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Ein MiG-29-Kampfjet  bei einer Übung für die Parade zum "Tag des Sieges" in Moskau (Archivfoto vom 05.05.2010).

Deutsche Eurofighter an Abfang beteiligt

Russische Kampfjet-Manöver über Europa

Berlin - Das russische Militär hält die Nato auf Trab. Einflüge über der Nord- und Ostsee, aber auch über dem Schwarzen Meer erinnern ein wenig an die Zeiten des Kalten Kriegs. Die Nato sieht vielmehr ein Risiko für die Zivilluftfahrt.

Die Nato hat "umfangreiche" russische Luftwaffenaktivitäten in Europa beobachtet. Am Dienstag und Mittwoch seien vier Verbände mit insgesamt 26 russischen Kampfflugzeugen abgefangen worden, teilte das Nordatlantische Bündnis in Brüssel mit. Die Nato wies darauf hin, dass das unangemeldete Fliegen von Kampfjets Gefahren für die zivile Luftfahrt berge. An den Abfangmanövern waren auch deutsche Eurofighter beteiligt.

"Diese umfangreichen Flüge Russlands bedeuten ein ungewöhnlich hohes Niveau von Luftaktivitäten im europäischen Luftraum", erklärte die Nato. Die russischen Langstreckenbomber, Kampfjets und Tankflugzeuge seien zu "Manövern" über der Ostsee, der Nordsee und dem Schwarzen Meer im Einsatz gewesen. Unter den Langstreckenbombern seien auch Bomber vom Typ TU-95 gewesen, die bei Bedarf mit Nuklearwaffen bestückt werden können.

Die russischen Flugzeuge wurden laut Nato während der gesamten Dauer ihrer Flüge von Kampfjets verschiedener Nato-Staaten begleitet und von der Nato-Luftraumüberwachung am Boden verfolgt.

In der Nacht zum Mittwoch stiegen zunächst türkische Kampfflugzeuge auf, um je zwei russische Kampfflugzeuge und zwei Bomber über dem Schwarzen Meer abzufangen. Am Nachmittag bewegte sich zudem eine Flotte von mindestens sieben russischen Flugzeugen über der Ostsee, wo im Rahmen der gemeinsamen Luftraumüberwachung portugiesische Flugzeuge aufstiegen, um die Gruppe abzufangen.

Ebenfalls am Mittwoch sorgte eine Gruppe von acht russischen Flugzeugen über der Nordsee für Unruhe. Seitens der Nato begleiteten norwegische, britische und portugiesische Kampfflugzeuge den Verband entlang der norwegischen Küste teilweise bis nach Portugal.

Die Flüge waren von der russischen Luftwaffe nicht angemeldet worden. Es gab auch keinen Funkkontakt sowie keine Transponder-Signale, um die Flüge für die zivile Luftraumüberwachung sichtbar zu machen.

Moskau testet Interkontinentalrakete vom Typ Bulawa

Inmitten wachsender Spannungen mit dem Westen hat Russland eine mit Atomsprengköpfen bestückbare Interkontinentalrakete getestet. Die Rakete vom Typ Bulawa (NATO-Code: SS-N-30) sei nach dem Start punktgenau auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Osten Russlands eingeschlagen, sagte Vize-Verteidigungsminister Juri Borissow am Donnerstag russischen Agenturen zufolge. Ein Atom-U-Boot hatte das Geschoss am Mittwoch aus der Barentssee abgefeuert. Die Rakete habe „wunderbar funktioniert“, sagte Borissow. Auch ein Frühwarnsystem sei dabei getestet worden.

Lettland sichtet russisches Schiff - Estland warnt vor Panikmache

Inmitten von Nato-Meldungen über russische Manöver im europäischen Luftraum hat das lettische Militär nahe der eigenen Seegrenze ein Schiff der russische Marine gesichtet. Das Kriegsschiff wurde etwa 13 Kilometer vor der Küste in internationalen Gewässern der Ostsee geortet, wie die Streitkräfte des Nato-Staates Lettland am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilten.

In den vergangenen Tagen waren auch mehrere russische Militärflugzeuge im internationalen Luftraum über der Ostsee entdeckt worden. In Lettland und den baltischen Nachbarstaaten Estland und Litauen sind seit Beginn der Ukraine-Krise vermehrt russische Militärflugzeuge und Kriegsschiffe an den Grenzen gesehen worden. Auch die Nato hat ihre Aktivitäten dort verstärkt.

