+
Teilnehmer einer Pegida-Demonstration in Dresden.

Dresden verbietet Demos

Morddrohung gegen Pegida-Organisator

Dresden - Auch in Deutschland hat der islamistische Terror nun konkrete Folgen. Ausländische Geheimdienste liefern Hinweise auf mögliche Attentate. Deutsche Sicherheitsbehörden nehmen die Warnungen ernst.

Eine konkrete Terrordrohung von Islamisten gegen die Pegida-Bewegung hat eine beispiellose Reaktion deutscher Sicherheitsbehörden ausgelöst. Eineinhalb Wochen nach den Anschlägen von Paris verbot die Polizei in Dresden für diesen Montag alle Versammlungen unter freiem Himmel - und damit auch die für den Abend geplante Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.

Offenbar gibt es eine Morddrohung gegen Pediga-Organisator Lutz Bachmann.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es eine Morddrohung gegen Pediga-Organisator Lutz Bachmann. Die Gefahr sei nicht mehr nur abstrakt, sondern konkret, teilte Polizeipräsident Dieter Kroll mit. Da die Islamisten-Drohung dpa-Informationen zufolge zeitlich nicht begrenzt ist, ist in den nächsten Tagen eine Diskussion über die Zukunft der Pegida-Demonstrationen zu erwarten. Mit dem Verbot der Kundgebungen am Montag wird ein Kernelement der Demokratie vorübergehend eingeschränkt - die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Warnmeldungen ausländischer Geheimdienste an deutsche Sicherheitsbehörden gegeben. Darin waren auch die Hauptbahnhöfe von Berlin und Dresden als mögliche Terrorziele genannt worden. Dort wurden die Sicherheitsvorkehrungen laut „Berliner Zeitung“ verstärkt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte am Freitag erklärt, man unternehme alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen. „Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, teilte er mit.

Die selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) hatten kurz vor dem offiziellen Versammlungsverbot ihre für Montagabend geplante Kundgebung vor der Semperoper abgesagt. Zuerst hatte „Bild.de“ darüber berichtet.

In der Polizei-Verfügung heißt es, Attentäter seien aufgerufen worden, sich unter die Pegida-Demonstranten zu mischen. Ziel sei es, „zeitnah einen Mord an einer Einzelperson des Organisationsteams der Pegida-Demonstrationen zu begehen“. Dieser Aufruf ähnele einem über einen Twitter-Account gesendeten Tweet, in dem auf Arabisch die Pegida-Demonstration als „Feindin des Islams“ bezeichnet werde.

Sicherheitskreise hatten der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende im Grundsatz übereinstimmende Hinweise ausländischer Partner-Geheimdienste bestätigt, über die zunächst „Der Spiegel“ berichtet hatte. Erste Hinweise gab es demnach bereits Anfang vergangener Woche. Im Laufe der Woche habe sich das Lagebild der Behörden verdichtet.

So wurden auch Kommunikationsinhalte namentlich bekannter internationaler Dschihadisten abgefangen und an die deutschen Behörden weitergeleitet. Darin seien mögliche Anschläge auf Pegida-Demonstrationen diskutiert worden, schrieb der „Spiegel“. Den Ausschlag für das Dresdener Versammlungsverbot dürfte nach dpa-Informationen eine weitere, noch konkretere Warnmeldung vom Freitag gegeben haben.

Islamistische Terroristen hatten vor etwa eineinhalb Wochen in Paris bei Anschlägen 17 Menschen getötet. Die drei Attentäter starben bei Polizeieinsätzen.

facebook-Seite Pegida

dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Michael Müller bleibt Regierungschef in Berlin

Berlin - Mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei hat das Berliner Abgeordnetenhaus den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Amt bestätigt.
Michael Müller bleibt Regierungschef in Berlin

In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

Wie lange wird die Regierungskrise in Italien nach dem Rücktritt Renzis dauern? Der Staatspräsident beginnt die Konsultationen mit den politischen Spitzen des Landes.
In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

München - Beate Zschäpe sagte am Donnerstag im NSU-Prozess zum Fall Peggy aus. Neue Erkenntnisse konnte sie aber nicht liefern. Wir waren vor Ort.
NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Aleppo (dpa) - Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf die Großstadt Aleppo sind Aktivisten zufolge rund 500 Zivilisten ums Leben gekommen.
Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Kommentare