+
Sieger im ersten Wahlgang: Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ kann Österreichs nächster Bundespräsident werden.

Große Analyse

Norbert Hofer: Dieser FPÖ-Mann kann Österreichs Präsident werden

München - Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ kann Österreichs nächster Bundespräsident werden. Das müssen Sie zum Wahlsieger vom Sonntag wissen.  

Update vom 4. Dezember 2016: Heute wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Wir berichten im Live-Ticker von der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Wir erklären, wann es die ersten Ergebnisse der Österreich-Wahl gibt. Und: Wir haben zusammengefasst, wie Sie die Berichte zur Österreich-Wahl heute live im TV und im Live-Stream sehen können.

Update vom 17. November 2016: Die erste Stichwahl wurde annulliert, der zweite Termin wurde verschoben, nun darf Österreich noch mal wählen: Am 4. Dezember 2016 findet im Alpenstaat die Bundespräsidentenwahl statt. Bevor es so weit ist, stellen wir Ihnen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer vor.

Update vom 27. Oktober 2016: Am 4. Dezember wird in Österreich die Bundespräsidenten-Stichwahl zwischen Alexander van der Bellen und Norbert Hofer wiederholt. Wir zeigen Ihnen aktuelle Umfragen und Prognosen zur Bundespräsidentenwahl 2016 in Österreich.

Update vom 21. Mai 2016: Am Sonntag wählt Österreich seinen Bundespräsidenten. Wir haben die Kandidaten Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander van der Bellen (Ex-Grüner) genauer angeschaut.

Die erste Runde der Bundespräsidentenwahl hat Österreich ein politisches Erbeben beschert: Nur jeweils 11,2% für die Kandidaten der Regierungsparteien haben SPÖ (mit Kanzler Werner Faymann) und ÖVP (mit Außenminister Sebastian Kurz) in Schockstarre versetzt. Dafür grenzenloser Jubel bei der rechtspopulistischen FPÖ, 36,4% holte deren Kandidat Norbert Hofer – völlig unerwartet und entgegen aller Voraussagen der Demoskopen. Der 45-Jährige ließ damit auch Umfrage-König Alexander Van der Bellen (Grüne, 20,4%), die unabhängige Ex-Richterin Irmgard Griss (18,5%) und Baulöwe Richard Lugner (2,4%) hinter sich – und gilt nun in der Stichwahl am 22. Mai gegen Van der Bellen als haushoher Favorit.

Wer ist der Mann, der vor ein paar Monaten auch für die meisten Österreicher noch ein völlig unbeschriebenes Blatt war? Die tz-Analyse nach der Österreich-Wahl:

Hart in der Sache, smart im Umgang: Norbert Hofer gilt als das „freundliche Gesicht“ der rechten FPÖ, blieb im Wahlkampf stets ruhig. ein scharfes Wort entfährt ihm – im Gegensatz zu seinen Parteichef Heinz-Christian Strache – nur selten. Aber in der Sache liegt er zu 100 Prozent auf Parteilinie. Und nicht nur das. Am als fremdenfeindlich geltenden Parteiprogramm schrieb er maßgeblich mit. Seinen Wahlkampf stellte er unter das Motto: „Österreich zuerst“ und mit Sätzen wie „Der Islam ist kein Teil von Österreich“ machte er Stimmung in der Flüchtlingsfrage. Selfies mit Asylbewerbern, wie es sie von Amtsinhaber Heinz Fischer gibt, lehnt er als falsches Signal ab. Hofer ist für mehr direkte Demokratie (und kündigte an, die Unterschrift unter das Freihandelsabkommen TTIP zu verweigern).Er ist europakritisch und gegen „eine EU als Schulden- und Haftungsunion“. Außer­dem sieht er sich bei der Bundespräsidentenwahl als einzigen Kandidaten, der „die Bevölkerung sowie ihre Kultur, Werte und Sicherheit gegen die neue Völkerwanderung“ verteidige. Als künftiger Oberbefehlshaber („Ich werde gewählt“) verspricht er auch, das Bundesheer zur Landesverteidigung zu stärken.

