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Die Angeklagte Beate Zschäpe am Mittwoch im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München.

NSU-Prozess

Zschäpe berichtet über Prügel von Böhnhardt

München - Zum dritten Mal hat Beate Zschäpe im NSU-Prozess eine Aussage verlesen lassen. Erneut beteuert die Hauptangeklagte, nichts von den Verbrechen gewusst zu haben. Dafür beschreibt sie Gewalt und Gespräche über Selbstmord.

Wenn Beate Zschäpe ihr Zimmer betreten wollte, dann gab es nur einen Weg für sie: Durch die Küche. Zu sehen ist das auf einem Lageplan der Fluchtwohnung des mutmaßlichen NSU-Terrortrios in Zwickau, den Zschäpe selber anfertigte und am Mittwoch mit ihrer inzwischen dritten schriftlichen Aussage dem Oberlandesgericht München präsentierte. Jeder der drei hatte demnach sein eigenes Zimmer, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt je mit Tür zum Flur.

Die Skizze passt zu Zschäpes bisherigen Einlassungen. Erneut präsentiert sie sich in dem Mammutprozess als diejenige, die zu Hause für Ordnung sorgte, aber angeblich nie wusste, wohin die beiden Männer fuhren und was sie unterwegs taten. Als sie im vergangenen Dezember ihr Schweigen brach, schilderte sie, sie sei schockiert gewesen, als die beiden Uwes ihr erstmals die Morde beichteten.

Zschäpe will nichts von "Töten von Menschen" gewusst haben

Jetzt geht sie auf ein Detail ein, das dem Gericht offenbar sehr wichtig ist - das „Paulchen-Panther“-Bekennervideo. Erst am Vortag hatte ein BKA-Ermittler ausgesagt, dass die Arbeit an diesem Machwerk etwa um das Jahr 2001 begonnen haben muss. Das schließe er aus der Auswertung von Computerdateien.

Zschäpe sagt dazu jetzt, sie habe im Jahr 2001 „Gesprächen der beiden entnommen, dass Uwe Mundlos eine DVD über die Raubüberfälle erstellen“ wolle. Mehr habe sie nie erfahren. Erst Jahre später, „als sie mich darauf ansprachen, dass ich nach ihrem Tod die DVDs versenden solle“, habe sie vermutet, dass es in dem Film auch um „das Töten von Menschen“ gehen könne. Gesehen habe sie das Video aber nie. Mundlos und Böhnhardt hätten es ihr auch nie gezeigt.

Das Bekennervideo gilt als wichtiges Indiz. Es wird auch am Donnerstag eine Rolle in dem Prozess spielen, wenn es um die Frage geht, wer Szenen, die dafür verwendet wurden, am Fernseher aufzeichnete. Eine BKA-Ermittlerin hat die Frage aufgeworfen, ob Zschäpe dafür infrage komme.

Zschäpe will Distanz zu Mundlos und Böhnhardt aufzeigen

Zschäpe schildert am Mittwoch Begebenheiten, die Distanz zu Mundlos und Böhnhardt zeigen sollen. Böhnhardt sei immer wieder gewalttätig ihr gegenüber geworden, vor allem, wenn ihm „verbal die Argumente ausgingen“, lässt Zschäpe mitteilen. Mit Mundlos habe sie zwar reden können, sie habe aber ganz anders gedacht als er. Bei einer Radtour im Frühling 2008 habe er sie etwa gefragt, ob sie sich „mit dem Gedanken anfreunden könne“, sich „im Fall einer Entdeckung umzubringen“. Sie habe geantwortet, sie könne sich nie und nimmer erschießen. Es gebe andere Möglichkeiten, habe Mundlos erwidert und „Kohlenmonoxid“ vorgeschlagen. Habe sie auch nicht gewollt, dann doch lieber Gefängnis, aber „das konnte er nicht verstehen“.

Sie habe sich nach Harmonie und Familie gesehnt. Das hat sie bei allen ihrer drei bisherigen Aussagen immer wieder betont, auch am Mittwoch. Sie erzählt von der Freundschaft zu André E. und seiner Familie. E. ist im NSU-Prozess einer der Mitangeklagten. Sie habe ihn 2001, bereits im Untergrund lebend, kennengelernt. Zunächst habe man sich nur selten gesehen, aber als E. und seine Frau ihr zweites Kind bekamen, sei vor allem die Frau fast wöchentlich mit den Kindern zu Besuch gekommen. Das, so Zschäpe, habe ihr gut getan, „weil ich ja keine eigenen Kinder bekommen konnte.“

dpa

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