Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke)
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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Unerwartete Unterstützung für Weise

Ramelow sieht Rente mit 70 "nicht als Quatsch"

Berlin - Arbeiten bis 70? Der Vorschlag von Bundesagentur-Chef Weise ruft teils empörte Reaktionen hervor. Nun bekommt er Unterstützung - von unerwarteter Seite.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich offen für die Idee einer Rente mit 70 auf freiwilliger Basis gezeigt - und stellt sich damit gegen die Bundesparteispitze. „Ich sehe diesen Vorschlag nicht als Quatsch an“, sagte Ramelow der „Thüringischen Landeszeitung“ (Samstag). Fachwissen und Lebenserfahrung sollten den Unternehmen nicht verloren gehen. „Es muss aber eine Win-Win-Situation für beide Seiten sein.“ Ein solches System müsse „einen entsprechenden Anreiz bieten und darf nicht auf Druck aufgebaut sein“, sagte Ramelow weiter. „Arbeitnehmern, die das Rentenalter erreicht haben, aber weiter arbeiten wollen, kann beispielsweise die Einkommensteuer erlassen werden.“

Die Debatte angestoßen hatte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise. Angesichts des Fachkräftebedarfs plädierte er dafür, eine Beschäftigung über das gesetzliche Rentenalter hinaus attraktiver zu machen, und sagte der Zeitung „Die Welt“: „Flexible Ausstiege aus dem Erwerbsleben in Rente sind grundsätzlich ein gutes Modell.“

Linksparteichef Bernd Riexinger hatte den Vorschlag am Freitag als „abenteuerlich und völlig verfehlt“ bezeichnet. Die zweite Vorsitzende Katja Kipping sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag), die Vorschläge „gehen in die völlig falsche Richtung“.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte den Vorstoß. Von den 60- bis 65-Jährigen sei nach wie vor nur ein Drittel sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der „Neuen Westfälischen“ (Samstag). In den Ohren derjenigen, die es nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter schafften, müsse es „wie Hohn klingen, wenn wieder einmal über die Freiheit des längeren Arbeitens philosophiert wird“.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, sagte hingegen der hannoverschen „Neuen Presse“ (Samstag), flexible Übergänge in die Rente seien „mehr als überfällig“. „Sowohl ein früherer als auch ein späterer Renteneinstieg sollten möglich sein.“ Sie fügte aber hinzu: „Ob die 70 in diesem Zusammenhang allerdings die magische Zahl sein muss - da bin ich skeptisch.“

Nach Zahlen der Bundesagentur gingen Ende Juni 2014 knapp 173 000 Ältere zwischen 65 und 74 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. In der Altersgruppe von 65 bis 69 waren es zum selben Zeitpunkt 130 000.

dpa

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