur die beste Terror-Abwehr.

Als ein Flüchtling in einem Würzburger Regionalzug mit einer Axt nach Fahrgästen schlug und ein anderer wenig später bei einem Open Air Konzert in Ansbach eine Bombe zündete, trat das ein, was viele befürchtet haben: Der Terror hat sich seinen Weg von der Mattscheibe in unseren Alltag gebahnt. Nach Deutschland. Nach Bayern. Mit ihm kam auch die Gewissheit: Es kann jeden treffen, immer. Die Angst der anderen, der Belgier und Franzosen, ist nun auch unsere eigene.

Schnell traten jene auf die Bühne, die sie für ihre Zwecke zu nutzen wissen. Rechtspopulisten in ganz Europa instrumentalisierten die ersten islamistischen Attentate in Deutschland und gaben sogleich der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel die Schuld. Allen voran die Parteichefin des französischen rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Sie twitterte: "Wie viele Terroristen gibt es unter Merkels Million Flüchtlingen? 10? 100? 1000? Unverantwortlich." Die Häme vom rechten Rand überrascht nicht. Doch Kritik kommt nun auch wieder verstärkt aus den eigenen Reihen. So sagte Armin Schuster, CDU-Innenexperte im Bundestag, nach dem Attentat von Ansbach:"Wir brauchen eine Abschiedskultur".

Offene Türen gegen den Terrorismus

All diese Anschuldigungen gehen an dieselbe Adresse: die deutsche Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik. Der Tenor aller Kritiker lautet: "Wir schaffen das nicht".

Eine ganz andere Theorie kommt nun aus England. Die britische Tageszeitung "The Independent" schreibt, dass die Politik der "offenen Türen", der "Willkommenskultur", wie sie Angela Merkel vergangenes Jahr befürwortete, langfristig die beste Terror-Abwehr sei: auch nach den blutigen Taten von Würzburg und Ansbach.

Beide Täter sind bereits vor dem Sommer 2015 nach Deutschland gekommen. Merkels Entscheidung des vergangenen Jahres, die Grenzen zu öffnen, kann für diese Taten nicht die Ursache sein. Der "The Independent"- Autor Robert Verkaik geht noch weiter: "Der Schlüssel, um den Terrorismus zu bekämpfen sei es, die Herzen und den Verstand jener muslimischen Bürger zu gewinnen, die Gefahr laufen, durch Hassprediger und Terrorgruppen wie den Islamischen Staat und Al-Qaida radikalisiert zu werden", schreibt er. Die Idee dahinter ist auch, dass muslimische Mitbürger nur dann mit den Sicherheitsbehörden kooperierten, wenn sie selbst gut behandelt würden. Die Herzen muslimischer Flüchtlinge gewinne man nun mal nicht, indem man Asylsuchende ausschließe oder abschiebe, sondern indem man sie integriere. 

Außenpolitik spielt Rolle bei der Radikalisierung

Als Negativ-Beispiel führt der Autor das Brüsseler Viertel Molenbeek und jene trostlosen Vororte französischer Großstädte an, in denen fast nur perspektivlose Einwanderer leben. Der Independent-Autor nennt sie "Orte, die Terroristen hervorbringen und ihnen Unterschlupf gewähren".

Während Merkel nach den Attentaten vermehrt kritisiert werde, könnte es gerade ihre Flüchtlingspolitik sein, die das Land von jenen organisierten Massenmorden und Bombenanschlägen bisher verschont hat, die Belgien und Frankreich in jüngster Zeit heimgesucht haben, so die Vermutung des Autors. Denn viele der jungen Muslime, die in den genannten französischen und belgischen Vierteln lebten, seien isoliert von der Mehrheitsgesellschaft und würden sich entweder gleich den Kämpfen im mittleren Osten anschließen oder "einen Groll gegen einen Staat hegen, der immer mehr Polizei in ihre Viertel sendet, um Türen einzuschlagen und Einwohner festzunehmen".

Wenn Frankreichs Präsident François Hollande den "Krieg gegen Isis" verkünde, fühlten sich viele Franzosen muslimischen Glaubens wegen ihrer Religion kriminalisiert. "Die Wahrheit ist, dass Außenpolitik eine wesentliche Rolle in der Radikalisierung und Motivierung von Terroristen spielt". Eine These, die der Independent-Autor mit einem Beispiel aus der Geschichte untermauert: Während des Irak-Kriegs - aus dem sich die Grande Nation herausgehalten habe - sei es zu keinen Anschlägen in Frankreich gekommen. 

ae

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