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Das Trio ist wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes angeklagt. Foto: Julian Stratenschulte

Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: Angeklagte gestehen

Warum haben junge Menschen in Salzhemmendorf mit einem selbst gebastelten Molotowcocktail einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim verübt? Aus Langeweile? Aus Dummheit? Ausländerfeindlich jedenfalls seien sie nicht, beteuern sie. Ihre einzige Erklärung: Alkohol.

Hannover (dpa) - Drei junge Menschen haben den Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im niedersächsischen Salzhemmendorf im vergangenen Sommer gestanden. Vor der Tat tranken sie große Mengen Alkohol und hörten Rechtsrock, wie sie beim Prozessauftakt im Landgericht Hannover berichteten.

Ein 31-Jähriger räumte ein, eine Brandflasche in die Wohnung einer Mutter und ihrer drei kleinen Kinder aus Simbabwe geworfen zu haben. Ein 25-jähriger Kumpel gestand, ihm beim Basteln des Brandsatzes in der heimischen Garage geholfen zu haben - sie benutzen eine leere Weinbrandflasche, Holzspäne und Benzin. Eine 24 Jahre alte Ex-Freundin, als einzige nüchtern, chauffierte das Trio mitten in der Nacht zum Tatort.

Der sogenannte Molotowcocktail landete unter dem Bett eines elfjährigen Jungen, der in dieser Nacht ausnahmeweise bei seiner Mutter im Nachbarzimmer schlief - nur deswegen wurde bei dem Anschlag niemand verletzt. Die Tat in der kleinen Gemeinde bei Hameln hatte im vergangenen Sommer bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Hauptauslöser sei Alkohol gewesen, erklärten die drei Angeklagten zum Prozessauftakt. Alle baten für die Tat um Entschuldigung und betonten, sie bereuten den Anschlag zutiefst. Sie seien aber nicht grundsätzlich fremdenfeindlich, betonten sie in getrennten Erklärungen, die ihre Verteidiger verlasen.

Das Trio muss sich unter anderem wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes verantworten. Staatsanwältin Katharina Sprave warf ihnen eine Tat auf "unterster sittlicher Stufe" vor.

Der 31-Jährige wurde von den beiden anderen als Haupttäter beschrieben. Er sagte, er könne sich nur noch an Bruchstücke aus der Nacht erinnern. "Ohne eine derart erhebliche Alkoholisierung hätte ich niemals eine solche Tat begehen können." Ihm sei damals nicht bewusst gewesen, dass die Wohnung bewohnt gewesen sei. "Ich sehe mich nicht als rechtsextrem an und auch nicht als rassistisch", ließ er seinen Verteidiger verlesen. Sein bester Freund komme aus Armenien.

Der 25-Jährige beschrieb sich als klassischen Mitläufer. "Ich bin mir sicher, dass ich mich nüchtern nie an der Tat beteiligt hätte", ließ er in seiner Erklärung verlesen. Der 25-Jährige war auch Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort.

Die junge Frau, die die beiden Männer zum Tatort fuhr, beschrieb sich vor allem als passive und unpolitische alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder. Sie habe erst nicht gewusst, was ein Molotowcocktail sei, sagte sie. "Ich habe bis zuletzt nicht gelaubt, dass er Ernst machen würde", hieß es in ihrer Erklärung über den 31-Jährigen. Sie habe aber den Jüngeren, mit dem sie kurz liiert war, nicht im Stich lassen wollen.

Die Opfer leiden noch immer unter den Folgen der Tat, das wurde bei der Aussage der 34 Jahre alten Frau aus Simbabwe deutlich. Ihre Kinder hätten Angst und würden sich seitdem nicht mehr trauen, allein zu schlafen, sagte die Frau. Auch spielten sie nicht mehr draußen vor dem Haus. Sie selbst sei in Therapie und leide unter Schlaflosigkeit. Beim Anblick der Fotos vom Tatort schossen ihr die Tränen in die Augen.

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