Die umstrittenen Aussagen waren kein Thema, harmonisch begegneten sich der Papst und der türkische Staatspräsident, schüttelten sich unter großem Applaus die Hand, hörten einander aufmerksam zu. Foto: Alessandro Di Meo
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Die umstrittenen Aussagen waren kein Thema, harmonisch begegneten sich der Papst und der türkische Staatspräsident, schüttelten sich unter großem Applaus die Hand, hörten einander aufmerksam zu. Foto: Alessandro Di Meo
Der neue Prunk-Palast des türkischen Präsidenten interessierte Franziskus kaum. Kein Wort zu Bescheidenheit und Armut. Foto: Tolga Bozoglu
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Der neue Prunk-Palast des türkischen Präsidenten interessierte Franziskus kaum. Kein Wort zu Bescheidenheit und Armut. Foto: Tolga Bozoglu
Der türkische Präsident wirft dem Westen vor, es nur auf die Reichtümer der Muslime abgesehen zu haben. Foto: Sedat Suna/Archiv
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Der türkische Präsident wirft dem Westen vor, es nur auf die Reichtümer der Muslime abgesehen zu haben. Foto: Sedat Suna/Archiv
Nach Ansicht Erdogans wird der Türkei-Besuch des Papstes das Ansehen des Islams im Westen positiv beeinflussen. Foto: President Press Office
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Nach Ansicht Erdogans wird der Türkei-Besuch des Papstes das Ansehen des Islams im Westen positiv beeinflussen. Foto: President Press Office
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Ehefrau Emine bei einem Berlin-Besuch. Foto: Rainer Jensen/Archiv
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Ehefrau Emine bei einem Berlin-Besuch. Foto: Rainer Jensen/Archiv
Der Papst würdigte die Türkei als "natürliche Brücke zwischen zwei Kontinenten". Foto: Tolga Bozoglu
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Der Papst würdigte die Türkei als "natürliche Brücke zwischen zwei Kontinenten". Foto: Tolga Bozoglu
Ankunft in Ankara: Recep Tayyip Erdogan empfängt Papst Franziskus. Foto: Alessandro Di Meo
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Ankunft in Ankara: Recep Tayyip Erdogan empfängt Papst Franziskus. Foto: Alessandro Di Meo

Papst-Appell für Glaubensfreiheit nach Erdogan-Brandrede

Ankara (dpa) - Unbeeindruckt von der Brandrede des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen den Westen hat Papst Franziskus in Ankara zu Meinungs- und Glaubensfreiheit aufgerufen.

"Die Religions- und die Meinungsfreiheit, die allen effektiv garantiert ist, regt das Aufblühen der Freundschaft an und ist ein Zeichen des Friedens", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei seinem Zusammentreffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Freitag in Ankara.

Wenige Stunden vor Beginn des Papst-Besuches hatte Erdogan mit scharfen verbalen Attacken gegen den Westen Irritationen ausgelöst. Die Fremden hätten es nur auf die Reichtümer der Muslime abgesehen, sagte Erdogan in Istanbul.

"Die, die von außen kommen, mögen Öl, Gold, Diamanten, billige Arbeitskräfte sowie Gewalt und Streit", sagte der Präsident. "Sie scheinen vordergründig unsere Freunde zu sein, aber freuen sich über unseren Tod und über den Tod unserer Kinder."

Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt wurde der für seine Bescheidenheit bekannte Franziskus in dem "Ak Saray" ("Weißer Palast") genannten Anwesen Erdogans in Ankara empfangen. Der riesige Komplex soll rund 1000 Zimmer, Bunker und Schutzräume umfassen und 500 Millionen Dollar (400 Millionen Euro) gekostet haben.

Der Papst bezeichnete die Religionsfreiheit als "grundlegend". Es sei wichtig, "dass die muslimischen, jüdischen und christlichen Bürger - sowohl in den gesetzlichen Bestimmungen, wie auch in ihrer tatsächlichen Durchführung - die gleichen Rechte genießen und die gleichen Pflichten übernehmen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei seinem Zusammentreffen mit Erdogan und Davutoglu.

Neben der großen islamischen Mehrheit leben nur knapp 100 000 Christen in der Türkei. Christen und andere Minderheiten können ihre Religion zwar grundsätzlich ausüben, sie leiden aber unter Einschränkungen, wie auch der aktuelle EU-Fortschrittsbericht bemängelt. So darf etwa die orthodoxe Kirche keine Priester in der Türkei ausbilden.

Nach Ansicht Erdogans wird der Türkei-Besuch des Papstes das Ansehen des Islams im Westen positiv beeinflussen. "Ihr Besuch wird eine bedeutende Spur in der islamischen Welt hinterlassen und er wird auch die Meinung über den Islam in der christlichen Welt verändern", sagte Erdogan.

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die weite Teile Syriens und des Iraks beherrscht, rief der Argentinier zu gemeinsamen Anstrengungen auf. "Es ist erforderlich, dem Fanatismus und dem Fundamentalismus (...) die Solidarität aller Glaubenden entgegenzusetzen", sagte Franziskus. "Neben der dringend notwendigen Unterstützung und humanitären Hilfe können wir auch den Gründen dieser Tragödie nicht gleichgültig gegenüberstehen." Für dauerhaften Frieden sei ein "starker gemeinsamer Einsatz" nötig.

Franziskus forderte zudem die "stärkste Verurteilung" religiös gerechtfertigter Gewalt. Religiöse Führer hätten die "Pflicht, Verletzungen der Menschenwürde und der Menschenrechte öffentlich anzuklagen", sagte er nach dem Treffen mit Mehmet Görmez, dem Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet, zum Abschluss des ersten Tages seiner Reise.

Der Papst dankte der Türkei für die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen und betonte die Schlüsselrolle des Landes in dem Konflikt. "Die Türkei hat durch ihre Geschichte, aufgrund ihrer geografischen Lage und wegen ihrer Bedeutung in der Region eine große Verantwortung", erklärte er. Gleichzeitig betonte der Papst, die internationale Gemeinschaft habe die moralische Verpflichtung, die Türkei bei der Aufnahme der Flüchtlinge zu unterstützen.

Erdogan hatte am Donnerstag bei einer Konferenz der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) die Länder der Region zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Wir müssen viel stärker zur internationalen Politik beitragen. Wir steuern schon viel zur Weltwirtschaft bei", konstatierte Erdogan laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Zugleich forderte er erneut eine Reform der Vereinten Nationen. Im UN-Sicherheitsrat drehe sich alles um die fünf ständigen Mitglieder. Die UN dürfe nicht vergessen, dass die Welt viel größer sei.

Erdogan war zuletzt mit Kommentaren zur angeblich untergeordneten Rolle der Frauen und mit der Behauptung aufgefallen, muslimische Seefahrer hätten vor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt.

Am Samstag reist der 77-jährige Pontifex weiter nach Istanbul, wo allein 7000 Polizisten zu seiner Sicherheit im Einsatz sein sollen. Anlass des Besuchs des katholischen Kirchenoberhaupts ist die Feier des orthodoxen Andreasfests mit Patriarch Bartholomäus am Sonntag.

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