Russischer Importstopp

EU-Kommission kündigt Hilfe für Bauern an

Brüssel - Als die EU Wirtschaftssanktionen verhängte, schlug Moskau zurück: mit einem Importverbot für Lebensmittel. Darunter leiden die europäischen Bauern. Nun will Brüssel handeln.

Die EU stellt sich auf Moskaus Importbeschränkungen für Lebensmittel ein: Bei einem Sondertreffen Anfang September sollen die europäischen Landwirtschaftsminister über die Folgen beraten. Mitarbeiter des Rates nannten am Donnerstag in Brüssel unter Verweis auf die italienische Ratspräsidentschaft den 8. September als Datum. Diplomaten ergänzten später, im Gespräch sei auch der 5. September als Termin.

Womöglich können Bauern aber schon vorher auf Hilfe hoffen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kündigte Aufkäufe mehrerer leicht verderblicher Frucht- und Gemüsesorten an. Bei einem vorhergehenden Treffen mit Vertretern der EU-Staaten hätten mehrere Teilnehmer Schwierigkeiten beim Absatz von Tomaten, Gurken, Pilzen, Paprika und Blumenkohl angekündigt, erläuterte Ciolos' Sprecher.

Bei welchen Sorten Brüssel genau in den Markt eingreifen werde, wolle die EU-Kommission über das Wochenende prüfen. Anfang nächster Woche will Ciolos Details mitteilen. Die Auswirkungen des russischen Verbots spüren nach EU-Angaben vor allem jene Erzeuger, für die die Erntesaison bereits begonnen hat.

Zudem will die Brüsseler Behörde die Agrarmärkte genauer im Auge behalten. "Die außergewöhnliche Situation, der wir als Ergebnis des russischen Verbots gegenüberstehen, verlangt rascheren und besseren Zugang zu Marktdaten", teilte Ciolos mit. Die Kommission werde daher von nun an jede Woche mit Vertretern der EU-Staaten zusammentreffen.

Die EU-Kommission hatte zuvor bereits Aufkäufe für Pfirsiche und Nektarinen angekündigt. Die schlechte Marktlage hatte sie aber hier durch ungünstiges Wetter begründet und nur teilweise durch die russischen Einschränkungen.

Ein hoher Diplomat erklärte am Donnerstag, die EU appelliere an Drittländer, nicht vom Importverbot für europäische Lebensmittel zu profitieren und die Lücken in Russland zu füllen. Solches Verhalten sei "unfreundlich".

Landwirtschaftliche Produkte gehören zu den wichtigsten Exportgütern der EU nach Russland - nach Maschinen, Chemikalien und Arzneimitteln. 2013 exportierten die EU-Staaten insgesamt Waren im Wert von knapp 120 Milliarden Euro nach Russland. Davon waren nach früheren Angaben der EU-Kommission rund ein Zehntel oder 11,9 Milliarden Euro Agrarprodukte. Die Behörde schätzt, dass Waren im Wert von 5,2 Milliarden Euro von dem Moskauer Verbot betroffen sind.

dpa

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