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Theo Waigel, Andreas Scheuer und Horst Seehofer.

Shitstorm nach Provokation

Scheuer-Aussage: Waigel distanziert sich, Seehofer verteidigt

München - Über CSU-Generalsekretär Scheuer bricht derzeit wegen einer provokanten Aussage ein Shitstorm herein. Besonders aus Kirchenkreisen gibt es Kritik. Die Parteispitze verteidigt Scheuer nun - und Theo Waigel distanziert sich.

"Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre in Deutschland – als Wirtschaftsflüchtling – den kriegen wir nie wieder los." Mit dieser Aussage provozierte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer vergangene Woche im Regensburger PresseClub einen gewaltigen Shitstorm. Jetzt will er das Ganze im Nachhinein als "bewusste Zustimmung" verstanden wissen, wie er mit einem Facebook-Post beweist. Er wolle auf öffentliche Widerstände gegen die Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern hinweisen, so Scheuer. Doch das will ihm jetzt keiner mehr abnehmen.

Hunderte kritische Kommentare sammelten sich unter Scheuers Post, in dem er seine Äußerung relativieren wollte. "So langsam frage ich mich als CSU-Mitglied, ob das C in unserem Parteinamen Ihnen noch bekannt ist", schreibt ein User. Andere bezeichnen Scheuers Schlichtungsversuch als "peinlich" und "untragbar". Scheuer solle sich öffentlich entschuldigen, finden viele Nutzer, einige fordern sogar seinen Rücktritt. Der Generalsekretär selbst will davon nichts hören. "Es ist alles gesagt", ließ er am Montag über seinen Pressesprecher ausrichten - und schwieg weiter zu den Vorwürfen.

Seehofer bezeichnet Scheuers Ausrutscher als Missverständnis

Nun liegt es offenbar an Scheuers Parteikollegen, seinen Fauxpas wieder glatt zu bügeln: Noch am Montag sprang ihm Parteichef Horst Seehofer zur Seite: Scheuer habe weder Kirchen, noch Sportvereine, noch Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit angreifen wollen, sagte Seehofer am Rande der Klausur der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz. Er bezeichnete das Ganze als Missverständnis.

„Manchmal sagt man einen flotten Spruch, der nicht ganz so gemeint ist. Da muss ich ihn jetzt in Schutz nehmen", findet der neu gewählte Kelheimer Landrat, Martin Neumeyer. Er gab seinem Parteikollegen sogar teilweise Recht: Der Senegal sei ein sicheres Herkunftsland, somit gebe es auch kein Bleiberecht. Jedoch könne er sich auch in die Flüchtlingshelfer hineinversetzen, sagte Neumeyer: Die Asylverfahren dauerten viel zu lange, es würden tiefe soziale Bindungen entstehen.

Waigel zu Scheuer: Jedem kann so etwas herausrutschen. Aber ...

Doch obwohl nun Rückendeckung von ganz oben kommt: Scheuer hat bundesweit vor allem in Kirchenkreisen für große Empörung gesorgt, die wohl nicht so schnell abklingen wird. Der frühere CSU-Chef Theo Waigel mahnte deshalb am Sonntag zu einer Versachlichung der Diskussion. Jedem könne mal so etwas herausrutschen, verteidigte auch er seinen Parteikollegen. Allerdings stellte er gegenüber der Augsburger Allgemeinen auch klar, dass die Partei Obacht geben müsse, "dass wir, wenn wir konservative Wähler wollen, nicht die kirchlichen Wähler verprellen."

sb

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