31 Menschen starben bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Nur zwölf Menschen konnten gerettet werden. Foto: Manolis Lagoutaris, Symbolbild/dpa
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31 Menschen starben bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Nur zwölf Menschen konnten gerettet werden. Foto: Manolis Lagoutaris, Symbolbild/dpa

Dutzende Flüchtlinge in der Ägäis ertrunken

Trotz stürmischer See wagen immer noch etliche Migranten die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Dutzende ertrinken, darunter mehrere Kinder. Viele legten falsche Rettungswesten an.

Istanbul/Athen (dpa) - Bei der Flucht von der Türkei nach Europa sind in der Ägäis erneut Dutzende Menschen ums Leben gekommen, darunter eine Schwangere und mehrere Kinder.

Der Sender CNN Türk berichtete, am Dienstag seien 31 Leichen von Flüchtlingen in den westtürkischen Distrikten Ayvalik und Dikili angespült worden. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf die türkische Küstenwache 36 Tote. Die griechische Küstenwache teilte mit, sie habe binnen 48 Stunden die Leichen von acht Flüchtlingen geborgen.

CNN Türk berichtete, die Flüchtlinge seien bei dem Versuch ertrunken, mit zwei Booten zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Viele hätten nicht funktionsfähige Rettungswesten getragen. Nach Angaben von Anadolu gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei den Migranten um irakische, algerische und syrische Staatsangehörige handelte. Zwölf Menschen seien gerettet worden.

Ein Reporter von CNN Türk sagte, die Migranten hätten zur Überfahrt Schlauchboote von minderwertiger Qualität benutzt. Die See in der Region ist zurzeit stürmisch. Die Flüchtlinge hätten zudem Schwimmwesten getragen, die nicht funktionsfähig gewesen seien. Vielmehr hätten sich diese noch mit Wasser vollgesaugt.

Solche Westen von geringer Qualität werden vor allem in der Küstenregion unter der Hand verkauft. Die türkische Polizei beschlagnahmte am Dienstag bei einer Razzia in Izmir mehr als tausend illegal hergestellter Rettungswesten, wie CNN Türk berichtet. In der Produktionsstätte hätten auch zwei syrische Kinder gearbeitet.

Die griechische Polizei legte unterdessen nach eigenen Angaben einer internationalen Schleuserbande das Handwerk. Die Schlepper, drei Bulgaren, hatten mit Schlauchbooten über den griechisch-türkischen Grenzfluss Evros 55 Syrer und zwölf Iraker nach Griechenland gebracht. Anschließend wollten sie die Menschen in den Laderäumen von zwei Lastwagen ins Landesinnere bringen, wie die Polizei mitteilte.

Die Türkei hat nach eigenen Angaben 2,2 Millionen Flüchtlinge alleine aus Syrien aufgenommen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kamen im vergangenen Jahr mehr als 800 000 Flüchtlinge auf dem Seeweg von der Türkei in das EU-Mitgliedsland Griechenland.

Ende November hatten die Europäische Union mit der Türkei vereinbart, die Grenzen besser zu kontrollieren, um damit die Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern. Nach wie vor wagen die Migranten jedoch die gefährliche Überfahrt nach Griechenland.

Es gibt 25 Flüchtlingslager in der Türkei. Die Mehrzahl der Syrer lebt jedoch außerhalb der Aufnahmezentren und ist auf sich alleine gestellt. Die schwierigen Lebensbedingungen in der Türkei geben viele Flüchtlinge als Hauptgrund für ihre Migration nach Europa an.

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