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Ein Kommentator der New York Times singt ein Loblied auf Deutschland und Angela Merkel.

"Merkel hat Europa erlöst"

So lobt die New York Times Deutschland

New York - Mit einem flammenden Kommentar hat Roger Cohen, Autor der New York Times, den Umgang Deutschlands mit den Flüchtlingen gewürdigt. 

"Yes, we can" - Mit diesem aufmunternden Spruch hat Präsident Barack Obama vor einigen Jahren seine Nation aufgerüttelt. Jetzt, so schreibt

Roger Cohen in der New York Times

, gibt es eine neue "we can"-Nation: Deutschland. Die USA hätten den Anschluss verpasst.

Angesichts des Zustroms von einer Million Flüchtlingen in diesem Jahr habe Angela Merkel die immer gleiche Parole ausgegeben: "Wir schaffen das!". Cohen bezeichnet die Merkel-Ansage als den wohl außergewöhnlichsten "erlösenden Akt" aller europäischen Länder in den vergangenen Jahren.

Die Deutschen hätten verstanden: "Vor dem IS-Terror aus Syrien zu fliehen, die eigene Familie in ein wackeliges Boot auf dem stürmischen Mittelmeer zu setzen, sich zu Fuß durch Europa zu schleppen auf der Suche nach einem neuen Zuhause, ist kein Akt der Verzweiflung, sondern eine vernünftige Entscheidung." 

Die USA hätten im Vergleich zu Deutschland in diesem Jahr vier Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen - stattdessen waren es nicht einmal 100.000. In den vergangenen vier Jahren hätten die Vereinigten Staaten lediglich 1900 Flüchtlinge aus Syrien anerkannt - "Ja, Sie lesen richtig." Und Obamas Zugeständnis, weitere 10.000 Syrer aufzunehmen, habe den Protest von zwei Dutzend republikanischen Gouvernors nach sich gezogen. "Was ist aus der Nation der Helden geworden?", fragt daher Cohen. Zumal die Krise in Syrien eine Folge des Irak-Einsatzes sei - und die USA somit eine unmittelbare Verantwortung trügen. Die Antwort Amerikas auf die Flüchtlingskrise sei erbärmlich, gerade für eine Einwanderer-Nation.

Merkel habe sich - nicht nur, aber vor allem auch - wegen ihres Umgangs mit der Flüchtlingskrise einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Und vielleicht sogar Adenauer, Schmidt und Kohl hinter sich gelassen, Cohen. Mit ihrer Entscheidung, Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen, habe sie nicht nur einen drohenden Gewaltausbruch verhindert, sondern versucht, die europäische Idee zu wahren. Eine vernünftige Entscheidung.

Die Deutschen müssen mit einer Millionen Flüchtlingen umgehen, auch wenn sich das Land dadurch verändern wird - und auch auf die Gefahr hin, dass rechte Parteien daraus Profit schlagen wollen. Der allgemeine Konsens lautet jedoch: Das muss getan werden. Für die Zukunft Deutschlands bedeute die große Zahl an Flüchtlingen auch eine Chance.

Deutschland wird es schaffen, ist sich Cohen sicher. Was "Wir schaffen das nicht"-Amerika betrifft: Angst und Wahlkampf erzeugen ein explosives Gebräu.

Ute Wessels

Ute Wessels

E-Mail:info@merkur.de

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