+
Die heftige Detonation einer Autobombe auf einem belebten Markt im überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City forderte Dutzende Todesopfer. Foto: Ahmed Ali

Mindestens 86 Tote bei schwerer Anschlagserie in Bagdad

Der Markt im Stadtteil Sadr City ist während der Explosion voller Menschen. Sie reißt Dutzende in dem Schiitenviertel in den Tod. Wenig später detonieren weitere Bomben.

Bagdad (dpa) - Bei einer der schwersten Anschlagserien der vergangenen Jahre sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 86 Menschen getötet und weit über 100 verletzt worden.

Zunächst riss eine Autobombe auf einem belebten Markt im überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City am Mittwochmorgen mindestens 64 Menschen in den Tod, berichteten Mitarbeiter von Krankenhäusern. Zu der Tat im Osten der Stadt bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer zunächst nicht verifizierbaren Botschaft.

Bei zwei weiteren Explosionen im Westen und Norden Bagdads wenige Stunden später kamen mindestens 22 Menschen ums Leben, Dutzende wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen verletzt. Eines der Attentate habe einem Kontrollpunkt der Polizei gegolten.

Augenzeugen in Sadr City berichteten, das mit Sprengstoff beladene Auto sei in der Hauptgeschäftszeit am Morgen explodiert. Die Wucht der Detonation habe auch eine Reihe von anliegenden Häusern und Geschäften beschädigt. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen sperrten Sicherheitskräfte zahlreiche Straßen.

Dem Bekennerschreiben der Terrormiliz IS zufolge waren die auf dem Markt versammelten Schiiten das Ziel des Attentats. Die sunnitischen Dschihadisten betrachten Angehörige dieser islamischen Konfession als Abtrünnige. Die Botschaft konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

In der Vergangenheit hatte sich der IS regelmäßig zu Anschlägen in Bagdad und anderen Städten des Landes bekannt. Erst Anfang Mai waren bei mehreren Explosionen innerhalb eines Tages mindestens 25 Menschen in der irakischen Hauptstadt getötet worden.

Bei dem bislang schwersten Attentat dieses Jahres waren Ende Februar mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Damals hatte sich ein Selbstmordattentäter ebenfalls in Sadr City in die Luft gesprengt. Auch zu dieser Tat bekannte sich die Terrormiliz IS.

Die Dschihadisten sind zwar durch Offensiven der irakischen Armee und der mit ihr verbündeten US-geführten Militärkoalition unter Druck geraten und verloren in den vergangenen Monaten Gebiete. Der IS kontrolliert aber immer noch große Teile im Westen und Norden des Landes. Die Gewalt kann als Machtdemonstration der Extremisten gesehen werden, trotz der Offensiven zu großen Anschlägen fähig zu sein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

Wie lange wird die Regierungskrise in Italien nach dem Rücktritt Renzis dauern? Der Staatspräsident beginnt die Konsultationen mit den politischen Spitzen des Landes.
In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

München - Beate Zschäpe sagte am Donnerstag im NSU-Prozess zum Fall Peggy aus. Neue Erkenntnisse konnte sie aber nicht liefern. Wir waren vor Ort.
NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Aleppo (dpa) - Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf die Großstadt Aleppo sind Aktivisten zufolge rund 500 Zivilisten ums Leben gekommen.
Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Assad weist Forderungen nach Waffenruhe in Aleppo zurück

Hamburg - Die USA hatten am Mittwoch gemeinsam mit fünf anderen Ländern die Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen, um humanitäre Hilfe zu den …
Assad weist Forderungen nach Waffenruhe in Aleppo zurück

Kommentare