Sean Connery
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Ex-James-Bond Sean Connery ist Schotte mit Leib und Seele.

McCartney gegen Connery

Schottische Unabhängigkeit: Wo stehen die Promis?

London - Am Donnerstag entscheiden die Schotten über die Zukunft ihres Landes entscheiden. Sowohl die Unabhängigkeits-Gegner als auch deren Befürworter können auf prominente Unterstützung verweisen.

Im August unterzeichneten 200 bekannte britische Persönlichkeiten einen offenen Brief, in dem sie die Schotten zu einem Verbleib im Königreich aufforderten. Neben den Rockstars McCartney und Jagger gaben auch der Astrophysiker Stephen Hawking und Hollywood-Schauspieler wie Helena Bonham-Carter, Michael Douglas und Judi Dench der Nein-Kampagne ihre Stimme.

"Harry Potter"-Schöpferin Rowling, die seit 21 Jahren in Edinburgh lebt und mit einem Schotten verheiratet ist, unterstützte das Vorhaben sogar mit einer 1,3 Millionen-Euro-Spende. Die Autorin warnte vor den Risiken einer Loslösung von London. Fragen wie die Höhe der künftigen Erdöl-Einnahmen, das Ausscheiden aus der EU oder die Währung in einem unabhängigen Schottland würden von den Initiatoren des Referendums totgeschwiegen, kritisierte Rowling. Jethro-Tull-Sänger Ian Anderson bereitet das Referendum ebenfalls Bauchschmerzen. Sollte sich Schottland abspalten, werde "ein gewaltiges Durcheinander ausbrechen", sagte der 67-Jährige der "Welt am Sonntag".

Auch andere britische Prominente warben in den vergangenen Wochen für einen Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs. "Wozu neue Grenzen schaffen?" fragte etwa Schauspielerin Emma Thompson - und Popstar David Bowie ließ seine Botschaft von Model Kate Moss bei einer Preisverleihung vortragen: "Schottland, bleib bei uns!" Bowies Kollegen Sting, Bryan Ferry und Rod Stewart wünschen sich ebenfalls ein Nein der Schotten bei dem Referendum am 18. September.

Doch auch die Gegenseite erhält Unterstützung aus der britischen Künstlerszene. Das wohl prominenteste Gesicht der Ja-Kampagne ist der legendäre "James Bond"-Darsteller Sean Connery. "Die Chance einer Unabhängigkeit ist zu gut, um sie verstreichen zu lassen", erklärte der Schotte. Regisseur Ken Loach ermunterte die Schotten, den Schritt in die Unabhängigkeit zu wagen, und verfluchte die "unverbesserlichen Imperialisten" in London, von deren Joch die Schotten sich befreien müssten.

Komiker Russell Brand schlug sich ebenfalls auf die Seite der Befürworter eines unabhängigen Schottlands: "Ich habe nie gewählt, aber wenn ich Schotte wäre, würde ich mit Ja stimmen." Auch die schottischen Hollywood-Schauspieler Gerard Butler und Alan Cumming sowie Designerin Vivienne Westwood sprachen sich für ein unabhängiges Schottland aus.

Doch nicht alle britischen Prominenten haben überhaupt eine Meinung zu dem Referendum oder wollen diese öffentlich kundtun. "X-Men"-Star James McAvoy erklärte, sich aus Sorge um seine Karriere nicht zu der heiß diskutierten Frage zu äußern. Auch Schottlands Tennis-Star Andy Murray möchte sich nicht in die Debatte einmischen. Er habe "zu wenig Ahnung von Politik", gab der Wimbledon-Sieger von 2013 zu Protokoll.

Zwei neue Umfragen sagen Schottlands Verbleib im Königreich voraus

Wenige Tage vor dem Referendum in Schottland sehen zwei Umfragen die Gegner einer Abspaltung von Großbritannien in Führung. In einer am Samstag veröffentlichten Befragung im Auftrag der "Better Together"-Kampagne sprachen sich abzüglich der noch Unentschiedenen 54 Prozent gegen die Unabhängigkeit aus. In einer weiteren Umfrage führten die Unabhängigkeitsgegner mit mehr als fünf Prozentpunkten. Beide Lager führten am Wochenende intensiv Wahlkampf.

"Diese Umfrage legt nahe, dass das 'Nein'-Lager führt aber das Rennen ist alles andere als vorbei", sagte Blair McDougall, Direktor der Kampagne "Better Together", die sich für ein "Nein" zur Unabhängigkeit Schottlands einsetzt. In der Befragung von mehr als 1000 Teilnehmern sprachen sich 47 Prozent gegen die Unabhängigkeit aus, 40,8 Prozent wären dafür. Neun Prozent sind noch nicht entschieden und 3,2 Prozent wollten sich nicht äußern. Abzüglich der Unentschiedenen lag das "Nein"-Lager mit 54 Prozent vorn.

Die Befragung deutet zudem auf eine sehr hohe Wahlbeteiligung hin: 93 Prozent der zwischen Mittwoch und Freitag befragten Einwohner Schottlands erklärten ihre Absicht, wählen zu gehen. In einer Umfrage der Zeitung "Observer" gaben 47,7 Prozent der Befragten an, gegen die Unabhängigkeit stimmen zu wollen, 42,3 Prozent waren dafür. Nur zwei Prozent wollten demnach nicht an der Abstimmung teilnehmen, während acht Prozent dahingehend noch unsicher waren.

Am vergangenen Wochenende hatten die Befürworter einer Abspaltung Schottlands zum ersten Mal in einer Umfrage eine Mehrheit erreicht - das Ergebnis hatte die Londoner Politik alarmiert. Seither appellierten die Vorsitzenden der drei wichtigsten britischen Parteien eindringlich an die Schotten, sich nicht vom Vereinigten Königreich loszusagen. Die Schotten stimmen am Donnerstag per Referendum über die Loslösung von Großbritannien ab. Bei einem Sieg des "Ja"-Lagers wird damit gerechnet, dass es rund 18 Monate dauern würde, bis Schottland formal unabhängig wäre.

Eine ebenfalls am Wochenende veröffentlichte Umfrage im Auftrag des "Sunday Telegraph" sagte indes einen Sieg der Unabhängigkeitsbefürworter voraus. Darin sprachen sich abzüglich der Unentschiedenen und Nichtwähler 54 Prozent der Befragten für eine Abspaltung von Großbritannien aus. Der Meinungsforschungsexperte John Curtice zweifelte jedoch die Aussagekraft der Umfrage in seinem Blog aufgrund der vergleichsweise dünnen Basis von 705 Befragten an.

Das Wochenende war geprägt von einem intensiven Werben beider Lager. Die Schottische Nationalpartei (SNP) von Regierungschef Alex Salmond schickte 35.000 Unterstützer auf die Straßen, die mehr als 2,5 Millionen Reklamezettel für die Unabhängigkeit Schottlands verteilen sollten.

Das Lager der Unabhängigkeitsgegner bekam dagegen Unterstützung vom ultrakonservativen, protestantischen Oranierorden. Nach Angaben der Organisatoren zogen am Samstag 15.000 uniformierte Mitglieder mit Musikkapellen durch die schottische Großstadt Edinburgh. "Wir sind stolz, zu Großbritannien zu gehören", sagte der Großmeister der Schottischen Loge, Henry Dunbar, bei der Kundgebung am Schloss von Edinburgh. "Ich will mit denen nichts zu tun haben", sagte dagegen der Labour-Abgeordnete Jim Murphy über die Oranier. "'Better Together' will mit denen nicht zu tun haben."

afp

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