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US-Außenminister John Kerry.

Nahostkonflikt

Israel lehnt Kerrys Vorschlag zu Waffenruhe ab

Tel Aviv/Gaza - Israel hält bislang am Gaza-Einsatz fest. US-Außenminister John Kerry ist am Freitag mit seinem Vorschlag für eine Waffenruhe im Nahostkonflikt abgeblitzt.

+++ Die französische Fluggesellschaft Air France fliegt nach mehrtägiger Unterbrechung wieder in die israelische Stadt Tel Aviv. Der erste Flug sollte bereits am späten Freitagabend starten, wie die Gesellschaft in Paris mitteilte. Air France hatte den Flughafen Ben Gurion wegen der anhaltenden Raketengefahr im israelisch-palästinensischen Konflikt nicht mehr angeflogen.

+++ Israel lehnt laut Medien den Vorschlag zur Waffenruhe von US-Außenminister John Kerry in seiner gegenwärtigen Form ab. Das berichtete „haaretz.com“ am Freitag unter Berufung auf einen Regierungsvertreter. Die Diskussionen über eine Nachbesserung des Vorschlags würden aber weitergehen, hieß es. Auch die militanten Palästinenser in Gaza prüften den Vorschlag der USA, reagierten zunächst aber offiziell nicht darauf.

Nach Kerrys Vorstellungen sollen mit Einstellung der Kämpfe von Sonntag an unter ägyptischer Vermittlung Gespräche über eine längerfristige Friedenslösung aufgenommen werden, wie die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete. Israel darf demnach in dem Zeitraum weiterhin Tunnel im Gazastreifen zerstören, die die Hamas für Angriffe auf Israel oder andere militärische Zwecke gebaut hat.

Nach ständigem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen greift Israel dort seit dem 8. Juli Ziele der radikal-islamischen Hamas aus der Luft an. Am 17. Juli startete die israelische Armee ihre Bodenoffensive in dem Küstenstreifen. Ziel ist die Zerstörung der Hamas-Infrastruktur wie Waffenschmieden, Abschussrampen und Tunnel.

+++ Die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften fliegen ab Samstag wieder von und nach Tel Aviv. Das teilte der Konzern am Freitag in Frankfurt am Main mit. Die Fluggesellschaften hatten wegen drohenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen auf den Flughafen Ben Gurion am Dienstagabend einen Flugstopp beschlossen.

+++ Nach der Krise in Gaza wird es nach Auffassung des stellvertretenden Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden keinen Frieden mehr im Nahen Osten geben. „In Palästina wird es keine Ruhe mehr geben“, sagte Hossein Salami am Freitag am Rande einer anti-israelischen Demonstration in Teheran. Letztendlich werde die islamische Welt den Nahen Osten „zum Friedhof der Amerikaner und Zionisten (Israel) umwandeln“, so der General.

+++ Die israelische Luftwaffe hat nach palästinensischen Angaben das Haus des Hamas-Führers Salah Bardawil im Süden des Gazastreifens zerstört. Bei dem Angriff südlich von Chan Junis habe es keine Verletzten gegeben, hieß es. Die örtlichen Rettungskräfte berichteten am Freitag ferner, bei einem anderen Angriff im Süden des Palästinensergebiets sei ein örtlicher Anführer des radikalen Islamischen Dschihad getötet worden. Der 45-jährige Salah Abu Hasanin und sein 15-jähriger Sohn seien bei dem Luftangriff in Rafah ums Leben gekommen.

+++ Das israelische Sicherheitskabinett berät am Freitag über die Fortsetzung der Bodenoffensive im Gazastreifen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ bislang keine Bereitschaft erkennen, die Angriffe einzustellen.

+++ Im Westjordanland gingen in der Nacht Tausende Palästinenser auf die Straße, um gegen Israels Vorgehen in dem Küstengebiet zu protestieren. Palästinensischen Rettungskräften zufolge starben bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften mindestens zwei Palästinenser, Dutzende wurden verletzt. Auf israelischer Seite seien 13 Polizisten leicht verletzt worden, hieß es in israelischen Medienberichten. Die Demonstranten bewarfen die Sicherheitskräfte am Kontrollposten Kalandia zwischen Ramallah und Jerusalem demnach mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Die Sicherheitskräfte feuerten der Nachrichtenseite „ynet“ zufolge unter anderem mit Gummigeschossen zurück.

+++ Israelische Medien berichteten von Bemühungen um eine Feuerpause. US-Außenminister John Kerry soll den Konfliktparteien einen neuen Vorschlag unterbreitet haben. Dieser sieht unter anderem eine einwöchige Einstellung der Kämpfe vor, in der unter ägyptischer Vermittlung Gespräche über eine längerfristige Friedenslösung aufgenommen werden sollen. Daran beteiligt werden soll auch die Palästinensische Autonomiebehörde. Israel darf demnach in dem Zeitraum weiterhin Hamas-Tunnel zerstören. Kerry erwarte noch am Freitag Antworten.

+++ In mehreren deutschen Städten sind am Freitag Proteste gegen die israelischen Angriffe in dem Küstengebiet angemeldet; dann ist der Al-Kuds-Tag, ein vom Iran ins Leben gerufener alljährlicher Solidaritätstag mit den Palästinensern.

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza 

+++ Israel will mit seiner Offensive die Infrastruktur der im Gazastreifen herrschenden Hamas zerstören. So soll der anhaltende Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser gestoppt werden. Der Gazastreifen gehört allerdings zu den dicht besiedeltsten Gebieten der Erde. Auf einer Fläche, die in etwa der Kölns entspricht, leben rund 1,8 Millionen Menschen. Daher geraten auch immer wieder Zivilisten unter Beschuss.

Alle Informationen vom Donnerstag zum Konflikt im Nahen Osten finden Sie hier

dpa

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