Rakete Gazastreifen
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Eine Rakete wird aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.

Kämpfe werden immer verlustreicher

Iran bekennt sich zu Aufrüstung der Hamas

New York - Die Krise im Nahen Osten geht weiter: Nun bekennt sich die Führung des Iran zur Aufrüstung der radikalislamischen Hamas.

+++ Die iranische Führung hat sich zur militärischen Aufrüstung der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen bekannt. "Sie brauchten die Technologie für die Waffenproduktion, die wir ihnen bereitgestellt haben", erklärte am Donnerstag der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani nach Angaben der Internetseite des arabischsprachigen Senders al-Alam. Inzwischen seien die Kämpfer in Gaza in der Lage, sich selbst mit Waffen zu versorgen, sagte Laridschani demnach.

Schon während der Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Israel im Herbst 2012 war Laridschani nach eigenen Angaben "stolz" auf die militärische und finanzielle Hilfe Irans für die Hamas. Bislang hatte sich die Führung in Teheran aber nicht explizit zu konkreten Militärhilfen bekannt. Die israelische Regierung hatte dem Iran 2012 vorgeworfen, Raketen mit einer Reichweite von etwa 75 Kilometern an die Hamas geliefert zu haben.

Erst am Mittwoch hatte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, die Palästinenser im Gazastreifen aufgefordert, ihren Kampf gegen Israel weiterzuverfolgen und auf das Westjordanland auszuweiten. Die Hamas hatte in der vergangenen Woche eine von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe abgelehnt. Am 17. Tag des weiter andauernden Gaza-Konflikts stieg der Zahl der Getöteten im Gazastreifen auf über 780, davon die große Mehrheit Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 32 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

UN-Generalsekretär verurteilt Angriff auf Schule

+++ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den israelischen Angriff auf eine UN-Schule im Norden des Gazastreifens mit nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Toten scharf verurteilt. Er sei entrüstet, sagte Ban laut Mitteilung der Vereinten Nationen in New York am Donnerstag. Unter den Opfern seien Kinder, Frauen und UN-Mitarbeiter. Die genauen Umstände des Vorfalls seien noch unklar. Ban sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und rief beide Seiten in dem Konflikt erneut zu einer sofortigen Waffenruhe und dem besseren Schutz von Zivilisten auf.

In der Schule in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens hatten dem UN-Generalsekretär zufolge viele Zivilisten Schutz gesucht. Insgesamt hielten sich derzeit mehr als 100 000 Einwohner Gazas in UN-Einrichtungen auf, um sich vor israelischen Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Angriff auf UN-Schule im Gazastreifen

+++Bei dem Angriff auf eine von den Vereinten Nationen betriebene Schule im Gazastreifen sind auch UN-Mitarbeiter getötet worden. Dies gab UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Donnerstag in einer in New York veröffentlichten Erklärung bekannt. "Es gab viele Tote, darunter Frauen und Kinder und UN-Mitarbeiter." Ban "verurteilte scharf" den Angriff auf das Gebäude im Norden des Gazastreifens.

Laut dem Bericht eines AFP-Fotografen wurde die Schule am Donnerstag von einem Geschoss getroffen. Mindestens neun Menschen seien getötet worden, darunter ein Baby. Ein Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte sprach von 15 Toten und dutzenden Verletzten. In die Schule bei Beit Hanun hatten sich zahlreiche Palästinenser vor Israels Militäroffensive geflüchtet..

+++ Der britische Billigflieger EasyJet nimmt seine Flüge zum Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv wieder auf. Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag an, nur wenige Stunden nachdem es die Flüge eigentlich wegen der Raketenangriffe für einen weiteren Tag ausgesetzt hatte. Die Lufthansa wollte zunächst noch abwarten.

+++ Eine Woche nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen werden die erbitterten Kämpfe immer verlustreicher. Am Donnerstag wurden mindestens 51 Palästinenser getötet, unter ihnen viele Zivilisten, teilten die örtlichen Rettungsdienste mit. Bei einem israelischen Granatenangriff auf eine UN-Schule im nördlichen Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Menschen.

+++ Alexander Gerst, Deutschlands Astronaut auf der ISS, hat von der Raumstation jetzt sei "traurigstes Foto" getwittert. Das Bild aus dem Weltall zeigt eine Aufnahme von Explosionen und Raketen im Gazastreifen und in Israel.

+++ Über dem Großraum Tel Aviv sind am Donnerstag erneut fünf aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen abgefangen  worden. Im Zentrum von Tel Aviv waren mehrere laute Explosionen zu hören. Die radikal-islamische Hamas teilte mit, es sei erneut der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv angegriffen worden. In dem etwa zwei Kilometer vom Flughafen entfernten Jahud heulten erneut die Sirenen. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte aber, sie könne einen Angriff auf den Flughafen nicht bestätigen.

+++ Der Ben-Gurion-Flughafen dürfe seit 05.45 Uhr (MESZ) am Donnerstag wieder angeflogen werden, teilte die Behörde am Mittwochabend (Ortszeit) auf ihrer Webseite mit. Man werde die Situation im Auge behalten und nötigenfalls Maßnahmen ergreifen. Die FAA hatte das Flugverbot zunächst um weitere 24 Stunden verlängert. Das Verbot war mit den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen begründet worden.

+++ Der einflussreiche US-Republikaner Ted Cruz hatte Präsident Barack Obama vorgeworfen, mit dem Flugverbot einen „Wirtschaftsboykott Israels“ zu starten. Das US-Außenministerium bezeichnete dies als „lächerlich und beleidigend“.

+++ Die israelischen Streitkräfte haben in der Nacht auf Donnerstag ihre Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Augenzeugen zufolge fiel der Strom aus, nachdem das wichtigste Kraftwerk des Küstengebiets getroffen wurde. Menschen gerieten in Panik. Trotz internationaler Vermittlungsbemühungen stieg die Zahl der Toten weiter.

+++ Wie der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, sagte, kletterte die Zahl der Opfer in dem Gebiet auf 707. Mehr als 4500 Menschen seien verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen bislang mindestens 32 Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben.

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza

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+++ Zu einer möglichen Waffenruhe gab es am Abend widersprüchliche Signale. Hamas-Exilchef Chaled Maschaal machte die Zustimmung seiner Organisation zu einer Vereinbarung mit Israel erneut von einem Ende der Blockade des Gazastreifens abhängig. Zuvor hatten palästinensische Offizielle angekündigt, eine Waffenruhe sei „binnen Stunden“ möglich. Der israelische Regierungssprecher Mark Regev dementierte wenig später jedoch, dass eine Feuerpause unmittelbar bevorstehe.

+++ Wie die Streitkräfte in der Nacht mitteilten, wurden am Mittwoch mehr als 95 Geschosse auf Israel abgefeuert. Das Militär gab an, an dem Tag mehr als 100 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben.

Die Informationen vom Mittwoch zum Nahostkonflikt finden Sie hier.

dpa

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