Abu Sayyaf will verhandeln

Philippinen: Nervenkrieg um deutsche Geisel

Manila - Auf den Philippinen hat die Terrorgruppe Abu Sayyaf ihr Drohszenario verschärft und ihre deutsche Geisel nach eigenen Angaben bereits in sein Grab gesetzt.

Kurz vor Ablauf ihres Ultimatums hat sich die philippinische Terrorgruppe Abu Sayyaf zu Verhandlungen über die Freilassung ihrer beiden deutschen Geiseln bereiterklärt. Gleichzeitig inszenierten die Islamisten ein makabres Schauspiel zur angedrohten Ermordung des von ihnen verschleppten deutschen Arztes.

Der Entführte berichtete dem Rundfunksender DXRZ in der Stadt Zamboanga in einem Telefoninterview, seine Geiselnehmer hätten bereits ein Grab für ihn ausgehoben, sollten die vier Millionen Euro Lösegeld nicht bezahlt werden. Die Extremisten hätten ihn in ein drei Meter tiefes Loch im Dschungel der Insel Jolo gestoßen, wo er nun rund um die Uhr ausharren müsse. „Sie haben mir gesagt, dass dies mein Grab ist“, sagte der 74-Jährige. Zudem verbreitete die Gruppe am Mittwoch im Internet Bilder, die den Mann in einer Erdsenke vor einer schwarzen Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zeigten.

Abu Sayyaf hat sich zum Verbündeten des IS erklärt und fordert von Deutschland, die Unterstützung im Kampf gegen die Radikalislamisten zu beenden. Sie verlangen zudem, dass die Philippinen die rund 100 Soldaten abziehen, welche nach Jolo entsandt wurden, um die Gruppe zu umstellen.

Mit der Wiederholung ihrer Drohung, die Geisel bei Ablauf der Frist am 17. Oktober zu enthaupten, erklärte ein Sprecher von Abu Sayyaf dem Sender, dass die Organisation bereit sei, mit dem philippinischen Außenminister zu verhandeln. Einen anderen Gesprächspartner der Regierung akzeptierten sie nicht.

Die Terroristen lassen Rundfunkinterviews mit ihren Geiseln zu, die zuvor schon auf den Philippinen ausgestrahlt wurden. Das deutsche Paar war im April beim Segeln westlich der Philippinen entführt worden. Der Arzt berichtete, er werde seit Montag von seiner 55-jährigen Lebensgefährtin getrennt festgehalten. Es wird angenommen, dass sich noch zehn andere Geiseln in der Hand von Abu Sayyaf befinden, darunter zwei Vogelbeobachter aus den Niederlanden und der Schweiz sowie zwei Malaysier.

dpa

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