Waffenruhe

Nahostkonflikt: Hamas stellt Forderungen auf

Gaza/Tel Aviv - Nach drei Wochen schwerer Kämpfe zwischen Israel und der Hamas nennt die radikalislamische Organisation Bedingungen für einen Waffenstillstand. 

+++ Der UN-Menschenrechtsrat hat am Mittwoch eine Untersuchung der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen beschlossen. Nach einer siebenstündigen Debatte stimmten 29 Mitglieder für eine von den Palästinensern eingebrachte Resolution. Es gab 17 Enthaltungen und nur eine Gegenstimme, die von den USA kam. Das Untersuchungsteam soll noch festgelegt werden, der Menschenrechtsrat erwartet einen Bericht bis zum März 2015.

+++ Hamas-Exilchef Chaled Maschaal hat die Zustimmung seiner Organisation zu einem Waffenstillstand mit Israel erneut von einem Ende der Blockade des Gazastreifens abhängig gemacht. „Wir sind bereit, unser Leben zu opfern, um die Belagerung (von Gaza) zu beenden“, erklärte er am Mittwochabend in der katarischen Hauptstadt Doha. Zuvor hatten palästinensische Offizielle angekündigt, dass ein Waffenstillstand im Gazakrieg „binnen Stunden“ möglich sei.

Der israelische Regierungssprecher Mark Regev dementierte wenig später, dass ein Waffenstillstand unmittelbar bevorstehe. Ein Mitglied des israelischen Sicherheitskabinetts sagte dem Fernsehsender Aruz 10, die Vereinbarung einer Waffenruhe werde bis zu diesem Samstag erwartet.

Nahostkonflikt: Weiter keine Israel-Flüge aus USA

+++ Fluggesellschaften aus den USA dürfen den internationalen Flughafen von Tel Aviv weiter nicht ansteuern. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verlängerte am Mittwoch ein nach einem Raketeneinschlag in der Nähe des israelischen Flughafens verhängtes Verbot um 24 Stunden. Grund sei die "potenziell gefährliche Situation" durch den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Die FAA hatte am Dienstag Flüge von US-Airlines von und nach Israel untersagt. Auch zahlreiche europäische Fluglinien stellten ihre Verbindungen zum Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv anschließend bis auf Weiteres ein.

+++ Die deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin haben auch für den Donnerstag ihre Flüge nach Israel aus Sicherheitsgründen gestrichen. Die Verlängerung des seit Dienstag geltenden Flugstopps um weitere 24 Stunden betrifft im Lufthansa-Konzern 20 Flüge der verschiedenen Gesellschaften wie Swiss, Austrian, Lufthansa oder Germanwings nach Israel. Die Starts waren in Frankfurt, Köln, München, Zürich, Wien und Brüssel geplant. Air Berlin musste nur einen Flug aus Düsseldorf in die Wirtschaftsmetropole Tel Aviv absagen.

+++ Die israelische Luftwaffe hat das Al-Wafa-Krankenhaus im Osten der Stadt Gaza bombardiert. Bodentruppen griffen am Mittwoch das Gebäude an, in dem sich Kämpfer der islamistischen Hamas-Milizen verschanzt hatten, wie ein israelischer Militärsprecher in Tel Aviv mitteilte. Das Krankenhaus war bereits vor vier Tagen geräumt worden, bestätigten Offizielle in Gaza. Nach Darstellung des israelischen Militärsprechers hätten Hamas-Kämpfer in dem Gebäude eine Kommandozentrale eingerichtet. „Unsere Truppen wurden aus dem Krankenhaus heraus beschossen, aus den Fenstern, vom Dach“, fügte er hinzu. Die israelische Armee habe das Gebäude schließlich unter ihre Kontrolle gebracht.

+++ Im Zuge seiner Nahost-Pendeldiplomatie hat US-Außenminister John Kerry am Mittwoch in Israel Gespräche zur Beendigung des Gaza-Konflikts aufgenommen. In Jerusalem beriet Kerry zunächst mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon über die Krise. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sprach von Hinweisen auf mögliche Kriegsverbrechen durch die israelische Seite und prangerte zugleich die "wahllosen Angriffe" der Hamas an. Vor dem Gespräch mit Ban sagte Kerry mit Blick auf die diplomatischen Bemühungen: "Wir haben sicher einige Schritte vorwärts gemacht, aber es ist noch Arbeit zu tun."

