+
Die Ausgaben fürs Krankengeld klettern von Jahr zu Jahr. Foto: Andreas Gebert/Archiv/Symbolbild

Rekord beim Krankengeld: Ausgaben kontinuierlich gestiegen

Die Ausgaben fürs Krankengeld klettern von Jahr zu Jahr. Sind die Menschen einfach immer öfter nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit noch nachzugehen? Das ist nur eine Erklärung.

Berlin (dpa) - Depressionen und Rückenschmerzen haben die Krankengeldausgaben im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch von 10,6 Milliarden Euro getrieben.

Aber auch die gestiegene Beschäftigung, die höheren Löhne und mehr Lebensarbeitszeit führten zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Krankengeld-Ausgaben in den vergangenen rund zehn Jahren. Das zeigt vorgestelltes Gutachten des Sachverständigenrats für das Gesundheitswesen.

Krankengeld bekommen Versicherte von der Krankenkassen, wenn sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Bis zu sechs Wochen erhalten sie weiter Lohn vom Arbeitgeber.

Wegen der ständigen Steigerungen der Krankengeld-Ausgaben hatte Gesundheitsministerin Hermann Gröhe (CDU) das Gutachten 2014 bei den Regierungsexperten in Auftrag gegeben. Die Experten errechneten, dass die Kosten seit 2006 im Schnitt um 8,1 Prozent pro Jahr stiegen. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wuchs dabei um jährlich gut 3, die Zahl der betroffenen Versicherten um 2 Prozent. Zunehmendes Alter und eine gestiegene Krankheitslast zählten zu den Hauptursachen.

Hier spielen vor allem Depressionen und ähnliche Diagnosen die größte Rolle. Bei den Frauen standen drei entsprechende Störungen 2014 an der Spitze der Verursacher von Krankengeldausgaben mit zusammen rund 45 Prozent, gefolgt von Rückenschmerzen mit knapp 10 Prozent. Bei den Männern verursachte allein die "depressive Episode" rund 17 Prozent der Kosten für Krankengeld, gefolgt von Rückenleiden mit knapp 12 Prozent.

Um die Ausgaben besser in den Griff zu bekommen und den Versicherten mehr Flexibilität zu geben, schlugen die Experten ein Teil-Krankengeld vor. Patienten sollten zum Beispiel zu 50 Prozent arbeiten gehen können und dafür Lohn erhalten. Die andere Hälfte des Einkommens solle von der Krankenkasse kommen. Gröhe sagte, nun werde diskutiert, welche der mehreren Reformvorschläge der Experten möglicherweise umgesetzt werden.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Burkini-Verbote: Spannungen in französischer Regierung

Der Streit um Ganzkörper-Badeanzüge für Musliminnen erfasst jetzt auch die Regierung in Paris. Am Freitag soll das oberste Verwaltungsgericht entscheiden.
Burkini-Verbote: Spannungen in französischer Regierung

US-Vize rechnet mit Schließung von Guantánamo bis Januar

Stockholm (dpa) - US-Vizepräsident Joe Biden rechnet mit einer Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba bis zum Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack …
US-Vize rechnet mit Schließung von Guantánamo bis Januar

Türkische Syrien-Offensive: Kurden ziehen sich zurück

Istanbul - Die türkische Bodenoffensive in Syrien zeigt Wirkung. Die Kurden müssen weichen, auch weil sie von ihrem Verbündeten USA gewarnt worden waren. Ankara will …
Türkische Syrien-Offensive: Kurden ziehen sich zurück

Bundesländer schicken Tausende Lehrer in Arbeitslosigkeit

Lehrermangel macht den Schulen zum Start des neuen Schuljahrs vielerorts zu schaffen. Doch zugleich wurden Lehrer zuletzt oft im Sommer in die Arbeitslosigkeit geschickt …
Bundesländer schicken Tausende Lehrer in Arbeitslosigkeit

Kommentare