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Wegen einer möglichen Anschlagsdrohung ist vergangenen Freitag ein mutmaßlicher Islamist festgenommen worden.

"Riesiger Unsicherheitsfaktor"

Terrorgefahr für Bayern-Spiel: Polizei will Überprüfung aller Flüchtlinge

München/Mutterstadt - Nach der Festnahme eines Terrorverdächtigen in NRW hat die Polizeigewerkschaft eine genaue Überprüfung aller Flüchtlinge gefordert.

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat in der Pfalz einen mutmaßlichen Islamisten festgenommen. Der 24 Jahre alte Asylbewerber sei bereits am vergangenen Freitag in Mutterstadt aufgegriffen worden, teilte das Innenministerium in Düsseldorf am Dienstag mit. Zuvor hatte ein Zeuge in Nordrhein-Westfalen Hinweise auf eine mögliche Planung für einen islamistisch-motivierten Anschlag gegeben. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei gebe es jedoch keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohungslage.

Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl gegen den Mann beantragt. Der Verdächtige ist nach Angaben des Ministeriums derzeit in Untersuchungshaft. "Die Festnahme zeigt, dass die Sicherheitsbehörden im Kampf gegen den islamistischen Terror gut und erfolgreich zusammenarbeiten", betonte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). "Wir nehmen jeden Hinweis ernst und ermitteln konsequent."

Möglicherweise IS-Anhänger

Der Mann sei bei einer Überprüfung von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei aufgegriffen worden, teilte das Innenministerium Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mit. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um einen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat handele. Bei dem Hinweis, der die Festnahme auslöste, soll es einen Zusammenhang mit dem Start der 2. Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende gegeben haben.

Der Tipp kam aus einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen. Laut Bild sei auch eine Drohung im Zusammenhang mit dem Fußball-Bundesliga-Start am 26. August beim Spiel FC Bayern München gegen Werder Bremen Hintergrund der Festnahme. Das Innenministerium in Mainz teilte mit, es lägen "Hinweise vor, dass für den Saisonbeginn der Fußball-Bundesliga etwas geplant wurde".

An dem Einsatz in Mutterstadt war das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz beteiligt. Innenminister Roger Lewentz (SPD) teilte mit: "Es ist ein reibungsloser Ablauf zwischen den Polizeikräften aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gewesen."

Verdächtiger wohl als Flüchtling nach Deutschland gekommen

Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die Haftbefehl gegen den Syrer erlassen hatte, wollte sich nicht zu den Einzelheiten äußern. Nach Informationen des Südwestrundfunks soll der Verdächtige Anfang 2016 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und in Nordrhein-Westfalen untergebracht worden sein.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme in Mutterstadt sei der Mann dort nur zu Besuch gewesen. Auf seinem Handy und auf seinem Computer hätten die Ermittler zahlreiche Fotos gefunden, die das Kampfgeschehen in Syrien zeigen. Unklar sei, ob er sie aus dem Internet heruntergeladen oder selbst gemacht habe.

Polizeigewerkschaft fordert Überprüfung aller Flüchtlinge

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, hat nach der Festnahme eines unter Terrorverdacht stehenden jungen Syrers in Rheinland-Pfalz genaue Überprüfungen aller Flüchtlinge gefordert. "Wenn man nicht weiß, wo hunderttausende Menschen herkommen und mit welcher Absicht sie bei uns sind, dann ist das ein riesiger Unsicherheitsfaktor", sagte Wendt am Mittwoch im Südwestrundfunk. "Der muss beseitigt werden", fügte er hinzu.

Staatsanwaltschaft führt Verfahren gegen mutmaßlichen Islamisten

Der im rheinland-pfälzischen Mutterstadt festgenommene mutmaßliche Islamist steht weiter unter Verdacht. „Ich bestätige Ihnen gerne, dass wir ein Verfahren gegen den Mann führen und dass er festgenommen worden ist“, sagte ein Sprecher der federführenden Staatsanwaltschaft Duisburg am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Informationen könne er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht geben.

Am Mittwochmorgen wurden von der Polizei in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens Razzien durchgeführt. Dabei ist ein weiterer Terrorverdächtiger in einem Flüchtlingsheim in Dinslaken festgenommen worden.

dpa/AFP

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