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Ulrich Lobinger.

Merkur-Kommentar

Vorher und nachher: Heuer wird alles anders auf der Wiesn

München - Allen Beteuerungen der Stadt zum Trotz wird das neue Sicherheitskonzept den Charakter der Wiesn verändern, findet unser Autor Ulrich Lobinger.

Das Jahr 2016 markiert eine Zäsur in der seit 1810 währenden Geschichte des Oktoberfestes. Allen Beteuerungen der Stadt zum Trotz wird das neue Sicherheitskonzept den Charakter der Wiesn verändern. Ein umzäuntes Festgelände, Einlasskontrollen, Metalldetektoren, ein Großaufgebot von Ordnern und Polizei – das weltweit einzigartige Wiesn-Gefühl, dem selbst Champagner-Exzesse und Plastik-Dirndl nichts anhaben konnten, wird ein anderes sein. Es gibt jetzt ein Vorher und Nachher.

Im Nachhinein gesehen ist es fast ein kleines Wunder, dass München sich von der seit Jahren grassierenden Angst vor Terror nicht anstecken und das Volksfest offen und verletzlich ließ. Seit dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum war klar, dass die Politik reagieren würde. Ob das neue Sicherheitskonzept ein Attentat wie am OEZ verhindern könnte? Wohl kaum, denn die Kontrollen werden stichprobenartig durchgeführt. Und um eine Pistole oder einen Sprengsatz mit aufs Festgelände zu schmuggeln, braucht man keine Tasche. Es geht vielmehr um die gefühlte Sicherheit der Gäste, nicht die tatsächliche. Ein Wiesn-Besuch ist statistisch sicherer als eine Autofahrt an den Gardasee. Am mulmigen Gefühl, das viele Münchner zuletzt in Zusammenhang mit der Wiesn beschlichen hat, ändert das aber nichts.

Es gibt keine konkreten Anschlagsdrohungen gegen das Oktoberfest. Ein Weiter-so wäre dem Großteil der Bevölkerung aber nicht vermittelbar gewesen. Viele Menschen wären wohl einfach daheim geblieben – sofern sie es nicht sowieso tun. Das nun beschlossene Konzept ist deshalb folgerichtig – auch wenn es nur eine Schein-Sicherheit bietet. Die Wiesn, sie ist angekommen im Zeitalter des Terrors.

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