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Die Angeklagte Beate Zschäpe.

Anträge verhindern Aussage

NSU-Prozess: Zschäpe-Aussage verschoben

München - Beate Zschäpe will auspacken. Dafür vorgesehen war eigentlich dieser Mittwoch. Vorerst aber kommt es nicht dazu: Wegen Anträgen wird der NSU-Prozess unterbrochen.

Der Rummel um ihre Person scheint ihr zu gefallen. Mit einem Lachen erscheint Beate Zschäpe am Dienstag im Gerichtssaal des NSU-Prozesses. Sie trägt ein großkariertes Holzfällerhemd, das sie lässig aus der Hose hängen lässt. Die Zuschauerempore ist gepackt voll. Die Nachricht, Zschäpe könne endlich ihr Schweigen brechen, lockt die Neugierigen. Dabei war ihre Aussage erst für Mittwoch angekündigt. Und am Vormittag weiß auch noch niemand, was am Ende dieses Verhandlungstages stehen wird: Der Prozess wird bis kommenden Dienstag unterbrochen. Wann Zschäpe aussagen wird, ist am Abend, nach stundenlangem juristischem Hickhack, plötzlich wieder völlig offen.

Am Morgen aber hat Zschäpe noch allerbeste Laune. Sie grinst, als sie sich auf ihren Stuhl setzt. Sie plaudert angeregt mit ihrem 31-jährigen Verteidiger Mathias Grasel, unablässig grinsend. Und das Grinsen weicht auch nicht, als der Vorsitzende Richter Manfred Götzl die Verhandlung eröffnet. Erst als einer ihrer drei ungeliebten Alt-Verteidiger, Wolfgang Heer, ums Wort kämpft, da schaut sie ernst.

Was Heer sagt, ist kaum zu verstehen. Sein Mikrofon bleibt abgeschaltet. Richter Götzl übertönt ihn: „Ich erteile Ihnen das Wort nicht.“ Er wolle zuerst eine Information bekanntgeben. Heer lässt sich nicht stoppen: „Ich beanstande, dass Sie mir nicht das Wort erteilen.“ Götzl erwidert: „Ja, so isses.“ Es folgt eine Debatte über juristische Finessen. Bundesanwalt Herbert Diemer nennt Heers Beharren „lächerlich“. Es folgt die erste Unterbrechung der Sitzung.

Dann kann Götzl endlich loslegen. Beate Zschäpe plane eine Aussage, sagt er - es ist die endgültige Bestätigung für die letzten Zweifler. Jetzt ist es auch aus dem Mund von Richter Götzl zu hören. Schon die Ankündigung ist eine Sensation. Es könnte nicht die letzte sein. Niemand weiß bisher konkret, was Zschäpe auspacken will. Abenteuerliche Gerüchte kursieren. Es soll um die zehn Morde gehen, die dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ vorgeworfen werden. Um Hintergründe, Helfer, womöglich Verstrickungen mit Geheimdiensten.

Als Götzl fertig ist, bekommt auch Anwalt Heer endlich das Wort. Er beantragt, inzwischen zum zweiten Mal, das Gericht möge ihn und seine Kollegen Wolfgang Stahl und Anja Sturm aus der Zschäpe-Verteidigung entlassen. Dass das Gericht ihn, Stahl und Sturm nicht gehen lasse, diene „erkennbar nur der Aufrechterhaltung des Scheins einer ordnungsgemäßen Verteidigung“. Heer wirft dem Gericht vor, es habe hinter seinem Rücken mit Anwalt Grasel und dessen Kanzleiprimus Hermann Borchert gekungelt. Seine Kollegin Anja Sturm verschärft den Vorwurf noch und spricht von einem geheimen „In-Camera-Verfahren“.

Es folgen weitere Debatten. Opferanwalt Mehmet Daimagüler fragt, ob Zschäpe denn nur eine Erklärung verlesen lassen wolle oder ob sie auch Fragen beantworte. Grasel antwortet: „Es werden Fragen des Senats beantwortet. Fragen der Nebenklage werden nicht beantwortet.“ Ob Zschäpe selber antwortet oder er dies übernimmt, sagt er nicht.

Dann weitere Verzögerungen: Der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben beantragt die Ablehnung des kompletten Senats wegen des „Verdachts der Befangenheit“. Seine Verteidigerin Nicole Schneiders sagt, Grasel habe ihr schon im September vertraulich erzählt, Zschäpe wolle reden. Er habe überdies gesagt, Heer, Stahl und Sturm wüssten nichts davon - und sie möge das unbedingt für sich behalten.

Bundesanwaltschaft und Nebenkläger zeigen sich von alldem völlig unbeeindruckt. Ob Zschäpe nicht mehr mit Heer, Stahl und Sturm rede, ob Anwalt Grasel anderen Anwälten etwas erzähle oder auch nicht - damit habe Richter Götzl nichts zu tun. Der sei schließlich kein „Kommunikationsmittler“ zwischen den zerstrittenen Zschäpe-Anwälten.

Tatsächlich sieht es nicht danach aus, dass irgendjemand Zschäpes Aussage noch verhindern kann. Und Zschäpe scheint wild entschlossen, zu reden. Das deutete sie zuletzt im Sommer in einem Schreiben an das Gericht an, als sie sich von Heer, Stahl und Sturm trennen wollte.

Nur wann sie Gelegenheit bekommen wird, auszupacken - das bleibt am Dienstagabend unklar. Nach langem Hin und Her und vielen, teils mehrstündigen Pausen unterbricht Götzl das Verfahren bis kommenden Dienstag. Nachdem sie jahrelang beharrlich geschwiegen hatte, wird Zschäpe also nun zum Schweigen gezwungen - wenn auch nur für einige Tage.

Beate Zschäpe: Antwortet sie selbst auf Nachfragen?

dpa

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