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Regierungschef Netanjahu sagt im Fernsehen, dass der Militäreinsatz im Gazastreifen weitergeht. Diplomatische Vorstöße zur Konfliktlösung scheinen keine Chance zu haben.

Israel bleibt hart

Netanjahu: Fortsetzung des Gaza-Einsatzes

Gaza - Israel bleibt hart. Regierungschef Netanjahu sagt im Fernsehen, dass der Militäreinsatz im Gazastreifen weitergeht. Diplomatische Vorstöße zur Konfliktlösung scheinen keine Chance zu haben.

Dreieinhalb Wochen nach Beginn der israelischen Militäroffensive ist eine diplomatische Lösung des Gaza-Konflikts in weite Ferne gerückt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Samstag eine Fortsetzung der Operation in dem Palästinensergebiet an. „Die Armee wird so lange im Einsatz sein, bis sie ihre Arbeit getan hat“, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Eines der Hauptziele, die Vernichtung der Angriffstunnel der radikal-islamischen Hamas, sei bald erreicht. „Wir sind dabei, die Zerstörung der Tunnel zu vollenden.“ Danach werde Israel die Lage neu bewerten und weitere Schritte entsprechend seinen Sicherheitsbedürfnissen unternehmen, fügte Netanjahu hinzu.

Schon zuvor war deutlich geworden, dass nach der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe immer schwieriger werden. „Mit der Hamas über einen Waffenstillstand zu reden, hat keinen Sinn“, sagte ein hoher israelischer Regierungsbeamter am Samstag der Zeitung „Haaretz“. Vorerst werde auch keine israelische Delegation nach Kairo reisen, um an Gesprächen über eine Feuerpause teilzunehmen.

Ob der entführte 23 Jahre alte Leutnant Hadar Goldin überhaupt noch am Leben ist, blieb unklar. Militante Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatten den Leutnant am Freitag nahe der im Süden gelegenen Stadt Rafah verschleppt. Die israelische Armee suchte am Samstag mit einem massiven Militäreinsatz weiter nach dem Vermissten. Netanjahu sagte: „Israel wird alles Menschenmögliche tun, um seine vermissten Soldaten wieder nach Hause zu bringen.“

Israel begann am Samstagabend damit, einige Truppen aus Wohngebieten im Gazastreifen zurückzuziehen. Die Grenze zu Israel überquerten sie dabei noch nicht, wie israelische Medien berichteten. Dennoch könnte es sich um erste Anzeichen für ein Zurückfahren der Offensive handeln. Wie die Medien berichten, könnte das Militär innerhalb der nächsten 24 Stunden den Vollzug der vollständigen Zerstörung der Hamas-Tunnel bekanntgeben.

Möglicherweise beendet Israel den Militäreinsatz im Gazastreifen, ohne zuvor mit der Hamas eine Waffenruhe zu vereinbaren. „Wir werden die Zerstörung der Tunnel beenden und unsere Politik gegenüber Gaza auf Abschreckung gründen und nicht auf Abmachungen mit der Hamas“, zitierten die „Haaretz“ und das israelische online-Portal „ynet.news“ einen hohen Regierungsbeamten.

Die Einheit des entführten Soldaten hatte an der Zerstörung eines nach Israel reichenden Angriffstunnels gearbeitet, als sie am Freitag von dem Hamas-Kommando überrascht wurde. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben. „Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem (nachfolgenden israelischen) Bombardement getötet wurden“, hieß es in einer Mitteilung. Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen.

Der israelischen Armee zufolge ereignete sich der Angriff anderthalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe, die die Vereinten Nationen (UN) und die USA zwischen Israel und militanten Palästinensern vermittelt hatten. Ein ranghohes Hamas-Mitglied erklärte hingegen, die Entführung sei vor Beginn der Waffenruhe passiert. Israel hatte nach dem Zwischenfall die Waffenruhe für gescheitert erklärt und seine Angriffe verstärkt.

Innerhalb von 24 Stunden griff die Armee nach eigenen Angaben mehr als 200 Ziele in dem Palästinensergebiet an. Demnach wurden unter anderem fünf Moscheen getroffen. Sie seien von der Hamas als Übungsgelände und Kommandozentralen genutzt worden. Das israelische Militär flog auch einen Luftangriff auf die Islamische Universität in Gaza. In einem Gebäude der Einrichtung wurden nach israelischen Angaben Waffen hergestellt. Unterdessen dürfen die Bewohner von Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen in ihre Häuser zurückkehren, wie die israelische Armee mitteilte.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi rief die Konfliktparteien dazu auf, sich so schnell wie möglich einer früheren ägyptischen Waffenstillstandsinitiative anzuschließen. „Wenn wir Zeit verlieren, wird die Situation komplizierter“, erklärte er in Kairo. Eine palästinensische Delegation traf am Samstagabend zu möglichen Verhandlungen über eine Waffenruhe in Kairo ein. Hamas-Politiker gehören nach ägyptischen Angaben nicht zu der Gruppe.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit dem 8. Juli mindestens 1650 Palästinenser getötet. Rund 8900 Menschen wurden demnach verletzt. Laut UN-Nothilfeorganisation Ocha hat die Gewalt fast jeden vierten Einwohner im Gazastreifen in die Flucht getrieben. Mehr als 254 000 der 1,8 Millionen Palästinenser hätten Zuflucht in eine der 90 UN-Unterkünfte gesucht.

Auf israelischer Seite wurden mindestens 63 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Militante aus dem Gazastreifen feuerten am Samstag erneut Raketen auf Israel ab.

dpa

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