Papst Franziskus
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Papst Franziskus sprach im Europaparlament in Straßburg.

Kritik an Wegwerf-Kultur

Papst fordert Solidarität mit Flüchtlingen

Straßburg - Papst Franziskus hat die Europäer an ihre Grundwerte erinnert und mehr Menschlichkeit angemahnt. Der Heilige Vater spart nicht mit deutlicher Kritik an Egoismus und Konsumdenken.

Papst Franziskus hat bei einem Besuch des Europaparlaments eine gemeinsame Politik Europas für die Rettung von Flüchtlingen angemahnt. „Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird“, sagte Franziskus am Dienstag in Straßburg vor den Parlamentariern aus den 28 EU-Ländern. Bisher fehle jedoch eine gegenseitige Hilfe innerhalb der EU, um den Flüchtlingsansturm zu bewältigen.

„Auf den Kähnen, die täglich an den europäischen Küsten landen, sind Männer und Frauen, die Aufnahme und Hilfe brauchen“, betonte Franziskus. Er verband mit diesem Appell eine Rückbesinnung auf die Würde des Menschen. Diese Würde werde durch viele Missstände wie Sklaverei, kriegerische Konflikte und Arbeitslosigkeit verletzt, sagte der Papst vor den Parlamentariern.

Kritik an Wegwerf-Kultur

Die EU müsse sich für die Achtung der Menschenrechte einsetzen und solidarisch mit den Schwachen in der Gesellschaft sein, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Viele Menschen in Europa seien einsam, etwa Alte, Arme, Jugendliche ohne Zukunftschancen oder auch Einwanderer. Diese Einsamkeit sei durch die Wirtschaftskrise noch verschärft worden.

Die politische Debatte werde heute von technischen und wirtschaftliche Fragen beherrscht, kritisierte der 77-Jährige. Dadurch sei der Mensch in Gefahr, zu einem "bloßen Räderwerk in einem Mechanismus herabgewürdigt zu werden". Er werde wie ein Konsumgut behandelt, das "ohne viel Bedenken" ausgesondert werde, wenn es diesem Mechanismus nicht mehr zweckdienlich sei. Betroffen seien etwa Kranke im Endstadium, alte Menschen oder Kinder, die vor der Geburt getötet würden, betonte Franziskus. Diese Tendenz sei das Ergebnis der "Wegwerf-Kultur und des hemmungslosen Konsumismus". Es sei an der Zeit, ein Europa aufzubauen, das sich nicht nur um die Wirtschaft drehe, forderte der Papst.

Die Zukunft Europas hänge davon ab, den humanistischen Geist wiederzuentdecken, den es doch so liebe, sagte der Argentinier. Europa müsse wieder die "Heiligkeit der menschlichen Person" in den Mittelpunkt stellen, wenn es nicht seine "Seele verlieren" wolle. Heute biete sich oft der Blick eines "gealterten und erdrückten Europas", das von seinen Bürgern "nüchtern, misstrauisch und manchmal sogar argwöhnisch" betrachtet werde.

Mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit in der EU rief der Papst zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auf. Notwendig seien "neue Methoden", welche die Flexibilität des Marktes mit Sicherheit der Arbeitsplätze verbänden.

Mahner für den Frieden

Bei seiner anschließenden Rede vor den 47 Mitgliedsländern des Europarates stellte der Papst die Wahrung des Friedens in den Mittelpunkt. „Der Frieden ist ein Gut, das fortwährend errungen werden muss und das größte Wachsamkeit erfordert“, sagte er im Plenarsaal der Staatenorganisation.

Zugleich äußerte sich Franziskus besorgt über anhaltende Spannungen in Europa. Der alte Kontinent habe unter verheerenden Kriegen gelitten und sehne sich nach Frieden; dennoch verfalle er "leicht den Versuchungen von einst", warnte der Papst. "Europa ist selbst nicht frei von Konflikten“, mahnte der 77-Jährige, ohne einen bestimmten Konflikt namentlich zu nennen. Bedroht werde der Friede derzeit auch durch den "religiösen und internationalen Terrorismus", der eine tiefe Verachtung für das menschliche Leben hege, sagte der Papst weiter. Die Spannungen hörten nicht auf, weshalb gerade die Suche des Europarates nach politischen Krisenlösungen wichtig und ermutigend sei.

Rückbesinnung auf den Glauben

Der Papst forderte den Kontinent vor allem auch dazu auf, sich wieder mehr als Vorreiter in der Welt zu engagieren: „Es ist der Moment gekommen, den Gedanken eines verängstigten und in sich selbst verkrümmten Europas fallen zu lassen.“ „Ein Europa, das seine religiösen Wurzeln nutzen kann, kann leichter immun sein gegen die vielen Extremismen, die sich in der heutigen Welt verbreiten“, warb der Argentinier für eine Rückbesinnung auf den Glauben und seine gesellschaftliche Bedeutung. Die Abgeordneten im Plenarsaal reagierten auf die Rede des Papstes mit langanhaltendem Beifall.

Die Kurzvisite in den europäischen Institutionen war der erste Besuch des Papstes in einem EU-Land außerhalb Italiens. Zuletzt hatte mit Johannes Paul II. vor 26 Jahre ein Papst Straßburg besucht, ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer. Ein Frankreich-Besuch von Papst Franziskus ist für 2015 geplant.

dpa/Afp

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