Thomas Jackson (M), Polizeichef von Ferguson, tritt zurück. Foto: Robert Cohen / St. Louis Post-Dispatch
+
Thomas Jackson (M), Polizeichef von Ferguson, tritt zurück. Foto: Robert Cohen / St. Louis Post-Dispatch

Nach Rassismusvorwürfen: Ferguson-Polizeichef tritt zurück

St Louis (dpa) - Nach massiven Vorwürfen wegen rassistischer Diskriminierung von Afro-Amerikanern will der umstrittene Polizeichef der US-Stadt Ferguson (Missouri) zurücktreten. Polizeichef Thomas Jackson werde sein Amt am 19. März abgeben, so Bürgermeister James Knowles.

Der Schritt sei eine "gemeinsame Entscheidung" der Polizei und der Stadt. Am Abend zogen etwa 150 Demonstranten vor die Polizeizentrale, um den Rücktritt zu feiern. Sie trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung, die das Gebäude abgeriegelt hatten, berichtete die Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" am Mittwochabend (Ortszeit) in ihrer Online-Ausgabe. Mindestens zwei Demonstranten wurden festgenommen.

Jackson war bereits nach den Todesschüssen auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown im Sommer 2014 schwer in die Kritik geraten. Die Schüsse des weißen Polizisten auf den unbewaffneten Teenager lösten damals landesweite Empörung und Unruhen in Ferguson aus. Wegen massiver Gewalt, mit der die Polizei gegen die Demonstranten vorging, geriet Jackson zusätzlich in die Kritik. Einen Rücktritt lehnte er aber stets ab. Jackson war fünf Jahre im Amt.

Auslöser seiner Entscheidung dürften daher eher die jüngste Kritik des Justizministeriums sein: In einem ausführlichen Bericht hielt das Ministerium der Polizei weit verbreitete rassistische Diskriminierung vor. Polizisten gingen häufig mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Schwarze vor, hielten diese ohne ersichtlichen Grund an und verfolgten sie wegen Bagatelldelikten.

Außerdem würden Schwarze besonders übermäßig häufig mit Geldstrafen belegt - mit dem Ziel, die Kassen der Stadt aufzufüllen. Justizminister Eric Holder stellte den Bericht vor einer Woche persönlich vor und sprach von einer "schwer vergifteten Atmosphäre" in der Stadt. Sein Fazit: Das Verhältnis der Polizei zu den Menschen in Ferguson sei "von tiefem Misstrauen und Feindschaft" geprägt.

Auch der Verwaltungschef von Ferguson, John Shaw, werde sein Amt abgeben, berichtete die "St. Louis Post-Dispatch". Als "City Manager" war Shaw weitgehend für die Finanzen verantwortlich - und damit auch für den Missbrauch von Geldstrafen. Auch ein Richter und Polizeioffiziere hätten bereits ihren Rücktritt eingereicht, hieß es.

Ob die Stadt durch diese Rücktritte allerdings tatsächlich zur Ruhe kommt, ist unklar. Kritiker fordern, dass die gesamte Polizei des Vorortes von St Louis aufgelöst werden solle. Die Behörde solle von der Polizeidirektion in St. Louis übernommen werden, die bereits die Polizeiämter auch anderer Vororte mit verwalte.

St. Louis Post-Dispatch

Webseite der Stadt Ferguson

New York Times

St. Louis Post-Dispatch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Anschlag auf Flüchtlinge im Irak: 14 Tote

Bagdad - Im Norden des Iraks hat sich ein Sprengstoffattentäter in die Luft gesprengt. 14 Menschen starben, darunter zwei Kinder.
Anschlag auf Flüchtlinge im Irak: 14 Tote

Kassen-Ärzte: Brauchen auf dem Land flexiblere Versorgung

Berlin (dpa) - Die Kassenärzte haben flexiblere medizinische Versorgungskonzepte für ländliche Regionen gefordert. "Die romantische Vorstellung, dass in jedem Dorf ein …
Kassen-Ärzte: Brauchen auf dem Land flexiblere Versorgung

Albig bleibt dabei: SPD-Kanzler nach 2017 unrealistisch

Düsseldorf (dpa) - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) geht angesichts der Umfragewerte nicht davon aus, dass die SPD nach der Bundestagswahl 2017 …
Albig bleibt dabei: SPD-Kanzler nach 2017 unrealistisch

News-Blog: Erdogan lässt tausende Einrichtungen schließen

Ankara - Mehr als 10.000 Beschuldigte sind im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei in Gewahrsam genommen worden. Für Präsident Erdogan Anlass, den 15. Juli …
News-Blog: Erdogan lässt tausende Einrichtungen schließen

Kommentare