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Eine zerstörte Brücke bei Donezk.

Angst vor Offensive

Donezk: Hunderte Tote, Tausende fliehen

Donezk - Aus Angst vor einer Offensive der ukrainischen Armee gegen pro-russische Separatisten sind tausende Menschen am Wochenende aus den noch verbliebenen Rebellenhochburgen im Osten des Landes geflohen.

Nach Angaben des selbsternannten Regierungschefs der Rebellen, Alexander Borodaj, haben mehr als 70.000 Einwohner bereits die Stadt Donezk verlassen. Hoffnungen auf ein Treffen der Präsidenten der Ukraine und Russlands, Petro Poroschenko und Wladimir Putin, zerschlugen sich.

In Donezk wurden unterdessen die Einwohner immer wieder durch Kampfflugzeuge und Artilleriefeuer vor der Stadt in Angst und Schrecken versetzt. "Ich habe hier mehr als 40 Jahre lang gelebt, und es fällt mir schwer, die Stadt zu verlassen", sagte etwa eine Frau, die eine Fahrkarte für einen Zug in Richtung Russland ergattern konnte. Es gebe aber "keine andere Lösung".

Poroschenko droht mit Vergeltung

Die ukrainische Armee versucht seit der Einnahme der Rebellenhochburg Slawjansk am Samstag vergangener Woche, auch die strategisch bedeutsamen Großstädte Donezk und Lugansk einzukesseln und die Aufständischen von dort zu vertreiben. Nach dem Tod von insgesamt 30 Soldaten drohte Poroschenko den Rebellen mit Vergeltung. Nach Angaben eines Sprechers des nationalen Sicherheitsrats wurden bei Luftangriffen drei Basen der Separatisten zerstört. Die Armee sprach von fast hundert getöteten Rebellen. Weder die Angaben Kiews noch der Rebellen lassen sich von unabhängiger Seite überprüfen.

Vize-Präsident Joe Biden sprach in einem Telefonat mit Poroschenko sein Beileid für den Tod der Soldaten aus. Gleichzeitig sagte Biden nach Angaben des Weißen Hauses seine Unterstützung für Bemühungen um einen Waffenstillstand mit den Rebellen zu. Der US-Vizepräsident kündigte weiteren Druck auf Moskau an, sollte es seine Unterstützung für die Rebellen nicht einstellen.

EU-Sanktionen verschärft

Die Europäische Union weitete ihre Sanktionen auf elf weitere pro-russische Rebellen aus, darunter Rebellenchef Borodaj und den selbsternannten Regierungschef der sogenannten Volksrepublik Lugansk, Marat Baschirow. Gegen sie wurden Einreiseverbote verhängt, ihre Konten wurden gesperrt. Von den EU-Sanktionen betroffen sind damit nun insgesamt 72 Russen und Ukrainer.

Hoffnungen auf ein baldige Lösung des Konflikts gab es am Wochenende kaum. Pereschenkos Stabschef Juri Luzenko erteilte möglichen Gesprächen mit der Führung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk eine Absage. Sie seien nur "Marionetten des Kreml" - der einzige, der etwas zu sagen habe, sei Putin selbst, sagte Luzenko.

Poroschenko reist nicht nach Brasilien

Aber selbst die vage Aussicht, Putin und Petroschenko könnten sich am Sonntag am Rande des WM-Finales in Brasilien treffen, zerschlug sich nach kurzer Zeit wieder. Wegen der Lage in seinem Land sagte der ukrainische Staatschef in der Nacht zum Sonntag eine offizielle Einladung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff zum Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien in Rio de Janeiro ab.

Der Ton zwischen Moskau und Kiew verschärfte sich nach neuen Zwischenfällen an der gemeinsamen Grenze weiter. Das russische Außenministerium machte die ukrainische Armee für den Beschuss eines Wagens mit russischen Grenzsoldaten in der Nähe der ukrainischen Grenze verantwortlich. Sollten sich derartige "Provokationen" wiederholen, werde Russland alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz seines Staatsgebietes und der Sicherheit seiner Bürger ergreifen, warnte das Ministerium.

Das ukrainische Außenministerium protestierte seinerseits gegen einen - nach seiner Überzeugung russischen - Angriff auf den ukrainischen Grenzposten Maryniwka. Ein ukrainischer Sprecher äußerte den Verdacht, russische Truppen könnten versuchen, einen Korridor für Nachschub in der Grenzregion einzurichten.

AFP

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