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Die beiden ziehen an einem Strang - gegen die Republikaner: Papst Franziskus und US-Präsident Barack Obama.

Klimaschutz, Einwanderung, Kapitalismuskritik

Papst überrascht mit politischer Rede im Weißen Haus

Washington - Erstmals steht Papst Franziskus neben Präsident Barack Obama im Weißen Haus, Zehntausende verfolgen den Festakt und jubeln. Doch die Botschaft der beiden ist eine ernste.

Militärkapellen in blitzenden Paradeuniformen, mehr als 11.000 jubelnde Menschen bei strahlendem Sonnenschein, donnernde Salutschüsse: Der pompöse Empfang für Papst Franziskus im Garten des Weißen Hauses produzierte genau die Bilder, die sich Barack Obama erhofft haben mag. Auch die Worte des Oberhaupts der katholischen Kirche dürften dem US-Präsidenten am Mittwoch gefallen haben. Franziskus wurde seinem Ruf als politischer Papst gerecht und lobte ausdrücklich Obamas Einsatz für den Klimaschutz. Für die Republikaner könnte der erste Besuch des Papsts in den USA ungemütlich werden.

"Herr Präsident, ich finde es ermutigend, dass Sie eine Initiative zur Verringerung der Luftverschmutzung vorschlagen", sagte Franziskus. Der Klimawandel sei ein Problem, "das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf". Obama erwiderte: "Sie erinnern uns daran, dass wir eine heilige Pflicht haben, unseren Planeten zu schützen - Gottes prächtiges Geschenk an uns."

Der aus Argentinien stammende Franziskus nahm sich auch die Einwanderungspolitik vor. Bei den Republikanern dominiert die Haltung, illegale Migranten abzuschieben. Obamas Pläne, Einwanderern ohne gültige Papiere einen Weg in die Legalität zu eröffnen, stoßen auf heftigen Widerstand. Der Milliardär Donald Trump begeistert im republikanischen Vorwahlkampf dagegen mit der Idee, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. "Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, das großenteils von solchen Familien aufgebaut wurde", sagte Franziskus.

Seine Kapitalismuskritik versteckte der Papst zwischen den Zeilen und beklagte, dass Millionen von Menschen "unter einem System leben, das ihnen keine Beachtung schenkt". Auch die Annäherung an Kuba - ein weiteres rotes Tuch für die Republikaner - kam auf dem South Lawn des Weißen Hauses zur Sprache. Der Vatikan hatte eine wichtige Vermittlerrolle bei den Verhandlungen zwischen Washington und Havanna gespielt. Obama dankte dem Papst für die "unschätzbare Unterstützung für unseren Neubeginn mit dem kubanischen Volk".

Weitere unbequeme Botschaften drohen den Republikanern am Donnerstag, wenn Franziskus als erster Papst eine Rede vor dem Kongress hält. Der republikanische Abgeordnete Paul Gosar aus Arizona kündigte im Vorfeld an, der Ansprache fernzubleiben - obwohl er katholisch ist. Der Papst verhalte sich "wie ein linker Politiker", empörte sich der Parlamentarier.

Andere Republikaner beklagen derweil, dass die Äußerungen des Papsts einseitig dargestellt würden. Der Senator und Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz sagte im Fernsehsender Fox News, dass Obamas Demokraten sich nur Franziskus' Meinung zu Klimawandel oder Einwanderung herauspickten. Genauso spreche sich das Kirchenoberhaupt aber gegen Abtreibung und die Homoehe aus.

Vor der Präsidentschaftswahl des Jahres 2012 hatten mehrere katholische Bischöfe in den USA wegen genau dieser konservativen Anliegen zur Wahl von Obamas republikanischem Herausforderer Mitt Romney aufgerufen. Papst Franziskus hielt sich bei diesen Themen am Mittwoch bedeckt, erwähnte aber seine Teilnahme am Weltfamilientreffen der katholischen Kirche am Wochenende in Philadelphia. Dort wolle er die "Institutionen von Ehe und Familie" in "einem kritischen Moment in der Geschichte unserer Kultur" würdigen und stützen.

Franziskus, der sich durch Reformen in der katholischen Kirche und sein bescheidenes Auftreten viele Sympathien erwarb, genießt auch in den USA ein hohes Ansehen. Einer aktuellen Umfrage zufolge haben 70 Prozent der US-Bürger ein positives Bild vom Papst. Bei der Fahrt des Kirchenoberhaupts im Papamobil durch die Innenstadt von Washington säumten jubelnde Menschenmassen die Straßen. "Ich glaube, die Aufregung rund um Ihren Besuch muss nicht nur Ihrer Rolle als Papst, sondern auch Ihren einzigartigen Qualitäten als Mensch zugeschrieben werden", befand Obama.

Papst und Obama rufen zum Kampf gegen Klimawandel auf

afp

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