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Er ist der Spitzenkandidat der AfD: André Poggenburg. Doch wer zieht mit ihm ins Magdeburger Parlament ein?

Wer sind die Hinterbänkler?

Rätsel um zukünftige AfD-Fraktion nach Wahlen in Sachsen-Anhalt

Magdeburg - 24 Köpfe vertreten künftig die rechtspopulistische AfD im Landtag Sachsen-Anhalts. Doch bis auf Landeschef André Poggenburg ist bisher kaum einer von ihnen in Erscheinung getreten.

Nach dem Sensationserfolg der AfD in Sachsen-Anhalt wird im Magdeburger Landtag nichts mehr so sein wie bisher. Mit 24 Abgeordneten ziehen die Rechtspopulisten als zweitstärkste Kraft in das Parlament ein und stellen dort fast ein Viertel der Abgeordneten - 15 von ihnen holten ihr Mandat direkt im Wahlkreis. Doch wer sind diese Leute eigentlich? Vor allem unbekannte Gesichter. „Es sind unerfahrene Leute, die wissen nicht, wie das funktioniert“, sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Renzsch von der Uni Magdeburg.

„Parlamentarische Erfahrung hat bei uns niemand“, gibt AfD-Chef André Poggenburg am Montag unumwunden zu. „Einige haben Erfahrungen in kommunalen Gremien, viele haben aber auch noch gar nicht politisch gearbeitet. Wir wissen, wir haben noch sehr viel dazuzulernen.“ Der 41-Jährige hat Erfahrungen als Kreistagsmitglied, gilt dort aber als unauffällig. Auch sein Wahlkampfleiter Daniel Roi ist im Kreis bereits aktiv. Doch das gilt längst nicht für alle.

Beispiel Tobias Rausch: Der 25-Jährige war einmal kurz kommissarischer Landesvorsitzender der AfD, als die Partei innerparteilich um den Kurs und das Personal stritt - und bevor er Platz für Poggenburg machte. Vorher war der Immobilienunternehmer aus Staßfurt in keiner anderen Partei. Er will künftig im Finanzausschuss mitarbeiten, wie er sagt. „Damit man sieht, wo die Fördergelder hingehen.“

Auch der 24-Jährige Jan Wenzel Schmidt ist in der AfD erstmals parteipolitisch aktiv und wird künftig im Landtag sitzen. Der Chef der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative will wie seine Mitstreiter nur auf die Oppositionsbank. Sein Hauptziel: „Das Wichtigste ist für mich persönlich, dass wir wieder eine ehrliche Politik gestalten.“

Ist die AfD überhaupt politikfähig?

Was bedeutet es, wenn die zweitstärkste Fraktion vor allem mit unerfahrenen Unbekannten besetzt ist? Politikwissenschaftler Renzsch zieht dazu Beobachtungen anderer AfD-Fraktionen wie in Thüringen und Sachsen heran. „Da zeigt sich eigentlich, dass sie nicht politikfähig sind.“ Es zeige sich, dass die Beiträge zur parlamentarischen Arbeit praktisch bei Null lägen.

Ähnlich sieht es der Politpsychologe Thomas Kliche von der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Es wird zwar immer wieder auf Berufspolitiker geschimpft, aber Politik ist nun mal ein Managementjob, und das können sie nicht.“ Die Arbeit des Landtags werde schwerer. „Weil die AfD stört.“ Andere Parlamente beschäftige sie bereits mit abstrusen Anfragen.

Das könnte im Magdeburger Landtag nun ähnlich werden. Poggenburg kündigte am Montag an, seine Fraktion habe sich vorgenommen, viele Anfragen zu stellen. „Weil wir bestimmte Dinge genauer wissen wollen, um Sachpolitik machen zu können“. Um die Parlamentsarbeit zu lernen, will sich Poggenburg zudem Hilfe von erfahreneren AfD-Fraktionen holen - vor allem aus Thüringen, Sachsen und Brandenburg.

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Ticker zu den Entwicklungen nach den Landtagswahlen 2016 in Sachsen-Anhalt.

dpa

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