Der estnische Luftwaffen-Chef Jaak Tarie warnte jedoch vor Panikmache. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich russische Flugzeuge nahe des baltischen Luftraums bewegten, sagte er der Agentur BNS. Es bestehe keine direkte Gefahr für Estland, meinte er.

Stoltenberg kritisiert Russland - Nato müsse stark bleiben

Der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat angesichts von verstärkten russischen Aktivitäten im europäischen Luftraum die Wachsamkeit des Bündnisses betont. "Die Nato ist stark, sie bleibt wachsam", sagte Stoltenberg am Donnerstag bei einem Besuch in Athen. "Diese Stärke ist unsere Antwort."

Die Aktionen Russlands in der Ukraine verletzten das internationale Recht. Sie hätten zudem dem gegenseitigen Vertrauen geschadet und seien „eine Provokation für die euroatlantische Sicherheit“, erklärte er am Donnerstag in Athen.

Flugsicherung: Russische Flüge „völlig legal“

Die Flüge russischer Militärflugzeuge über der Nord- und Ostsee, dem Atlantik und dem Schwarzen Meer sind nach Angaben der Deutschen Flugsicherung „völlig legal“ gewesen. Die Bomber und Kampfjets hätten sich in internationalem Luftraum bewegt, sagte DFS-Sprecher Axel Raab am Donnerstag in einem Interview mit dpa-audio. Die Russen seien auch nicht verpflichtet, ihre Transponder einzuschalten oder einen Flugplan mitzuteilen. „Sie müssen sich auch nicht mir der zivilen Flugsicherung in Verbindung setzen“, sagte Raab.

Für die zivile Luftsicherung sei diese Situation aber „nicht sehr schön“, weil die Militärflugzeuge nicht unbedingt auf ihren Radargeräten sichtbar seien. Deswegen begleiteten in solchen Fällen oft Nato-Flugzeuge mit eingeschaltetem Transponder die Russen. Die Nato-Jets seien für die zivile Flugsicherung gut sichtbar, die Lotsen könnten zivilen Maschinen dann notfalls Ausweichrouten angeben.

Transponder übermitteln als Signalgeber den Fluglotsen wichtige Angaben zu Flugzeugen, wie Position, Kennung oder Typ.

Eine gefährliche Begegnung zwischen einem russischen Militärjet und zivilen Flugzeugen ist nach Einschätzung Raabs unwahrscheinlich. „Die Gefahr eines Zusammenstoßes oder einer gefährlichen Annäherung ist sehr gering, aber man kann es nicht hundertprozentig ausschließen.“

Mehr russische Jets über europäischen Meeren

Dass russische Militärflugzeuge über europäischen Meeren fliegen, sei nicht neu, sagte Raab. Es scheine sich zurzeit aber zu häufen. Deutsche Eurofighter-Typhoon-Maschinen stiegen bereits am Dienstag zu einem Abfangmanöver über dem Finnischen Meerbusen auf. Sie gehören zu einem baltischen Luftüberwachungsverband. Flugzeuge aus Schweden und Finnland, die nicht zur Nato gehören, beteiligten sich demnach am Abfangen der russischen Flieger. Die Flüge waren zwar angemeldet und auf zivilen Radars erkenntlich, allerdings war kein Funkkontakt möglich. Nach Nato-Angaben wurden seit Jahresbeginn in mehr als 100 Fällen russische Flugzeuge abgefangen, was rund drei mal mehr sei als noch 2013.

Die Entsendung von Kampfjets ist ein Standardverfahren, wenn sich nicht identifizierte Flugzeuge dem Nato-Luftraum nähern. Anfang Oktober hatte ein Nato-Vertreter die erhöhten russischen Luftraumaktivitäten damit erklärt, dass Russland die Verteidigung der Nato-Staaten testen wolle. Mit Blick auf den Konflikt zwischen dem Westen und Russland über die territoriale Integrität der Ukraine hatte die Nato die gemeinsame Luftraumüberwachung an ihrer Grenze zu Russland schon vor Monaten verstärkt.

AFP/dpa

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