Nahostkonflikt: UN fordert Schutz der Zivilisten

+++ Die Vereinten Nationen haben Israel  und die radikal-islamische Hamas nachdrücklich aufgerufen, die Zivilbevölkerung bei den Kämpfen im Gazastreifen zu schützen. Bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats am Mittwoch in Genf zweifelte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, dass Israel alles tue, um zivile Opfer zu vermeiden.

+++ Israel bietet Ausweichflughafen Ovda nördlich von Eilat an: Nach der Streichung vieler internationaler Flüge nach Tel Aviv hat Israel einen Militärflughafen im Süden des Landes für die zivile Luftfahrt geöffnet. Der Flughafen Ovda in der Negev-Wüste nördlich von Eilat solle als Ausweichmöglichkeit für internationale Flüge zugänglich gemacht werden, bestätigte eine Sprecherin des israelischen Transportministeriums am Mittwoch.

+++ Israel hat die Sicherheit des Flugverkehrs nach Tel Aviv bekräftigt. „Wir sind überzeugt, dass wir den Flughafen schützen können“, sagte der israelische Armeesprecher Peter Lerner am Mittwoch. Israels Transportminister Israel Katz kritisierte die Entscheidung vieler Airlines, die Flüge nach Tel Aviv zu streichen.

+++ Die US-Regierung verteidigte das befristete Flugverbot zum Tel Aviver Flughafen gegen Kritik aus Israel. Die Maßnahme diene einzig dazu, amerikanische Bürger und Airlines zu schützen, sagte US-Außenminister John Kerry nach Angaben seines Ministeriums am Dienstag in einem Gespräch dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

+++ Mehrere Airlines haben wegen des Gaza-Konflikts Verbindungen zum wichtigsten internationalen Flughafen Israels vorübergehend eingestellt. Die deutschen Gesellschaften Lufthansa und Air Berlin etwa setzten ab Dienstagabend alle für die nächsten 36 Stunden geplanten Flüge nach Tel Aviv aus. Für US-Airlines galt ein 24-stündiges Verbot. Zuvor war nahe des Flughafens Ben Gurion eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete eingeschlagen.

+++ Die israelische Militäroffensive in dem Küstengebiet geht in die dritte Woche. Trotz internationaler Vermittlungsbemühungen ist kein Ende der Gewalt in Sicht. Hunderte Menschen kamen bislang ums Leben - unter ihnen auch eine siebenköpfige deutsch-palästinensische Familie.

+++ Auch am Dienstag gingen die Gefechte weiter. Bis zum Abend stieg die Zahl der Toten im Gazastreifen auf 620 und die der Verletzten auf 3752. Bis zu 200 000 Menschen sollen in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht vor Tod und Verwüstung sein. Militante Palästinenser schossen am Dienstag mehr als 90 Raketen auf Israel ab, wie die israelische Armee mit. Auf israelischer Seite wurden 27 Soldaten und zwei Zivilisten getötet, mehr als 120 Soldaten wurden nach Medienberichten verletzt.

+++ Israel will mit seiner Offensive Hamas-Tunnel zerstören und die Raketenangriffe auf Israel unterbinden. Bei den Angriffen kamen auch viele Zivilisten ums Leben.

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza 

+++ Bei der getöteten deutsch-palästinensischen Familie handelt es sich nach palästinensischen Angaben um den 53-jährigen Ibrahim al-Kilani, seine 47 Jahre alte Frau Taghrid und fünf Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Der Familienvater hatte in den 1990er Jahren in Nordrhein-Westfalen und Hessen gelebt. Die Familie sei am Montagabend bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in der Stadt Gaza getötet worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte in Berlin: „Wir müssen aufgrund mehrfacher Hinweise davon ausgehen, dass es sich bei den Toten um diese Familie handelt.“

+++ Im Fall eines israelischen Soldaten, der angeblich in der Hand der Hamas ist, soll Israel Deutschland um Hilfe gebeten haben. Nach Informationen des arabischen Senders Al-Arabija geht es dabei möglicherweise um Vermittlungsbemühungen. Der israelische Soldat, der an der Bodenoffensive beteiligt war, könnte demnach tot oder lebendig in den Händen der militanten Palästinenser sein. Eine Bestätigung Israels dafür gab es zunächst nicht.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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