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Die Flaggen vor dem Europa-Parlament hängen auf Halbmast.

Schweigeminute in Brüssel

Politiker weltweit verurteilen Terror-Anschlag

Brüssel - Das Europaparlament und die Europäische Kommission haben in einer Schweigeminute am Donnerstag der Opfer zu gedacht. Putin, Netanjahu und andere Staatschefs zeigten sich tief betroffen.

Auf Initiative von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) versammelten sich gegen 10.45 Uhr Abgeordnete und Mitarbeiter vor dem Europaparlament versammeln, um „Solidarität mit den Bürgern Frankreichs zu zeigen“, wie das Parlament mitteilte. Die EU-Kommission setzte in allen Gebäuden für 12.00 Uhr eine Schweigeminute an. Vor den Gebäuden beider Einrichtungen in Brüssel hingen die Fahnen am Donnerstag auf Halbmast.

Russland: Gemeinsamer Kampf gegen Terrorismus

Kremlchef Wladimir Putin betonte seine Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. „Kein Land der Welt kann alleine effektiv gegen den Terrorismus kämpfen“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow Agenturen zufolge.

Wegen der umstrittenen Einverleibung der Halbinsel Krim und seiner Unterstützung für moskautreue Separatisten im Bürgerkriegsgebiet Ostukraine ist Russland seit Monaten international isoliert. Mit dem Aufruf zum vereinten Kampf gegen den Terror könnte die Führung in Moskau versuchen, die Isolation zu durchbrechen, meinen Beobachter.

„Die Tragödie in Paris zeigt, dass nicht Russland Europa und seine Sicherheit bedroht. Die wahre Gefahr geht von den Agenten des Terrors aus“, kommentierte der bekannte russische Außenpolitiker Alexej Puschkow am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Auf Französisch fügte er mit Blick auf islamistisch motivierte Anschläge hinzu: „Die Terrorattacken in Frankreich und Russland haben dieselbe Ursache. Ein Grund mehr, zusammenzuarbeiten und nicht in Konflikt zu stehen.“

Vor allem im russischen Nordkaukasus kommt es immer wieder zu Anschlägen radikaler Islamisten.

Afghanistan und Pakistan verurteilen Terroranschlag

„Es gibt keine Rechtfertigung für diese brutale Tat“, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Das pakistanische Außenministerium teilte mit: „Pakistan verurteilt Terrorismus in all seinen Formen.“

In den beiden streng islamischen Ländern Afghanistan und Pakistan war es nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ im Herbst 2005 zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten gekommen. 2008 waren bei einem Bombenanschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad mindestens sechs Menschen getötet worden.

Netanjahu fordert „weltweite Reaktion“ gegen radikale Islamisten

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem Anschlag in Paris zu einer „weltweiten Reaktion“ gegen radikale Islamisten aufgerufen.

„Mit Entschlossenheit und Einigkeit können wir diese Bedrohung unserer gemeinsamen Zivilisation besiegen“, sagte Netanjahu am Donnerstag bei einem Treffen mit dem norwegischen Außenminister Børge Brende.

Der Anschlag in Paris zeige die Verachtung des radikalen Islam für die Werte des Westens. „Wir würdigen Freiheit und Toleranz, sie verehren Tyrannei und Terror“, sagte er. „Israel wird von denselben Kräften angegriffen, die Europa angreifen. Israel steht Europa bei. Europa muss Israel beistehen.“

Briten verschärfen die Grenzkontrollen

Großbritannien hat nach dem Anschlag die Kontrollen an den Grenzübergängen verschärft. Es würden mehr Autos und Lastwagen durchsucht, die über den Ärmelkanal wollten, sagte eine Regierungssprecherin am Donnerstag. Am Pariser Terminal des Eurostar-Zugs, der unter dem Kanal hindurch nach Großbritannien fährt, seien die Sicherheitsleute nun deutlicher sichtbar. Es handele sich aber lediglich um Vorsichtsmaßnahmen, betonte die Sprecherin. Im August hat Großbritannien erstmals seit 2011 seine Terrorwarnstufe auf die zweithöchste Warnstufe „ernsthaft“ angehoben.

Italien will schärfere Anti-Terrorgesetze

Die italienische Regierung bereitet nach dem Anschlag schärfere Anti-Terrorgesetze vor. So solle Terrorverdächtigen, die das Land verlassen möchten, der Pass entzogen werden können, sagte Innenminister Angelino Alfano am Donnerstag in einem TV-Interview. Auch sollte die Polizei mehr Rechte bekommen, Webseiten zu blockieren, die Terroristen für Propaganda nutzten.

Laut Alfano würden die Behörden 53 mutmaßliche ausländische Terrorkämpfer beobachten, die sich in Italien aufhielten oder durch Italien gereist seien. „Niemand kann ausschließen, dass tragische Ereignisse auch in Italien passieren, aber wir tun alles, um das zu verhindern.“ Die Sicherheitsmaßnahmen an einigen Flughäfen, Botschaften und Medienredaktionen sollten verschärft werden.

Der Minister hatte bereits im September härtere Gesetze angekündigt, nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gedroht hatte, Rom und den Vatikan anzugreifen.

AFP/dpa

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