Kandidat der Arbeiter. Wie das Sozialforschungsinistut Sora ermittelte, gaben 72% der Arbeiter Hofer ihre Stimme, die SPÖ erreichte in dieser Wählergruppe nur noch 10%! Bei den Angestellten erreichte Hofer 37% und lag damit auch dort vorne

Als Bundespräsident könnte Norbert Hofer in Österreich die Regierung entlassen

Wie viel Macht hätte Hofer als Bundespräsident? Er könnte – ohne weitere Begründung – die gesamte Regierung entlassen. Das gab es noch nie. Bisher gilt auch in Österreich der Bundespräsident eher als moralische Instanz. Aber Hofer hat bereits angekündigt, dass er anders agieren will – und hat dabei die Mehrheit der Österreicher hinter sich. Denn 56% sind der Meinung, dass ein Bundespräsident die Regierung entlassen soll, wenn aus seiner Sicht nichts weitergeht! Auch die laufende Einmischung in die Innenpolitik durch den Staatschef halten 57 Prozent für in Ordnung. Übrigens: Auch Hofers Konkurrent Van der Bellen will sich als Präsident aktiv einmischen. der 72-Jährige wirbt u.a. damit, einen FPÖ-Kanzler selbst dann nicht mit der Regierungsbildung zu beauftragen, wenn dieser eine Mehrheit hinter sich hat. Das lehnen aber 80% der Bevölkerung ab. Sie sind der Meinung, ein Staatschef sollte jede Regierung akzeptieren und keine Tabus haben.

Wie schätzen Politik-Experten Hofers Erfolg ein? „Diese Wahl war mit Sicherheit ein Denkzettel“, sagte Prof. Dr. Ferdinand Karlhofer von der Universität Innsbruck dem Münchner Merkur. Es gebe aber auch eine Entfremdung von ÖVP und SPÖ, „die sich in der Großen Koalition ständig wechselseitig blockieren“. Karlhofer empfiehlt dem Ausland, die Politik der Rechtspopulisten zu ächten: „Das wäre mit Sicherheit das Effektivste gegen die FPÖ.“

Norbert Hofer gewinnt erste Runde der Bundespräsidenten-Wahl in Österreich: AfD fühlt sich beflügelt

Welche Reaktion löst Hofers Erfolg in Deutschland und Europa aus? Die Bundesregierung äußert sich nicht. „Innenpolitische Entwicklungen eines Nachbarstaates“ würden nicht kommentiert, hieß es aus Berlin. Die AfD fühlt sich beflügelt. „Unser politischer Verbündeter in Österreich hat damit ein weiteres deutliches Zeichen gesetzt, bravo“, erklärte Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg.

Norbert Hofer: Das ist der Lebenslauf des FPÖ-Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten: Eigentlich fühlte sich Norbert Hofer mit 45 noch zu jung für das Amt des Bundespräsidenten, aber dann ließ sich der Flugtechniker, der von 1991 bis 1994 bei Lauda Air Engineering arbeitete, doch noch zur Kandidatur überreden. Und startete voll durch. Auch in den sozialen Medien, über die Familienvater (zweite Ehe, 4 Kinder) seine Anhänger an seinem Privat­leben teilhaben lässt (z.B. „ „Kater Robi freut sich schon auf die Mäuse in der Hofburg“ – Amtssitz des Präsidenten). Hofer, geboren im Burgenland, ist seit 20 Jahren in der FPÖ und seit 2006 für die Partei im Nationalrat. Wichtig ist ihm der Einsatz für Behinderte. Auch, weil er nach einem Absturz 2003 beim Paragleiten und einer schweren Wirbelverletzung, selbst schon monatelang im Rollstuhl saß. Hofer ist Sportschütze, mag Waffen - und trägt sie auch gern: Es gebe leider auch verrückte Menschen …

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Waffenverkäufe gehen weltweit nur noch leicht zurück

Seit fünf Jahren macht die internationale Rüstungsindustrie weniger Umsatz. Doch es sind vor allem die amerikanischen Firmen, die weniger Waffen verkaufen. In Westeuropa …
Waffenverkäufe gehen weltweit nur noch leicht zurück

Verfassungsreform: Italien hat entschieden

Rom - Italien droht ein Sturz ins Ungewisse: Die Wähler haben der Verfassungsreform von Regierungschef Renzi Prognosen zufolge eine klare Absage erteilt. Dessen Zukunft …
Verfassungsreform: Italien hat entschieden

Ex-Grüner Van der Bellen siegt in Österreich deutlich

Wien - Lange sah es bei der Präsidentenwahl in Österreich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus - mit Vorteilen für den FPÖ-Kandidaten Hofer. Zuletzt hatte aber …
Ex-Grüner Van der Bellen siegt in Österreich deutlich

Das schreibt die deutschsprachige Presse über die Wahl

Wien/Berlin - Nach der Wahl in Österreich kommentieren Tageszeitungen in Deutschland und Österreich das Ergebnis. Hier lesen Sie eine Auswahl an Pressestimmen.
Das schreibt die deutschsprachige Presse über die Wahl

Kommentare