Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles (SPD)
+
Andrea Nahles.

Flüchtlingskrise beeinflusst nicht

Nahles: Mindestlohn gilt für alle

Berlin - Wenn Flüchtlinge zum Arbeiten bereit sind für einen Lohn unter 8,50 Euro - soll ihnen das möglich werden? Die Arbeitsministerin ist strikt dagegen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) weist Forderungen nach Aufweichungen beim Mindestlohn für Flüchtlinge strikt zurück. „Der Mindestlohn gilt für alle, egal welchen Pass jemand mitbringt“, sagte Nahles am Donnerstag bei den Haushaltsberatungen im Bundestag in Berlin. Niemandem sei geholfen, wenn Menschen gegeneinander ausgespielt werden.

Die Arbeitgeber hatten gefordert, dass für Flüchtlinge Sonderregelungen beim 8,50-Euro-Mindestlohn wie für Langzeitarbeitslose gelten sollen. Diese Ausnahmen sollten zudem von sechs auf zwölf Monate verlängert werden.

Der Linke-Politiker Klaus Ernst begrüßte zwar das Nein Nahles` zu solchen Forderungen, mahnte aber: „Wenn wir den Mindestlohn nur auf dem Papier haben, nützt er uns überhaupt nichts.“ Wenn Menschen ins Land kämen, die bereit seien, für weniger zu arbeiten, drohten sie, als „Billiglöhner“ ausgenutzt zu werden.

"Praxisbezogene Sprachkurse" als Lösung?

Für eine Integration der Flüchtlinge sprach sich Nahles für ein breites Angebot von möglichst praxisbezogenen Sprachkurse aus. Qualifizierung, Arbeitsvermittlung und Deutschkurse müssten eine Einheit bildeten. Trotzdem würden nicht alle schnell Platz auf dem hochspezialisierten Arbeitsmarkt in Deutschland finden. Nahles betonte aber: „Hartz IV soll für niemanden in Deutschland eine Dauerlösung sein.“

Die Regierung bündele ihre Anstrengungen für die Flüchtlinge mit denen für Langzeitarbeitslose, sagte Nahles. „Ich will mit allen Mitteln verhindern, dass aus Enttäuschung Radikalisierung entsteht.“ Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer sagte: „Dann müssten sie etwas tun für die, die bereits abgehängt sind.“

Insgesamt stelle der Bund fast zwei Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung, damit Flüchtlinge Fuß fassen, eine Ausbildung oder Arbeit finden, sagte Nahles. Die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz kritisierte, es gebe zu wenig Geld. Denn die Bundesregierung gehe von nur 800 000 Flüchtlingen aus und rechne kaum mit Familiennachzug. Zudem sei die Regierung zu optimistisch, was die Erfolge anerkannter Flüchtlinge betreffen, aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Patientenschützer fordern mehr Kontrollen ambulanter Pflege

Berlin (dpa) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt Nachbesserungen am Entwurf eines Anti-Betrugsgesetzes von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für die …
Patientenschützer fordern mehr Kontrollen ambulanter Pflege

Regierungstruppen drängen Taliban in Südafghanistan zurück

Kabul (dpa) - Afghanische Regierungstruppen haben nach offiziellen Angaben die Kontrolle über das Zentrum des Bezirks Chanischin im Süden des Landes zurückerobert. …
Regierungstruppen drängen Taliban in Südafghanistan zurück

Tunesisches Parlament entzieht Regierungschef das Vertrauen

Tunis - Für sein Projekt der "Nationalen Einheit" will Tunesiens Präsident Essebsi Regierungschef Essid loswerden. Der pocht auf die Verfassung und stellt die …
Tunesisches Parlament entzieht Regierungschef das Vertrauen

Merkel und Gauck bei Trauerfeier der Opfer des Amoklaufs

München (dpa) - München gedenkt heute der neun Todesopfer des Amoklaufs vor gut einer Woche. Zunächst wird es in der Frauenkirche einen ökumenischen Gottesdienst geben, …
Merkel und Gauck bei Trauerfeier der Opfer des Amoklaufs

Kommentare