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Kim Jong Un lässt sich von Mitarbeitern des Militär bejubeln.

Nordkorea

Drohung mit der Atombombe: Wohin steuert Kim Jong Un?

Seoul - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist aus der Sicht Südkoreas unberechenbar. Jetzt droht er erneut mit Atomwaffen. Nur ein Bluff?

Das kommunistische Nordkorea verschärft nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen das Land deutlich den Ton. Machthaber Kim Jong Un ordnete an, die Atomwaffen des Landes bereit zum sofortigen Einsatz zu machen - auch zu einem Erstschlag. Das berichteten die Staatsmedien am Freitag. Die Drohung ist ein weiterer Eskalationsschritt in der angespannten Situation auf der koreanischen Halbinsel. Ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Südkorea nennt die Äußerungen Kims wenig hilfreich.

Ist durch Nordkoreas Atomwaffen-Drohung die Lage gefährlicher geworden?

Eine harte Reaktion Nordkoreas war nach der Verhängung neuer Sanktionen gegen das Land durch den UN-Sicherheitsrat als Antwort auf einen neuen nordkoreanischen Atomtest und einen umstritten Raketenstart erwartet worden. Das isolierte Regime in Pjöngjang verschärft regelmäßig die Tonlage, wenn die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zunehmen. Auch wäre es nicht das erste Mal, dass Nordkorea im Streit um sein Atomprogramm mit Angriffsdrohungen blufft, um Druck auszuüben. Experten bezweifeln, dass es Nordkorea auf einen neuen Krieg auf der koreanischen Halbinsel angelegt hat. Angesichts der Militärmacht der USA, die in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert haben und ihren Bündnispartner unter einen „nuklearen Schutzschild“ stellen, wäre eine Vernichtung des Regimes in Pjöngjang vorprogrammiert. Die Menschen in der Region befürchten allerdings, dass sich ein zufälliger militärischer Zwischenfall zu einem größeren Konflikt ausweiten könnte.

Was bezweckt Nordkorea mit der Drohung eines Atomwaffeneinsatzes?

Ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul vermutete, Kim könne mit der Atomwaffendrohung die Absicht verfolgen, angesichts der neuen Sanktionen die innere Einheit des Landes zu stärken. Auch macht Nordkorea mit solchen Drohgebärden deutlich, dass es sich dem internationalen Druck nicht beugen wird. Südkoreas Regierung sieht in dem Atomprogramm den Zweck, das Überleben des Regimes zu sichern. Nordkorea selbst begründet die Atomwaffenentwicklung mit einer angeblichen Bedrohung durch die USA.

Wie weit ist Nordkoreas Atomprogramm fortgeschritten?

Nordkorea hat bisher vier Atomtests unternommen. Experten bezweifeln aber, dass Nordkorea schon in der Lage ist, atomare Sprengköpfe bauen zu können, die auf Mittel- und Langstreckenraketen passen. Auch eine einsatzfähige Interkontinentalrakete hat Nordkorea bisher nicht getestet. Doch arbeitet Nordkorea an der Entwicklung eines solchen Trägermittels für Atomwaffen. Es sei schwierig, „angesichts fehlender Transparenz“ zu schätzen, wie viele Atomsprengköpfe Nordkorea habe, schrieb der Forschungsservice des US-Kongresses (Congressional Research Service) nach dem jüngsten Atomtest Nordkoreas im Januar. Einige Experte schätzen danach, dass Nordkorea bis 2020 mindestens 20 Sprengköpfe besitzen könnte. Am oberen Ende der Schätzung stünden gar 100 Sprengköpfe.

Wie unberechenbar ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un?

Kim Jong Un, der Anfang 30 sein soll, muss sich nach Ansicht von Beobachtern gegenüber dem einflussreichen Militär und der herrschenden Arbeiterpartei behaupten. Er will, dass die Welt sein Land als Atomwaffenstaat anerkennt. Doch selbst der traditionelle Verbündete China weigert sich, dies zu tun. Die Menschen in der Region sind daher unsicher, wie weit Kim gehen wird.

dpa

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