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Joseph Clancy ist Barack Obamas neuer Sicherheits-Chef.

Nach Sicherheitspannen

Obamas Leibwache hat einen neuen Chef

Washington - Es gibt Pannen, die einfach nicht passieren dürfen. Wenn die Leibwache von Obama versagt, rollen Köpfe. Der neue Mann an der Spitze gilt als Profi und enger Vertrauter der präsidialen Familie.

Nach einer Serie haarsträubender Sicherheitspannen bei der Bewachung von Barack Obama hat die Leibwache des US-Präsidenten einen neuen Chef. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Julia Pierson wurde der frühere Spitzenagent Joseph Clancy (58) zum Interims-Leiter des Secret Service ernannt. Er war erst vor drei Jahren in die Privatwirtschaft gegangen.

Die Obamas hätten großes Vertrauen in „Joe“, denn unter seiner Führung hätten sich die Familie und Obamas Stab stets sicher gefühlt, sagte Obamas Ex-Berater David Axelrod laut einem Bericht der „Washington Post“ (Freitag). „Joe war immer ruhig, er hatte immer das Kommando“, sagte Axelrod und erinnerte etwa an den mit Spannung erwarteten Ghana-Besuch Obamas im Jahr 2009, als Clancy die vielen Zuschauer mit Hilfe seines Teams unter Kontrolle hatte.

Die Pannenserie der vergangenen Wochen sei nicht weniger als die „schlimmste Krise in drei Jahrzehnten“ der Behörde, urteilte das Blatt. Obamas Wertschätzung für die Agenten und „ihren Mut, ihre Opfer, ihre Entschlossenheit und die harte Arbeit und Tapferkeit“ sei aber ungebrochen, sagte sein Sprecher Eric Schultz. Ein dauerhafter Nachfolger für Pierson werde erst Mitte Dezember verkündet.

Der Secret Service bewacht nicht nur den Präsidenten rund um die Uhr, sondern kümmert sich ebenfalls um die Sicherheit von Ehefrau Michelle sowie der beiden Obama-Töchter. Die Behörde beschäftigt rund 3400 Agenten. In Washington wird immer wieder kolportiert, die Agenten müssten den Präsidenten notfalls mit ihrem eigenen Leben schützen. Als Präsident Ronald Reagan 1981 in Washington angeschossen wurde, warf sich in der Tat ein Leibwächter schützend über ihn.

Die Skandalserie ist in der Tat lang und atemberaubend. Erst unlängst drang ein Mann mit einem Messer bis tief ins Weiße Haus ein - die „Gorillas“ waren nicht in der Lage, ihn aufzuhalten. Doch erst eine weitere Enthüllung brachte das Fass zum überlaufen: So ließen es die Personenschützer sogar zu, dass ein bewaffneter Ex-Straftäter mit Obama in einen Fahrstuhl stieg. Auch zuvor gab es Pannen und Patzer, die am Image des Dienstes kratzten.

Dabei gilt Obama als eine der weltweit am besten geschützten Personen, das Weiße Haus als eine angeblich uneinnehmbare Festung - doch bei dem jüngsten Zwischenfall wurden weder die Scharfschützen auf dem Dach noch die Hundestaffel aktiv. Nicht einmal einer der großen roten Knöpfe auf einem der Alarm-Kästen (sogenannte „Crash Boxes“) wurde gedrückt. Pierson blieb bei einer höchstpeinlichen Anhörung im Kongress lediglich übrig, die Verantwortung zu übernehmen. Tief getroffen sagte sie „Sorry“ - und war danach nicht mehr haltbar.

Obama-Sprecher Schultz sagte, Pierson habe ihren Rücktritt selbst angeboten, weil sie glaubte, das sei „im besten Interesse für die Behörde, für die sie ihre Karriere und 30 Jahre ihres Lebens“ geopfert habe. Doch das ist vermutlich nur die halbe Wahrheit. Die „New York Times“ meinte, der Rückzug sei „unter Druck“ erfolgt. Bereits Stunden nach ihrem Rücktritt stand Clancys Name fest.

Pierson, die insgesamt drei Jahrzehnte für den Secret Service arbeitete, stand lediglich 18 Monate als erste Frau überhaupt an der Spitze des Dienstes. Sie war selbst nach misslichen Enthüllungen auf den Posten gelangt. Damals wurden exzessive Trinkgelage von Agenten bei einem Amerikagipfel in Kolumbien bekannt - sechs Bewacher mussten daraufhin den Dienst quittieren.

Vor allem die Enthüllung über den bewaffneten Mann im Fahrstuhl mit Obama sorgten in Washington für Erregung. Nach Berichten der „Washington Post“ hatte der Secret Service während Obamas kürzlichem Besuch bei der Seuchenbehörde CDC in Atlanta einen dreifach verurteilten Ex-Straftäter in die Nähe des Präsidenten gelassen.

Der Mann war Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma und wurde auffällig, als er im Fahrstuhl mit seinem Smartphone Fotos von Obama machte. Als die Agenten sich beschwerten, wurde der Mann von seinem Schichtleiter auf der Stelle gefeuert. Dabei musste er seine Dienstwaffe abgeben - erst da wurde dem Secret Service klar, dass er bewaffnet war. Aber das Sicherheitsprotokoll verbietet, dass sich außer dem Secret Service Bewaffnete in Obamas Nähe aufhalten.

In den vergangenen Tagen war auch eine Sicherheitspanne bekanntgeworden, die sich bereits 2011 ereignet hatte. Damals hatte ein Mann nachts sieben Schüsse auf das Weiße Haus abgegeben - doch erst vier Tage später bemerkten die Personenschützer, dass das Gebäude überhaupt von Kugeln getroffen worden war.

dpa

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