+
In Sanaa demonstrieren Menschen vor der saudi-arabischen Botschaft. Die angebliche Bombardierung der iranischen Botschaft im Jemen hat dem Konflikt Saudi-Arabiens mit Teheran neue Nahrung gegeben. Foto: Yahya Arhab

Saudisch-iranischer Konflikt durch Bomben-Spekulation zugespitzt

Der Vorwurf war hart: Saudische Kampfflugzeuge sollen die iranische Botschaft in Sanaa bombardiert haben. Doch dann machen die Iraner einen halben Rückzieher. Das Haus steht noch. Was passierte wirklich?

Teheran/Riad (dpa) - Die angebliche Bombardierung der iranischen Botschaft im Jemen hat dem Konflikt Saudi-Arabiens mit Teheran neue Nahrung gegeben.

Der Iran hatte Riad zunächst vorgeworfen, saudische Kampfflugzeuge hätten die iranische Vertretung in Sanaa mit Raketen angegriffen. Dabei seien Teile der Botschaft beschädigt und einige Sicherheitsbeamten verletzt worden.

Die Botschaft im Jemen allerdings ließ keine Schäden infolge eines solchen Angriffs erkennen. Eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur sagte, das Haus befinde sich in "gutem Zustand". Der Iran korrigierte später, es seien Raketen "in der Nähe der Botschaft" eingeschlagen.

Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr und 46 weiterer MenscheN am vergangenen Samstag in Saudi-Arabien hatte massive Spannungen zwischen Riad und Teheran ausgelöst. In Teheran hatte eine Menschenmenge die saudische Botschaft gestürmt und Brände gelegt. Daraufhin brachen Riad und andere sunnitisch regierte Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Der schiitische Iran und das sunnitische Königreich Saudi-Arabien ringen um die Vormachtstellung in der Region.

Der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian korrigierte die ersten Darstellungen des Irans. Die Raketen hätten die iranische Botschaft nicht direkt getroffen, sondern seien "in der Nähe"" eingeschlagen. Trotzdem werde der Iran bei der UN einen umfassenden Bericht über den Vorfall einreichen und den Fall juristisch verfolgen. Bei dem Angriff sei ein iranischer Wächter schwer verletzt worden, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA.

Für diesen Freitag sind im Iran landesweit Demonstrationen gegen Saudi-Arabien geplant. Die von der Regierung organisierten Proteste sollen nach dem Freitagsgebet stattfinden. Es wird erwartet, dass Millionen Iraner teilnehmen werden. Als Vergeltung für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen verhängte die iranische Regierung zudem ein Einfuhrverbot für alle saudischen Produkte. Das ist eher ein symbolischer Akt ohne große wirtschaftliche Bedeutung, da im iranischen Markt saudische Waren kaum zu finden sind.

Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, die seit März Angriffe auf das Bürgerkriegsland Jemen fliegt, teilte derweil mit, sie wolle die iranischen Vorwürfe bezüglich eines Angriffs der Botschaft überprüfen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

2016 bereits 3165 Flüchtlinge im Mittelmeer umgekommen

Genf/Athen - Weniger Flüchtlinge, jedoch mehr Todesopfer: Das Mittelmeer bleibt eine schwierige und teils auch tödliche Barriere für Migranten.
2016 bereits 3165 Flüchtlinge im Mittelmeer umgekommen

Hollande: TTIP kann nicht bis Ende 2016 abgeschlossen werden

Paris (dpa) - Nach Außenhandels-Staatssekretär Matthias Fekl geht nun auch Frankreichs Staatspräsident François Hollande auf Gegenkurs zum transatlantischen …
Hollande: TTIP kann nicht bis Ende 2016 abgeschlossen werden

Trump fordert Footballer auf: Such dir ein anderes Land

München - NFL-Star Colin Kaepernicks singt die Hymne nicht mit und kritisiert die Fremdenfeindlichkeit in den USA. Das ruft wiederum Donald Trump auf den Plan. Der …
Trump fordert Footballer auf: Such dir ein anderes Land

Familiennachzug: Immer mehr Asylbewerber klagen

München - Immer mehr Asylbewerber fechten ihren Status an – es geht ihnen meist darum, ihre Familie nachholen zu können. Die CSU will einen Teil der Klagen durch eine …
Familiennachzug: Immer mehr Asylbewerber klagen

Kommentare