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Am Mittwoch sagten im NSU-Prozess weitere Opfer des Kölner Nagelbombenanschlags aus.

"Könnte da wieder was passieren?"

Kölner NSU-Opfer: Wurden wie Verdächtige behandelt

München - Im Juni 2004 explodierte der Sprengsatz: Im NSU-Prozess haben am Mittwoch weitere Opfer des Kölner Nagelbombenanschlags von ihrem Schicksal berichtet.

Im Münchner NSU-Prozess haben Opfer des Kölner Nagelbombenanschlags vor Gericht Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Mehrere Zeugen beschwerten sich am Mittwoch, damals trotz ihrer teils schweren Verletzungen verdächtigt worden zu sein.

Die mit mehr als 700 Nägeln gefüllte Bombe war auf einem Fahrrad deponiert, das vor einem Friseursalon in der Kölner Keupstraße abgestellt war. 22 Menschen wurden bei dem Anschlag im Juni 2004 verletzt, viele von ihnen leiden bis heute unter den Folgen.

Am Dienstag hatten erstmals Opfer des Nagelbombenanschlags vor Gericht ausgesagt. Der Anschlag in der von türkischen Migranten geprägten Straße wird - neben zehn Morden - dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ angelastet.

Der Friseur Hasan Yildirim, der Bruder des Kölner Ladeninhabers, sagte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht, es seien „enorme Anschuldigungen“ gegen seine Familie erhoben worden. Die Vernehmungen seien so geführt worden, als hätten sie selbst die Bombe gelegt, um an irgendwelche Versicherungsleistungen zu kommen. Zudem hätten die Ermittler versucht, die Familienmitglieder „gegeneinander auszuspielen“.

Außerdem berichtete Yildirim, er habe den Täter wenige Minuten vor der Explosion gesehen. „Etwa eine Sekunde haben wir uns gegenseitig angeblickt.“ Der Mann habe das Fahrrad draußen angelehnt und sich kurz nach unten gebeugt, als wolle er es anschließen. Er habe ihn später auch der Polizei beschrieben und dabei mitgeteilt, der verdächtige Mann habe eine Baseballkappe auf dem Kopf gehabt, blonde Koteletten getragen und sei etwa 1,80 Meter groß gewesen. Mit dieser Beschreibung sei der Beamte aber nicht einverstanden gewesen. „Der Polizist hat gesagt, kann er nicht ein bisschen dunkel gewesen sein?“

Auch andere Zeugen berichteten über schlechte Erfahrungen mit der Polizei. Er sei „wie ein Beschuldigter“ behandelt worden, sagte einer von ihnen. Die Beamten hätten wissen wollen, was er über die Rotlicht- und Drogenszene oder über die kurdische Terrororganisation PKK wisse.

Die ersten Minuten nach der Bombenexplosion beschrieben die Zeugen als völlig chaotisch. Mehrere von ihnen sagten, sie hätten zunächst gar nicht bemerkt, dass sie verletzt waren. Einer erinnerte sich, er sei erst später auf dem Bürgersteig von Passanten angesprochen worden. Sie hätten ihm bedeutet, dass er blute und in seinem Hinterkopf ein Nagel stecke. Er habe sie aber nicht hören können, weil sein Gehör nach der Explosion nicht funktionierte.

Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen die Bombe deponiert haben. Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des NSU-Trios, steht als Mittäterin vor Gericht.

dpa

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