Palästinenserpräsident Abbas spricht bei den Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag des Todes von Palästinenserführer Arafat. Foto: Atef Safadi
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Palästinenserpräsident Abbas spricht bei den Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag des Todes von Palästinenserführer Arafat. Foto: Atef Safadi

Abbas wirft Israel "Religionskrieg" vor

Tel Aviv/Ramallah/Hebron (dpa) - Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Israel beschuldigt, den Nahen Osten in einen zerstörerischen Religionskrieg zu stürzen.

Bei einer Rede zum zehnten Todestag von Palästinenserführer Jassir Arafat in Ramallah forderte Abbas Israel dazu auf, seine "Siedler und Extremisten von der Al-Aksa-Moschee (und dem Tempelberg) fernzuhalten". Der inhaftierte Fatah-Führer Marwan Barguti rief dazu auf, Israel mit Gewalt zu bekämpfen. "Die Option des Widerstandes bleibt der kürzeste Weg um die Besatzung zu besiegen", schrieb der seit 2002 wegen Beteiligung an der Ermordung von fünf Israelis inhaftierte Barguti in einem offenen Brief.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf Abbas vor, die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern vorsätzlich anzuheizen. Abbas sei kein Partner im Kampf gegen den Terror, sagte Netanjahu. "Anstatt die Unruhen zu beschwichtigen, befeuert er sie." Auch erziehe er die Palästinenser nicht zum Frieden, sondern zum Terrorismus.

Netanjahu kündigte eine Reihe von Schritten an, um die Ausschreitungen in Israel und dem Westjordanland zu stoppen. Dazu gehöre eine Verstärkung der Sicherheitskräfte, die Zerstörung der Häuser von Angreifern und harte Maßnahmen gegen jene, die Brandflaschen oder Steine werfen.

Nach tödlichen Unruhen und zwei Messer-Angriffen sind Israels Sicherheitskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Im Westjordanland kam es zu neuen Zusammenstößen, bei denen ein 21-jähriger Palästinenser getötet wurde.

In Ramallah nahmen am Dienstag Tausende Menschen an Gedenkmärschen für Arafat teil, der am 11. November 2004 gestorben war. Mit gelben Flaggen seiner Fatah-Partei und begleitet von Trommelwirbel marschierten sie zu seinem Grab. Über die genaue Todesursache Arafats, der als Symbolfigur des palästinensischen Strebens nach eigener Staatlichkeit galt, wurde jahrelang spekuliert. Nach der Entnahme von Gewebsproben aus seiner Grabstätte wiesen französische und russische Experten im vergangenen Jahr eine Giftmord-These zurück. Sie widersprachen damit einem Gutachten aus der Schweiz.

Abbas legte an Arafats Grab einen Kranz nieder. In seiner anschließenden Rede kritisierte er auch die radikal-islamische Hamas scharf, die zusammen mit der Fatah eine Einheitsregierung bildet. "Jeden Tag äußern sie (Hamas) sich gegen uns, genau wie die Israelis. Sie sagen dieselben Worte. Sie benutzen dieselbe Rhetorik". Auch fünf Monate nach der Bildung der Einheitsregierung dauern die Spannungen zwischen den beiden größten Palästinenserorganisationen an.

Im Al-Arub-Flüchtlingslager nördlich von Hebron lieferten sich am Dienstag Palästinenser neue Konfrontationen mit der israelischen Armee. Eine Militärsprecherin sagte, rund 200 Palästinenser hätten nahe dem Al-Arub-Flüchtlingslager randaliert. Als ein Palästinenser mit einer "improvisierte Waffe" auf die Soldaten gezielt hätte, hätten diese das Feuer eröffnet. Palästinensische Medien berichteten, der 21-Jährige, der in die Brust getroffen wurde, sei anschließend im Krankenhaus verstorben.

Israel erlebt derzeit eine Eskalation der Gewalt. Erst am Montag hatten zwei Männer in zwei getrennten Vorfällen in Tel Aviv einen 20 Jahre alten israelischen Soldaten und im südlichen Westjordanland eine 26 Jahre alte Siedlerin erstochen. In der Nacht hatte Netanjahu angeordnet, die Häuser der Attentäter zerstören zu lassen. Die USA und die Europäische Union verurteilten die tödlichen Messerattacken gegen die beiden Israelis am Montag.

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