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Peter Scholl-Latour ist tot.

Trauer um gestorbenen Journalisten

"Scholl-Latour bereicherte unsere Sicht auf die Welt"

Rhöndorf am Rhein - Seine Neugier auf die Welt und seine Fähigkeit, Erlebtes zu erzählen, machten Peter Scholl-Latour zu einem der bekanntesten deutschen Journalisten. Am Samstag ist er mit 90 Jahren gestorben.

Abschied von einem großen Kriegs- und Krisenreporter: Als einen wichtigen Erklärer des Weltgeschehens haben zahlreiche Persönlichkeiten den Journalisten und Buchautor Peter Scholl-Latour gewürdigt. Im Alter von 90 Jahren war Scholl-Latour nach schwerer Krankheit am Samstag in Rhöndorf bei Bonn gestorben. Viele seiner mehr als 30 Bücher erzählen von Krisen, Konflikten und Kriegen. Fast alle wurden Bestseller wie etwa „Der Tod im Reisfeld“, das den Vietnamkrieg zum Thema hatte. Mit seinen Schriften und Fernsehberichten prägte er für viele in Deutschland das Bild der arabischen Welt, Asiens und Afrikas.

Deutschland verliere „einen der letzten großen journalistischen Welterklärer“, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Mit seinem jahrzehntelangen journalistischen Schaffen habe er zum Verständnis anderer Kulturen und damit zur Völkerverständigung beigetragen. ZDF-Intendant Thomas Bellut würdigte ihn als furchtlosen Reporter: „Und er hat in zahlreichen Büchern und Filmen uns allen die Welt so erklärt, wie es kein anderer konnte - auf seine ganz eigene Art.“ WDR-Intendant Tom Buhrow erklärte: „Mit seinen Erfahrungen, Erlebnissen und Einschätzungen bereicherte Peter Scholl-Latour unsere Arbeit und unsere Sicht auf die Welt.“

Gregor Gysi, Vorsitzender der Bundestagsfraktion Die Linke, nannte Scholl-Latour „eine sehr eigenständige, sehr eigenwillige und herausragende Persönlichkeit“. Der stellvertretende CSU-Chef Peter Gauweiler bezeichnete Scholl-Latour laut einer Mitteilung als „großen Publizisten und klarsichtigen Volksaufklärer“. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte: „Er verkörperte mit seiner Vita die deutsch-französische Freundschaft und hat nie vergessen, wo seine Wurzeln liegen.“

Als Sohn eines im Saarland geborenen und in Lothringen aufgewachsenen Arztes und einer elsässischen Mutter, die als Jüdin nur knapp der Deportation entkam, kam Scholl-Latour am 9. März 1924 in Bochum auf die Welt. Er ging auf ein Jesuitenkolleg im schweizerischen Fribourg. Als er sich 1945 Titos Partisanenarmee anschließen wollte, geriet er kurz in Gestapo-Haft. Nach Kriegsende meldete er sich bei einer französischen Fallschirmspringereinheit und kämpfte in Indochina.

Anlässlich seines 90. Geburtstages gab Peter Scholl-Latour dem Münchner Merkur noch ein großes Interview.

Nach einem Jahr als saarländischer Regierungssprecher entschied Scholl-Latour sich 1956 für den Journalismus. Er bereiste Afrika und Südostasien, war drei Jahre lang Afrika-Korrespondent der ARD und gründete 1963 das ARD-Studio Paris. Von 1969 an war er bis 1971 WDR-Fernsehdirektor und Programmdirektor. 1971 wechselte er zum ZDF. Nach der Affäre um die Hitler-Tagebücher beim „stern“ übernahm er 1983 die Aufgaben des Chefredakteurs und Herausgebers des Magazins, gab diese jedoch nach einem Jahr wieder auf.

Danach war Scholl-Latour hauptsächlich als freier Autor tätig. Seine Reiseziele und Reportagethemen waren die Krisenherde der Welt. Bis ins hohe Alter unternahm er Reisen in den Nahen Osten und nach Afrika, um sich ein eigenes Bild von den jüngsten Entwicklungen dort zu machen. Scholl-Latour war zum zweiten Mal verheiratet und hinterlässt einen Sohn aus erster Ehe.

dpa

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