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Die Schocktat vor der Wahl: Ein Plakat der Kölner Obermeisterkandidatin Henriette Reker am Tatort des Attentats.

Fragen nach der Wahl

Neue Kölner OB Reker: Wie geht es nach dem Attentat weiter?

Köln - Henriette Reker ist die Siegerin der Oberbürgermeisterwahl in Köln. Aber weiß die nach einem Attentat Schwerverletzte überhaupt von ihrem Sieg?

Die Kölner haben Henriette Reker zur Oberbürgermeisterin der viertgrößten deutschen Stadt gewählt. Die parteilose Politikerin ist die erste Frau auf dem OB-Posten in der Geschichte Kölns und zugleich das einzige weibliche Stadtoberhaupt unter den 20 größten Metropolen hierzulande. Ob die nach einem Messerattentatschwer verletzte 58-Jährige aber überhaupt von ihrem Wahlsieg weiß, blieb am Tag nach ihrem Triumph unklar.

Wie geht es Henriette Reker nach der blutigen Attacke?

Nach Angaben der Uniklinik Köln hat sich ihr Gesundheitszustand seit einer Notoperation vom Samstag „in Anbetracht der Schwere der Verletzung (...) positiv entwickelt“. Sie muss wegen ihrer Verwundungen im Halsbereich weiter stationär behandelt werden. „Der Heilungsverlauf nimmt bei einer Verletzung dieser Art üblicherweise eine gewisse Zeit in Anspruch.“ Ein Sprecher Rekers hatte am Wahlabend gesagt, die Ärzte wollten eine allmähliche Aufwachphase aus dem künstlichen Koma einleiten. Ob Reker am Montag bereits bei Bewusstsein war, wurde nicht bekanntgegeben.

Wird Reker ihr Amt nach dem Schock überhaupt antreten wollen?

Davon gehen alle aus ihrem Umfeld aus. „Wer Frau Reker kennt, weiß: Sie ist eine Kämpfernatur, und sie hat einen starken Willen“, sagt Stadt-Sprecherin Inge Schürmann. Auch ein Mitglied aus dem Reker-Wahlbüro ist überzeugt, dass sie ihr Amt antreten wird. Sogar kurz nachdem der 44-jährige Attentäter die Politikerin am Samstag niedergestochen hatte, habe sie im Krankenwagen gesagt, sie wolle aber noch wählen gehen, ihre Stimme abgeben. Sollte sie wider Erwarten doch nicht mehr als OB zur Verfügung stehen, müsste sie ihren Verzicht explizit erklären.

Wie geht es an der Rathausspitze weiter und wer vertritt Reker?

Die Amtszeit von Noch-Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) endet an diesem Dienstag. Reker wird dann am 21. Oktober OB, ihre Amtseinführung aber verschoben. Bis zu ihrer Genesung übernimmt Stadtdirektor Guido Kahlen laut Gemeindeordnung als allgemeiner OB-Vertreter die Verwaltungsführung. Die vier Kölner Bürgermeister wechseln sich bei Repräsentationsaufgaben und Ratsvorsitz ab. Das gilt bis auf weiteres, bei Krankheit gibt es kein zeitliches Limit.

Wofür steht die neue OB als erste Parteilose auf dem Posten?

Reker hat stets betont, sie werde parteiunabhängig agieren, auch wenn ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP sie als Kandidatin unterstützt hatte. Auf ihrer Agenda: mehr bezahlbarer Wohnraum, Bildung unabhängig vom Geldbeutel oder auch mehr Engagement für Flüchtlinge. Filz und Klüngel will sie verbannen, geschwächtes Vertrauen in Politik und Verwaltung zurückgewinnen. Die Arbeit der Stadtverwaltung mit 17 000 Mitarbeitern soll verändert, Prozesse transparenter, Bürger mehr beteiligt werden.

Vor welchen Problemen steht die Millionenstadt am Rhein?

Köln gehört zu dem am höchsten verschuldeten Städten bundesweit. Die Rhein-Metropole kämpft mit einem Negativ-Image - noch verstärkt durch die jüngste „Kür“ zur Stauhauptstadt Deutschlands oder auch das Desaster um die geplatzte Wiederöffnung von Oper und Schauspielhaus. Die Juristin Reker steht vor gewaltigen Aufgaben. Im Rat herrscht allerdings ein lähmendes politisches Patt.

Wie kann es politisch weitergehen?

SPD und Grüne hatten bisher koaliert. Dann brüskierten die Grünen die Sozialdemokraten und deren OB-Kandidaten Jochen Ott, weil sie Reker intensiv unterstützten. Es ist offen, ob zu viel Porzellan zerschlagen ist für eine weitere rot-grüne Zusammenarbeit. Die SPD hatte nach einer Neuauszählung der Kommunalwahl 2014 einen Sitz an die CDU abtreten müssen, die knappe rot-grüne Mehrheit ist seit Mai weg. Reker solle an den Weichenstellungen beteiligt werden, mahnt ihr Team zur Geduld. „Sie darf durch laufende Gespräche der Parteien nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“

dpa

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