+
Sebastian Kurz

Österreicher Sebastian Kurz

Der jüngste Außenminister der Welt wird 30 - ein Kurzportrait

Wien - Sebastian Kurz ist Österreichs unfassbar junger Chefdiplomat. Am Samstag feiert der österreichische Außenminister seinen 30. Geburtstag. Zeit ihn sich näher anzuschauen.

Er galt einmal als aufgeweckter Polit-Hallodri, als Provokateur. Seine erste große Kampagne im Wiener Landtagswahlkampf 2010 startete Sebastian Kurz in einem Hummer-Geländewagen, mit dem er quer durch Wien kurvte. Auf die Heckscheibe pickte er den Aufkleber „Geil-o-Mobil“ und posierte mit jungen Damen in schwarzen Hot-Pants. Schon hatte er Aufmerksamkeit. Der nächste Schritt war eine Plakatkampagne für den 24-Stunden-Betrieb der Wiener U-Bahn mit zwei Pappfiguren: einer weiblichen, augenscheinlich entblößten, einer männlichen im Muskelshirt von ihr angeschmachtet mit den Worten: „Wenn wir unseren Verkehr so planen, kommen wir nie in Fahrt...“ Man muss das nicht lustig finden. Aber man muss staunen, wo es hinführte: im jüngsten Alter in höchste Staatsämter.

Kurz‘ Mentor ist der ehemalige Außenminister Michael Spindelegger: Er hat den Jurastudenten ohne Abschluss systematisch aufgebaut, ihn 2011 zum Integrationsstaatssekretär gemacht, mit plötzlich ganz seriösen Themen. Der erste Coup: das Motto „Integration durch Leistung“, dazu ernennt er prominente Migranten zu Integrationsbotschaftern. Kurz sorgt dafür, dass ausländische Berufsabschlüsse rascher anerkannt werden und dass Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse in eigenen Deutschkursen unterrichtet werden. Er zieht die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts durch: Ausländer, die regelmäßig Steuern zahlen, Deutsch sprechen und sich ehrenamtlich engagieren, erhalten die Staatsbürgerschaft schon nach sechs und nicht erst nach zehn Jahren. 2013 wird er Außenminister – der jüngste der Welt! – und gibt seither den Takt in der internationalen Politik mit an.

Zunächst mit der erfolgreichen Bewerbung Österreichs für den OSZE-Vorsitz 2017, einer Westbalkankonferenz, den Libyen- und Syrien-Friedensgesprächen in Wien. Der Iran-Atomvertrag wird in Wien verhandelt und beim Ukraine-Gipfel, am Höhepunkt der Krise, sitzen erstmals ein russischer und ein ukrainischer Außenminister an einem Tisch und verhandeln miteinander. Auch die Westbalkankonferenz heuer in der Wiener Hofburg bringt einen Meilenstein: Sie ist hauptverantwortlich für die Schließung der Balkanroute.

Zur Erinnerung: Kurz wird am Samstag 30 Jahre alt. Er hat einen Beraterkreis um sich, der aus bekannten Gesichtern der Wirtschaft, Kultur und Politik besteht. Elisabeth Gürtler, Besitzerin des Hotel Sacher, gehört dazu. Warum sie Kurz berät? „Er ist ein großes politisches Talent, trotzdem ,down to earth‘ (bodenständig), charmant, sieht gut aus und traut sich das zu sagen, wofür er steht.“ Für Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, ist Kurz ein guter Politiker, weil er „sich in jede Situation hineinversetzen kann, Wort hält und nichts sagt, was er nicht bringen kann.“ Benita Ferrero-Waldner, seine Vorgängerin im Außenamt, wünscht ihm daher „weiterhin soviel Fortüne wie bisher“.

Judith Grohmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Berichte: Syrische Armee erobert weiteren Bezirk in Aleppo zurück

Aleppo - Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten haben am späten Freitagabend ein weiteres Stadtviertel der umkämpften Metropole Aleppo aus der Hand der Rebellen …
Berichte: Syrische Armee erobert weiteren Bezirk in Aleppo zurück

Gewinnt Alexander Van der Bellen noch einmal die Wahl in Österreich?

München - Alexander Van der Bellen kandidiert bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich als unabhängiger Bewerber. Kann der frühere Grünen-Politiker wieder gewinnen?
Gewinnt Alexander Van der Bellen noch einmal die Wahl in Österreich?

Bouffier für harten Kurs gegenüber der Türkei

München (dpa) - Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich für einen harten Kurs gegenüber der Türkei ausgesprochen. "Wir dürfen uns in dieser …
Bouffier für harten Kurs gegenüber der Türkei

China verägert: Trump telefoniert mit Taiwans Präsidentin

Peking - China hat gegenüber Washington seinen Unmut über das Telefonat des designierten US-Präsidenten Donald Trump mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen geäußert.
China verägert: Trump telefoniert mit Taiwans Präsidentin

Kommentare