Roland Kaiser
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Roland Kaiser bei seiner Rede vor der Dresdner Frauenkirche: "Heute anfangen, Position zu beziehen – für Mitmenschlichkeit, Weltoffenheit und für den Dialog miteinander."

So toben sie im Netz

Pegida-Anhänger wütend auf Roland Kaiser

München - Dresden und Roland Kaiser - das ist eins. Auf einer politischen Veranstaltung stellte sich der Sänger allerdings klar gegen Pegida und Co. und zieht so die Wut der Fans auf sich.

Seit über zehn Jahren hegt und pflegt Schlagersänger Roland Kaiser eine innige Beziehung zur sächsischen Landeshauptstadt. Diesen Sommer feiert das Kaiser Mania Festival an der Dresdner Elbwiese sein zwölfjähriges Jubiläum. Sogar einen Song widmete der Sänger seiner großen Liebe Dresden: In "Affäre" singt Kaiser über die Affäre zu der für ihn unbeschreiblichen Stadt, aus der plötzlich Liebe geworden ist. Und aus der ihm plötzlich so viel Hass entgegen schlägt. Woher kommt plötzlich diese Beziehungskrise?

Rund 35.000 Menschen hatten sich am Wochenende an der Dresdner Frauenkirche versammelt, um ein Zeichen zu setzen für Weltoffenheit und Toleranz. Nach Rednern wie dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich trat auch der Sänger Roland Kaiser ans Mikrofon. Und ging hart mit den Anhängern von Pegida ins Gericht: "Zuwanderungspolitik kritisch unter die Lupe zu nehmen, ist eine mögliche, naheliegende Reaktion auf individuelle Unzufriedenheit, schürt jedoch Vorurteile und verschärft gesellschaftliche Probleme, ist jedoch keine Lösung", mahnt Kaiser in seiner Rede, deren Wortlaut die "Morgenpost Sachsen" festgehalten hat.

Pegida-Sprecherin sehr enttäuscht von Roland Kaiser

Die Zeit der Sündenböcke sei vorbei, stattdessen sollten die Menschen "der Angst vor dem Unbekannten die Neugier entgegen" setzen und sich ohne Vorbehalte auf Menschen einlassen, forderte der Sänger leidenschaftlich. Nur so sei ein friedliches Zusammenleben möglich. Viele Fans, die sich mit der Pegida-Bewegung identifizieren, nehmen ihm diese klare Positionierung übel und machen ihrer Wut derzeit im Netz Luft.

Der Vorwurf: Ihr Held Roland Kaiser habe sich von der Politik kaufen lassen. Speerspitze der Kritik ist Kathrin Oertel, Mitorganisatorin der Pegida-Demonstrationen und Sprecherin der Vereinigung, die sich als "großer Fan" tief enttäuscht fühlt. "Wir hätten mehr Rückgrat von Ihnen erwartet. Viele Pegida-Anhänger haben Karten für Ihre Konzerte gekauft", schmollte Oertel am Montagabend auf der Cockerwiese.

Bilder: Tausende demonstrieren gegen Pegida

Bilder: Tausende demonstrieren gegen Pegida

"Ich werde meine Plattensammlung verschenken"

Dass Kaiser seine eigene Meinung wiedergegeben haben könnte, scheint den enttäuschten Fans und Pegiden eher unwahrscheinlich. Für sie ist der "gekaufte" Schlagerstar gestorben: "Seit 10 Jahren bin ich zum Konzert gegangen, schade, dass Sie sich haben kaufen lassen... aber für Geld geht ja bekanntlich alles. Habe 3 Karten abzugeben. Pfui", schreibt Ronny H. auf der Facebook-Seite von Roland Kaiser.

"35 Jahre war ich ein echter Fan, aber so ein Auftritt wie in Dresden geht gar nicht. Ich werde meine Plattensammlung verschenken. Roland Kaiser ich bin sehr enttäuscht, du bist jetzt eine traurige Gestalt", wütet dort auch der ehemalige Fan Hans K.. Auch völlig aus der Luft gegriffene Kommentare muss sich Kaiser derzeit gefallen lassen: "Freut mich das sie 10 Asylanten in ihre Villa aufnehmen wollen und sämtliche Kosten tragen", kommentiert beispielsweise Herbert K.

Diese Fans, in Personalunion "patriotische Europäer", dürfte der Schlagersänger wohl verloren haben. Für seine klare Positionierung in der Debatte, die derzeit ganz Deutschland bewegt, erhält Kaiser allerdings auch ordentlich Rückendeckung: "Herr Kaiser, lassen Sie sich von den Rechten keine Beleidigungen gefallen. Deutschland ist Stolz auf Menschen wie Sie! Danke für ihre Menschlichkeit und die tolle Musik, mit der Sie uns verzaubern.", schreibt Ahmad S. an Roland Kaisers Pinnwand.

vf

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