ARCHIV - HANDOUT - Das Handout des Bundeskriminalamtes (BKA) vom 08.05.2012 zeigt die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, aufgenommen im Jahr 2004. Foto: Bundeskriminalamt/dpa (Achtung Redaktionen: Nur zu redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung - zu dpa "NSU-Prozess: Fotos zeigen schießenden Böhnhardt und verletztes Opfer" vom 23.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
+
Ein altes Foto zeigt die Angeklagte im NSU-.Prozess Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt im Jahr 2004.

Waffe auf Opfer gerichtet

NSU-Prozess: Fotos zeigen schießenden Böhnhardt

München - Bei dem Überfall auf eine Zwickauer Sparkasse schoss der Täter - wahrscheinlich Uwe Böhnhardt - einem Azubi in den Bauch. Ein Nebenkläger wertet die Tat als versuchten Mord.

Ein Überfall auf eine Sparkassenfiliale im Oktober 2006 in Zwickau ist am Dienstag in den Mittelpunkt des Münchner NSU-Prozesses gerückt. Bei diesem Überfall hatte der Täter - mutmaßlich Uwe Böhnhardt - einem damals 20 Jahre alten Auszubildenden in den Bauch geschossen und ihn schwer verletzt. Auch für diese Tat muss sich Beate Zschäpe verantworten. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, dem vor allem die Serie von neun rassistisch motivierten Morden angelastet wird.

Zwei Ärzte, die an der Not-OP des Zwickauer Bankangestellten beteiligt waren, schilderten seine Verletzungen als gravierend. „Das war ein Bauchschuss mit Einschuss- und Ausschussöffnung“, sagte der Chirurg, der die Operation leitete. Die Kugel habe Milz und Bauchspeicheldrüse verletzt. Außerdem seien eine Arterie und eine Vene verletzt gewesen. Der Getroffene habe viel Blut verloren. Die Milz hätten sie nicht retten können und entfernt, sagte der Mediziner.

Der Münchner Rechtsmediziner Oliver Peschel bestätigte Aussagen der Ärzte, der junge Man habe nur dank der Operation überlebt. Der Verlust der Milz könne aber auch heute noch Krankheiten auslösen, die „zu vierzig bis fünfzig Prozent“ tödlich verliefen.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler wertete den Schuss auf den jungen Mann am Rande des Prozesses „als versuchten Mord“. In der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft heißt es dazu, Böhnhardt habe „dessen Tod billigend in Kauf“ genommen.

Das Opfer hatte bereits vergangene Woche als Zeuge ausgesagt. Der Täter habe ihn mit der Pistole bedroht und die sofortige Öffnung des Tresors verlangt. Er habe den Räuber angegriffen, als der ihm den Rücken zudrehte. Dann fiel der Schuss.

Ein Kripo-Ermittler zeigte am Dienstag Fotos einer Überwachungskamera, die das bestätigen. Darauf ist der Täter zu sehen, der mit einem Revolver auf den Azubi zielt. Weitere Bilder zeigen ein „Gerangel“, wie der Beamte sagte. Anschließend ist der junge Bankangestellte auf dem Boden zu sehen.

Für die Aufklärung dieses Überfalls hat sich das Gericht drei Prozesstage Zeit genommen und ihn damit detaillierter behandelt als die anderen Überfälle, die dem NSU zugeschrieben werden.

Am Mittwoch soll der Prozess weitergehen. Allerdings muss laut Strafprozessordnung bis Verhandlungsbeginn über den letzten Befangenheitsantrag entschieden werden, den Beate Zschäpe und ihr mutmaßlicher Helfer Ralf Wohlleben vergangene Woche gestellt hatten. Die beiden hatten kritisiert, dass das Gericht in einem Schriftsatz von einer „Straftat der angeklagten Personen“ gesprochen hatten. Damit habe das Gericht gezeigt, dass es nicht mehr unparteiisch sei.

dpa

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Camp von Idomeni: Evakuierung könnte bis zu 10 Tage dauern

Athen/Idomeni - Nach dem Beschluss der griechischen Behörden beginnt die Polizei in Idomeni, das Flüchtlingscamp zu räumen. Alle weiteren Infos und Entwicklungen in …
Camp von Idomeni: Evakuierung könnte bis zu 10 Tage dauern

US-Wahl 2016: Sanders beantragt Überprüfung der Vorwahl in Kentucky

Washington - Donald Trump hat sich auf einer NRA-Veranstaltung für das uneingeschränkte Recht auf Waffenbesitz eingesetzt. Waffenfreie Zonen will er abschaffen. Alle …
US-Wahl 2016: Sanders beantragt Überprüfung der Vorwahl in Kentucky

Parteivize Weber mahnt: CSU darf AfD nicht kopieren

München - Innerhalb der CSU bahnt sich eine Debatte über den Umgang mit der AfD an. Parteivize Manfred Weber mahnt ungewöhnlich deutlich ein Umdenken in seiner Partei an.
Parteivize Weber mahnt: CSU darf AfD nicht kopieren

Erdogan droht: Ohne Fortschritte bei Visa kein Flüchtlingsdeal

Istanbul - Ohne Fortschritte bei den Verhandlungen zur EU-Visumfreiheit will der türkische Staatspräsident das Abkommen zur Rücknahme von Flüchtlingen nicht in Kraft …
Erdogan droht: Ohne Fortschritte bei Visa kein Flüchtlingsdeal

Kommentare